Sportjournalist Dittrich ist gestorben

Baden-Baden (BT) – Michael Dittrich, Vollblut-Sportjournalist, Filmemacher, Buchautor und Moderator aus Neuweier, der beim SWR eine feste Größe war, ist am Dienstag im Alter von 64 Jahren gestorben.

Michael Dittrich (links, hier mit Daniel Merkel, Sänger Tony Marshall) genoss das Vertrauen so mancher Sport-Legende. Foto: Klaus Schultes/Archiv

Michael Dittrich (links, hier mit Daniel Merkel, Sänger Tony Marshall) genoss das Vertrauen so mancher Sport-Legende. Foto: Klaus Schultes/Archiv

Dittrich war ein Kämpfer, letztlich hatte er aber keine Chance: Eine als chronische Entzündung des zentralen Nervensystems diagnostizierte Krankheit schränkte seine Bewegungsfähigkeit über viele Jahre sehr ein und fesselte ihn ans Bett. Mit einer unvorstellbaren Energie ausgestattet, lieferte er trotz seines schweren Handicaps regelmäßig Beiträge für seinen geliebten Sender. Seine Spezialität waren dabei historische Sportthemen. Vor allem die Geschichte der Olympischen Spiele beleuchtete er wie kein Zweiter in allen Variationen.

Im Jahr 2015 sorgte er mit seinem preisgekrönten autobiografischen Film „Reine Nervensache – Leben mit einer unheilbaren Krankheit“ für ein großes Medienecho.

Bundesweit bekannt durch „Sport im Dritten“

Begonnen hat Michael Dittrich, im Freundes- und Kollegenkreis „Micha“ genannt, seine journalistische Karriere als freier Mitarbeiter beim Acher- und Bühler Boten sowie beim Badischen Tagblatt. Beim BT absolvierte er auch ein Volontariat, bevor es ihn zum damaligen Südwestfunk zog.

Bundesweit bekannt wurde er dort unter anderem durch die Moderation von „Sport im Dritten“ und „Sport unter der Lupe“. Michael Dittrich baute sich im Laufe seines Arbeitslebens ein geradezu sagenhaftes Netzwerk auf. Mit seiner sympathischen und einnehmenden Art erwarb er sich das Vertrauen von Sport-Legenden wie den Fußballern Bert Trautmann und Just Fontaine, dem Boxer Karl Mildenberger oder dem Eiskunstläufer Paul Falk.

Den ehemaligen Weltklasse-Leichtathleten Heinz Fütterer und Carl Kaufmann setzte er mit den Büchern „Der weiße Blitz“ und „Bel ami der Aschenbahn“ Denkmäler. Seine große Liebe galt der Familie mit Ehefrau Birgit und Sohn Moritz, dem er die Leidenschaft für Borussia Dortmund vererbte. Mit dem BVB feierte er bis zuletzt große Siege und litt ungemein bei Niederlagen.

Der deutsche Sport-Journalismus hat mit Michael Dittrich einen renommierten Fachmann verloren, der in jeder Beziehung ein Vorbild war und sein hartes Schicksal klaglos angenommen hat. Der Schreiber dieser Zeilen verbeugt sich vor einem ganz besonderen Menschen.

Ihr Autor

Daniel Merkel

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Erstellt:
9. April 2022, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 57sec

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