Spielerisch die Pflanzen und Tiere im Wald erkunden

Rastatt (kba) – Die Rastatter Künstlerin Jenny Vielsäcker macht den Waldtag für Grundschulklassen zu einem Erlebnis. Spielerisch geht es auf Entdeckungssuche.

Jenny Vielsäcker hat mit den Drittklässlern und ihrer Plüschlaus viel Spaß im Rastatter Wald. Foto: Kerstin Bausch

© kba

Jenny Vielsäcker hat mit den Drittklässlern und ihrer Plüschlaus viel Spaß im Rastatter Wald. Foto: Kerstin Bausch

Einen ganzen Schultag lang aufregende Natur hautnah erleben mit der ganzen Klasse, das steht dank Jenny Vielsäcker noch vor den großen Ferien für einige Carl-Schurz-Schüler auf dem Programm. Als Schwarzwaldguide hat sie im zweiten Pandemiejahr einen Walderlebnistag in Rastatt für Grundschulkinder entwickelt. Fünfte Stunde: Ameisenspiel. Gerade haben sich die Schülerinnen und Schüler der 3b der Carl-Schurz-Schule als Ameisen nach Düften sortiert, nun soll jeder mit seiner „Straße“ sammeln gehen, erst Kiefernzapfen, dann Nadeln. Weil Ameisen aber keine Hände haben, hat Jenny Vielsäcker dafür jedem eine Zeckenzange überreicht. Sie ist Schwarzwaldguide, angehende Waldpädagogin und Vorsitzende des Fördervereins an der Grundschule. Gemeinsam mit der Schulleitung hat sie im Corona-Jahr 2021 einen Walderlebnistag in Rastatt entwickelt, um mit Bewegung und Spaß einen kleinen Ersatz für die ausgefallenen Schulausflüge zu schaffen. Nun fand die trotz mäßigen Wetters gelungene „Premiere“ statt. Vielsäcker hatte das Gelände des ehemaligen Waldkindergartens Wurzelzwerge für die Entdeckungen und Spiele vorbereitet. Die Klasse erreicht es zu Fuß. Klassenlehrerin Lisa Illig freut sich ganz besonders über die Initiative: „Die Kinder haben das super gemacht mit dem Distanzlernen, doch wir haben gekämpft. Nun wieder ins Erleben gehen zu können, ist jetzt genau das Richtige.“

Arbeitsmaterial selbst gestaltet

Dass die Klasse ganz nebenbei auch einiges lernt, dafür sorgt auch das umfangreiche, meist selbstgestaltete Material mit Schautafeln, Waldinstrumenten und Sammelwerkzeugen, das Vielsäcker mitgebracht hat. Und nebenbei liefert sie bei jedem neuen Spiel noch Wissenswertes zu Pflanzen, Tieren und Insekten dazu. Zum Schluss kommt die Plüschlaus dran und das Honigschlecken: „Wenn ihr der jetzt auf den Popo klopft, gibt’s einen Tropfen auf euer Blatt“, erklärt Vielsäcker. Manche Kinder kichern. Die kleine Stärkung vor dem Heimweg ist wohl verdient. Bis zu den Sommerferien wird Vielsäcker noch drei weiteren Klassen den Wald zeigen. Sie könnte sich aber auch vorstellen, das Angebot im nächsten Schuljahr auf weitere Schulen auszudehnen. Um viel und viele zu erreichen, hat Jenny Vielsäcker auf ihrer Webseite www.dreijots.de unter dem Stichwort Schwarzwaldwandern exemplarisch ein Familien-Wanderevent in Baden-Baden beschrieben. Doch Wandern und Naturerlebnisse sind nur ein kleiner Teil ihres kreativen Wirkens. Mit Dreijots hat die Mutter einer neunjährigen Tochter sich den Traum eines Ateliers erfüllt. Über das Internet bietet sie selbst gestaltete Accessoires, maßgeschneiderte Kleider oder auch handbemalte Spielpferde, in Stoffkomposition und Farbenspiel ganz auf die Wünsche ihrer Kunden abgestimmt. Und sie malt. Im September ist im Kleverhaus in Steinmauern eine Ausstellung mit ihren Bildern geplant. Musik, Kunst und Natur – in Vielsäckers engagiertem Wirken scheinen sie symbiotisch vereint. Oft ist es nicht nur das Was, sondern auch das Wie, das einen Lebensweg prägt. Um eigene Wege gehen zu können, hat Jenny Vielsäcker, die Touristik studiert und verschiedene Reisebüros geleitet hat, sich aber immer ehrenamtlich engagiert – auch wenn sie dafür oft mehr stemmen musste. „Das war eigentlich schon immer so“, erinnert sich die gebürtige Durmersheimerin und sucht nach den Anfängen. Die lagen vielleicht in der Zeit, als sie mit ihrem Mann für acht Jahre im Zollernalbkreis lebte, wo sie in einer Einrichtung der Lebenshilfe mit Jugendlichen musizierte und im Tierheim mithalf. Durch die Geburt ihrer Tochter stand erst mal die Familie im Mittelpunkt, ehe sie vor wenigen Jahren neu durchstartete: „Für mich ging das nur mit der Familie.“ Wege zu finden und sich einzusetzen für die gute Sache, das war ihr Anspruch. Dreijots ist ihre Basis dafür: „Es ist ein Nischenangebot“, das allerdings gut angenommen wird“, so Vielsäcker. Ihr Plus ist ihre Flexibilität: „Die meisten Teile fertige ich individuell an.“ Viele seien Unikate. Gerne würde sie Entwürfe und Stoffmuster auch direkt zeigen können, verzichtete aber noch darauf, für ihr Atelier Räume anzumieten. Stattdessen machte sie sich mit dem Förderverein erst mal für Luftreiniger in den Klassenräumen stark. Sogar Spenden gab es dafür. „Das ging dann bis in den Gemeinderat“, erinnert sie sich. Noch fehlen die Geräte in den Räumen. Dafür geht sie nun pandemiegerecht mit den Kindern raus.

Zum Artikel

Erstellt:
18. Juli 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 06sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.