Sportler des Jahres: Verleihung am 20. Dezember

Baden-Baden (moe) – Die Preisverleihung für die „Sportler des Jahres 2020“ in Baden-Baden wird am 20. Dezember stattfinden. Aufgrund der Corona-Krise aber in einem sehr minimalistischen Rahmen.

Mondänes Ambiente, rappelvoller Bénazet-Saal: Eine Gala mit Hunderten Gästen wie in den vergangenen Jahren wird es am 20. Dezember in Baden-Baden nicht geben können. Foto: Markus Gilliar/GES

© GES/Markus Gilliar

Mondänes Ambiente, rappelvoller Bénazet-Saal: Eine Gala mit Hunderten Gästen wie in den vergangenen Jahren wird es am 20. Dezember in Baden-Baden nicht geben können. Foto: Markus Gilliar/GES

Die Gala zur Wahl der Sportler des Jahres in Baden-Baden wird gemeinhin und durchaus sehr wertschätzend als „Familientreffen“ des deutschen Sports bezeichnet. Nun ist es in diesen Zeiten mit Festen so eine Sache, vor allem dann, wenn die Familie derart groß ist. Im schmucken Bénazet-Saal des mondänen Kurhauses kommen schonmal gut und gern knapp 1.000 Personen zusammen, wenn sich Athleten, Trainer, Funktionäre, Medienschaffende und Personal der Internationalen Sport-Korrespondenz (ISK) – der Veranstalter der Wahl – zum Stelldichein am Jahresende treffen.

Nur „minimale Teilnehmerzahl“

Trotz des vermaledeiten Corona-Jahres ist klar: „Die Preisverleihung am 20. Dezember findet statt, das ZDF überträgt ab 22.15 Uhr“, sagt Klaus Dobbratz, der nimmermüde Macher der Veranstaltung. Er schränkt aber im nächsten Atemzug ein: Die in der Vergangenheit oft lange, teils ausschweifende Feier – „die gibt es nicht“, betont Dobbratz mit fester Stimme. Er spricht von einer „minimalen Teilnehmerzahl“. Zumindest für dieses Jahr bleibt die Tanzfläche gesperrt, der Gin im Schrank, Small Talk gibt es höchstens via Live-Schalte. In einer Branche, in der das „höher, schneller, weiter“ systemimmanent ist, ist laut Dobbratz in diesen Tagen „auch ein bisschen Demut angesagt“. Damit meint der Organisator auch die eigene Veranstaltung. Statt einer Gala im herkömmlichen Format soll es heuer eine reduzierte „Auszeichnung von Sportlern“ werden, die es in diesem größtenteils perspektivlosen Jahr verdient haben, geehrt zu werden. Bevor aber Preise vergeben werden können, gilt es, die Genehmigungen der Gesundheitsbehörden abzuwarten.

Die Organisation des Events ist seit Jahr und Tag eine anstrengende Sache, aktuell ist es „eine Mega-Herausforderung. Das habe ich in diesem Maß noch nie erlebt“, berichtet Dobbratz und fügt angesichts der dynamischen Entwicklungen hinzu: „Die Quadratur des Kreises ist einfach dagegen.“ Die Veranstaltung in diesem Jahr proaktiv abzusagen, war aber nie eine Option, für keinen der beteiligten Partner, betont Dobbratz, der diesbezüglich auch Rückmeldung aus dem Sport erhalten hat, die Wahl doch bitte durchzuziehen. Deshalb versteht er den 20. Dezember auch als „kleines Signal.“ Die Veranstaltung, sagt der Schwabe, „ist unser Kind. Und für das kämpft man bis zum letzten Atemzug“.

In welcher Form die Sportler konkret ausgezeichnet werden, ist noch unwägbar. Klar ist hingegen, dass mit Ablauf des 5. Dezember die Ergebnisse in den Kategorien Sportler, Sportlerin und Mannschaft des Jahres feststehen werden. So lange haben nämlich alle Mitglieder des Verbands Deutscher Sportjournalisten (VDS) Zeit, ihre Stimmen für die Besten der Besten abzugeben – zum insgesamt bereits 74. Mal.

Ein besonderes Vorbild wird gesucht

2020 war bekanntlich ein in vielerlei Hinsicht besonderes Sportjahr, dementsprechend kommt es bei der Stimmabgabe heuer auch auf andere Aspekte als nackte Ergebnisse und Rekorde an. „Gesucht wird ein Vorbild. Ob Dauerbrenner, Allrounder, Newcomer, Sportler mit und ohne Handicap“, heißt es im Wahlaufruf. Die Vorschlagsliste mit den jeweiligen Kandidaten besitzt ausdrücklich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern ist „als kleiner Leitfaden durch das Jahr 2020“ zu verstehen. Dominiert wird die Vorauswahl von Wintersportlern, was nicht weiter verwundert, schließlich hieß es im Wintersport vor dem Ausbruch der Pandemie: Ski und Rodel gut! Obendrein war die Ausbeute für die deutsche Schnee- und Eisfraktion durchaus medaillenreich.

Ein weitgehend temperaturunabhängiger Eissportler ist bekanntlich Leon Draisaitl, der in der nordamerikanischen Eishockey-Liga NHL alle wichtigen Individualpreise abgeräumt hat. Der Kufencrack dürfte in der Wertung ähnlich weit vorne landen wie Speerwerfer Johannes Vetter aus Offenburg. Der Kraftprotz mit dem Bumms im rechten Arm hat seinen eigenen deutschen Rekord pulverisiert, mit 97,76 Metern fehlten nur 72 Zentimeter zum Weltrekord. Vielleicht stellt er diesen ja im kommenden Jahr bei Olympia in Tokio auf. Dann würde er zweifelsohne als Legende des deutschen Sports gelten.

Legenden des vergangenen Jahrzehnts

Apropos: Die sozusagen Allerbesten der Besten aus dem vergangenen Jahrzehnt sollen am 20. Dezember ebenfalls gewürdigt werden. Internet-User und die Athletensprecher der deutschen Spitzenverbände haben über die herausragenden Sportpersönlichkeiten der Jahre 2010 bis 2019 abgestimmt. Bei den Frauen standen Magdalena Neuner, Angelique Kerber, Anna Schaffelhuber, Isabell Werth und Kristina Vogel zur Wahl. Die Reihe der Gladiatoren reichte von Dirk Nowitzki bis Jan Frodeno, Fabian Hambüchen, Robert Harting und Timo Boll. Bei den Teams waren die DFB-WM-Elf von 2014, der Gold-Ruderachter von London, das Beachvolleyball-Duo Ludwig/Walkenhorst, die Eishockey-Olympia-Cracks und das Eistanz-Paar Savchenko/Massot nominiert. Die Gewinner werden in Kürze bekannt gegeben, geehrt wird am 20. Dezember. Und allein diese Liste verspricht jede Menge Glanz – Corona hin, Corona her.

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