Sportler-Kür in deutlich kleinerem Rahmen

Baden-Baden (moe) – Allen Widrigkeiten zum Trotz werden am 20. Dezember in Baden-Baden die Preise für die „Sportler des Jahres“ verliehen – allerdings in deutlich verkleinertem Rahmen.

Mit Abstand und Maske: Speerwerfer Johannes Vetter, Tennis-Ass Laura Siegemund, Paralympics-Sieger Niko Kappel und ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann (von links). Foto: Moritz Hirn

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Mit Abstand und Maske: Speerwerfer Johannes Vetter, Tennis-Ass Laura Siegemund, Paralympics-Sieger Niko Kappel und ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann (von links). Foto: Moritz Hirn

In der rechten Hand hat Johannes Vetter meist einen Speer, in seinem muskelbepackten Nacken sitzt indes der Schalk. Das wurde am Dienstag einmal mehr deutlich. Bei der Pressekonferenz im Vorfeld der Preisverleihung für die „Sportler des Jahres 2020“ war der Weltmeister von 2017 zu Scherzen aufgelegt: „Es ist ja ein Fakt, dass wir sicherlich Glück haben werden bei der Parkplatzsuche in diesem Jahr, das gestaltet sich ja sonst schwierig in Baden-Baden“, ulkte der 27-Jährige. Damit dürfte der Modellathlet recht haben. Denn nicht nur in Sachen Parkplätze ist bei der traditionellen Kür der Besten der Besten am 20. Dezember alles anders.

Corona hat nahezu alle gesellschaftlichen Bereiche bis in die kleinste Verästelung durcheinandergewirbelt, auch den Sport. Reihenweise wurden Wettbewerbe unterbrochen, verschoben, oft sogar gänzlich gestrichen – von den Niederungen der Kreisliga bis hin zum größten aller Großereignisse: den Olympischen Spiele, zu denen sich die Jugend der Welt im Sommer in Tokio hätte treffen sollen. Angesichts dieser weitreichenden Konsequenzen ist es nur folgerichtig, dass auch die Preisverleihung für die Sportler des Jahres 2020 anders ablaufen wird.

Zugang zum Kurhaus nur mit negativem Corona-Test

Im mondänen Bénazetsaal des Kurhauses tummeln sich sonst rund 750 Athleten, Funktionäre und Medienschaffende, fein herausgeputzt für den großen Auftritt im Scheinwerferlicht. In diesem Jahr sind neben ein paar handverlesenen Journalisten sowie dem Personal des Veranstalters, der Internationalen Sport-Korrespondenz (ISK), und dem Zweiten Deutschen Fernsehen nur die zu ehrenden Athleten vor Ort. Und auch die Protagonisten kommen nur ins Kurhaus, wenn ihr Corona-Test negativ ausfällt. Untersucht wird direkt vor Ort in einem eigenen Hygienemobil. ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann kündigte zwar eine „sehr andere Sendung“ an, rein logistisch ändert sich aber zumindest für die TV-Zuschauer nichts: Die Kür im Kurhaus wird von 22.15 bis 23.30 Uhr im ZDF übertragen, zum schon 14. Mal moderieren Katrin Müller-Hohenstein und Rudi Cerne.

Dass die Veranstaltung überhaupt stattfinden kann, sei „keine Selbstverständlichkeit“, betonte ISK-Chef Klaus Dobbratz, der vornehmlich zusammen mit Frau Beate und Tochter Deborah die Sportlerwahl alljährlich wuppt. „Wir wollten im Gegensatz zu anderen Veranstaltern nicht aufgeben“, so Dobbratz, der folgende Attribute für die Verleihung ausgab: „reduziert, mit kleiner Flamme, demütig und bescheiden“. Nach vielen Gesprächen und dank strenger Hygienevorschriften gaben die Gesundheitsbehörden grünes Licht.

Waggerhause: „Ganz tolles Signal für Baden-Baden“

Als „ganz tolles Signal für Baden-Baden“ wertete denn auch die kurstädtische Tourismus-Chefin Nora Waggershauser die Tatsache, dass „die Veranstaltung des Jahres“ trotz aller Widrigkeiten wird stattfinden können.

Speerwerfer Vetter spricht von „Leuchtturmereignis“

Das freut selbstredend auch die Sportler, vor denen und deren Leistungen man sich laut Dobbratz „tiefer denn je verneigen“ will. „Es ist immer leicht, etwas abzusagen. Aber der leichteste Weg ist nicht immer der beste Weg“, befand Speerwerfer Vetter, der zusammen mit Tennis-Ass Laura Siegemund sowie Paralympics-Sieger und Kugelstoß-Weltrekordler Niko Kappel physisch an der von Teo Jägersberg moderierten Pressekonferenz im Hotel Roomers teilnahm. Mountainbike-Veteranin Sabine Spitz und Bahnrad-Koryphäe Maximilian Levy grüßten per Video. Die Sportlerwahl sei „ein Signal und ein Leuchtturmereignis für all diejenigen, die nicht jeden Samstag und Sonntag in der öffentlichen Wahrnehmung zu sehen sind“, sagte Vetter.

Ob er selbst zu den geladenen Gästen – und damit den Gewinnern – zählen wird, weiß der Wahl-Offenburger freilich noch nicht. Die Ergebnisse der Journalistenwahl sind stets streng geheim. Vetter weiß das – konnte es sich aber nicht verkneifen, sich bei Klaus Dobbratz mit den Worten „Bis nächste Woche“ zu verabschieden. Mit einem Grinsen auf den Lippen – und dem Schalk im Nacken.

Neuner, Nowitzki und Beach-Girls sind „Sport-Legenden des Jahrzehnts“

Bei der Vorab-Pressekonferenz der Sportlerwahl werden in der Regel keine Ergebnisse verkündet. Am Dienstag war das ausnahmsweise anders. Das lag an einem besonderen Preis, der in diesem Jahr zum ersten Mal vergeben wird, nämlich der für die „Sport-Legenden des Jahrzehnts“. Die Macher hatten sich schon früh in diesem Corona-Jahr entschieden, mit einer besonderen Ehrung „den großen Bogen zu spannen“, wie ZDF-Reporterlegende Peter Leissl sagte. Stimmberechtigt waren die Internet-Nutzer des ZDF sowie die Athletensprecher der deutschen Spitzenverbände. Wie die Sieger der Journalistenwahl werden auch die Legenden am 20. Dezember im Kurhaus geehrt.

Dirk Nowitzki wird dann allerdings wohl nur aus seiner Wahlheimat Dallas per Video zu sehen sein. Der Basketball-Star setzte sich bei den Männern knapp vor Turner Fabian Hambüchen durch. Auf den Plätzen landeten der Ironman Jan Frodeno, Diskus-Olympiasieger Robert Harting und Tischtennis-Ass Timo Boll.

Die ehemalige Biathlon-Königin Madgalena Neuner, die bei den Frauen Tennisstar Angelique Kerber, Monoskifahrerin Anna Schaffelhuber, Dressurreiterin Isabell Werth und die frühere Bahnradfahrerin Kristina Vogel deutlich hinter sich ließ, hat derweil bereits ihre physische Präsenz an der Oos angekündigt.

Genauso wie das Beachvolleyball-Duo Laura Ludwig und Kira Walkenhorst. Die Olympiasiegerinnen gewannen bei den Teams gegen die Fußball-Weltmeister von 2014, den Gold-Achter von London 2012, die Eishockey-Silbermedaillengewinner von Pyeongchang 2018 und das Eiskunstlauf-Paar Aljona Savchenko/Bruno Massot.


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