Baden-Oos: Ärger um Spielwertung nach Corona-Absage

Baden-Baden (moe) – Aufgrund von Corona-Fällen beim FV Baden-Oos konnte der Fußball-Bezirksligist jüngst nicht in Ottenhöfen antreten. Die Wertung des Spiels zuungunsten des FVO sorgt nun für Ärger.

Zehn Spieler des FV Baden-Oos sind an Corona erkrankt. Deshalb ruhte am vergangenen Wochenende der Ball. Foto: Frank Seiter/Archiv

© Frank Seiter

Zehn Spieler des FV Baden-Oos sind an Corona erkrankt. Deshalb ruhte am vergangenen Wochenende der Ball. Foto: Frank Seiter/Archiv

Anders als von vielen im Vorfeld vermutet, hatte Corona im hiesigen Fußballbezirk seit dem Saisonstart keine Stammplatzgarantie, zumindest was das Thema Spielabsagen betrifft. In der vergangenen Woche jedoch hat ein unfreiwilliger pandemischer Doppelpass für Aufsehen gesorgt. Wie bereits am Montag berichtet, ist der FV Baden-Oos am Samstag nicht zum Auswärtsspiel beim FC Ottenhöfen angetreten, das erwartbare Urteil ist offenbar bereits gefällt: Die Partie wird mit 0:3 gegen den FVO gewertet. Sehr zum Ärger von Thomas Fritz, dem Ooser Vereinsvorsitzenden, der sich in Sachen Spielverlegung mehr Entgegenkommen seitens des Gegners aus dem Achtertal gewünscht hätte. „Das war nicht sehr sportlich, wir hätten uns als betroffener Gegner nicht so verhalten.“

Doch von Anfang an: Im Nachgang des 2:1-Heimsiegs des FV Oos gegen Bad Rotenfels in der vorvergangenen Woche grassierte das Virus im Baden-Badener Kader, zehn von insgesamt 17 Spielern wurden zwischenzeitlich positiv auf Covid-19 getestet. Die guten Nachrichten: Das Virus ist laut FVO-Angaben offenbar nicht auf andere Teams, etwa die Reserve oder das Frauenteam, die an besagtem Spieltag ebenfalls im Einsatz waren, übergesprungen. Zudem haben die infizierten Spieler entweder gar keine Symptome oder nur ganz geringe Erkältungserscheinungen. Da habe offenbar geholfen, „dass von den 17 Spielern 15 bereits vollständig geimpft sind. Nur einer der Erkrankten ist noch nicht geimpft, aber auch ihm geht es gut“, schreibt Fritz in einer Erklärung.

Ein Stammspieler zu wenig infiziert

Angesichts dieser Umstände müsste es doch ein Leichtes sein, das Spiel verlegen zu lassen, so die landläufige Meinung. Das entspricht aber nicht den Tatsachen: Denn trotz des pandemischen Ernstfalls kommt der für Krankheitsfälle übliche Passus der Spielordnung des Südbadischen Fußballverbands (SBFV) zum Tragen. Paragraf 45, Absatz 2 besagt, dass ein Staffelleiter eine Begegnung verlegen kann, wenn ein Team von einer „Kollektiverkrankung der Spieler“ betroffen ist. Dafür, so die Statuten, müssen mindestens sieben Stammspieler erkrankt sein. Das Problem des FV Oos: Von den zehn infizierten Spielern fielen laut Fritz nur sechs unter besagte Regelung – einer zu wenig.

Vito Voncina war als Vorsitzender des Fußballbezirks in den aktuellen Fall involviert. Er bestätigte die Sachlage. Angesichts der Paragrafen in der Spielordnung könne er indes „gar nichts machen. Mir sind in der Sache die Hände gebunden“. Frank Bohnert hält den Fall für ein „ganz schwieriges Thema“. Das betont der Vorsitzende des FC Ottenhöfen gleich zu Beginn des Gesprächs mit dem BT. Selbstverständlich sei auch sein Verein nicht davor gefeit, selbst in eine derartige Situation zu geraten. Insofern habe man sich mit der Abwägung „schwergetan“, letztlich aber auf die Einhaltung der Statuten gepocht. Seines Erachtens sei es in solchen Fällen stets am besten, sich „an bestehende Regeln zu halten, um sich nicht angreifbar zu machen. Wir haben die Regeln nicht gemacht“, so Bohnert, insofern will der FCO auch „nicht der Buhmann sein“. Das Thema könne man nicht auf dem Rücken der Vereine austragen.

Fritz: „Moralischer, aber nicht rechtlicher Sieger“

Thomas Fritz kann prinzipiell verstehen, dass man „auf die Einhaltung von Statuten pocht. Regeln müssen eingehalten werden“, so der FVO-Vorsitzende, der den aktuellen Fall, aber „für eine andere Situation hält“. Vor allem eingedenk der Tatsache, dass zu Hochzeiten der Pandemie schon Verdachtsfälle ausgereicht hätten, um etliche Spiele präventiv zu verlegen. Mit den sieben nicht infizierten Spielern – sowie weiteren aus dem Kader der Reserve – anzutreten, kam für Fritz indes nie infrage, schon allein, um keine „Gefahr für sich oder andere“ darzustellen.

Während Vito Voncina angesichts der Corona-Fälle in Oos kollektiv an die Einhaltung der Hygieneregeln appelliert, hat Thomas Fritz das Thema noch nicht ad acta gelegt. Der FVO-Vorsitzende ist gewillt, den Rechtsweg zu beschreiten, die Spielordnung helfe hier nicht weiter. Was das Urteil des Sportgerichts anbelangt, sagt er: „Wir sind vielleicht der moralische, aber nicht der rechtliche Sieger“.

Ihr Autor

BT-Redakteur Moritz Hirn

Zum Artikel

Erstellt:
4. Oktober 2021, 16:19 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 00sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.