Sportlerwahl: Kurhaus als Hochsicherheitstrakt

Baden-Baden (moe) – Am Sonntag werden im Baden-Badener Kurhaus die Preise für die Sportler des Jahres vergeben. Aufgrund der Pandemielage mutiert der Bénazet-Saal dabei zum Hochsicherheitstrakt.

In voller Schutzmontur: Fachkräfte eines Koblenzer Labors testen Personal und Sportler im Kurhaus-Foyer auf Covid-19. Foto: Moritz Hirn

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In voller Schutzmontur: Fachkräfte eines Koblenzer Labors testen Personal und Sportler im Kurhaus-Foyer auf Covid-19. Foto: Moritz Hirn

Im mondänen Baden-Badener Kurhaus, wo kurz vor Weihnachten normalerweise Sportler – große Stars und auch einige Sternchen – im Blitzlichtgewitter über den roten Teppich defilieren, der zumindest auf den Stufen hinauf zum Bénazet-Saal eigentlich ein grüner ist, geben aktuell rote Pfeile die Richtung vor. Markierungen auf dem Boden erinnern an die Abstandsregelungen. Die wenigen Menschen, die sich im Foyer bewegen, tragen Masken, der Standard: FFP 2. Ein Kürzel, das unmissverständlich untermauert: Bei der Preisverleihung für die „Sportler des Jahres 2020“ ist heuer alles anders.

„Ich glaube, das Kurhaus Baden-Baden wird am Sonntag einer der sichersten Orte Deutschlands sein“, sagt Klaus Dobbratz. Der Macher der Internationalen Sport-Korrespondenz (ISK), die die Veranstaltung bereits zum 74. Mal organisiert, ist in den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten durch ein Wellenbad der Gefühle gegangen. Hoffen und Bangen spielten permanent Doppelpässe. Kann die Preisverleihung stattfinden oder nicht? Und wenn ja, unter welchen Bedingungen? Das waren die Fragen, die die Organisatoren ständig umgetrieben haben. „Die größte Schwierigkeit“, sagt Deborah Dobbratz, 29-jährige ISK-Juniorchefin, „war die Ungewissheit“.

Dobbratz: „Boden unter Füßen weggezogen“

Angesichts von mehrfach novellierten Corona-Verordnungen – die Verkündung des erneut harten Lockdowns ist weniger als eine Woche her – „hat es einem hin und wieder schon den Boden unter den Füßen weggezogen“, sagt Klaus Dobbratz. Er sei „zwischendurch verzweifelt“ gewesen, aber nie mehr als eine Stunde, dann wurde nach neuen Lösungen gesucht. Aufgeben, eine Absage der Preisverleihung? Das „war überhaupt kein Thema“, betont Dobbratz, „auch nicht für das ZDF“. Der Sender aus Mainz, der die Veranstaltung am Sonntagabend zeitversetzt ab 22.15 Uhr ausstrahlen wird, und die Baden-Baden Events GmbH (BBE) sind seit Jahren Partner der ISK bei der Proklamation der besten Sportler des vergangenen Jahres an der Oos.

Von einem „gemeinsamen Kraftakt“, spricht BBE-Geschäftsführerin Nora Waggershauser in puncto Organisation der Veranstaltung in Corona-Zeiten. Dass die Preisverleihung dennoch in Baden-Baden stattfinden kann, sei aber auch ein „tolles Zeichen – nicht zuletzt für die Sportler, die sich in diesem Jahr auch teils außerhalb ihrer Sportart verdient gemacht haben“.

„Stetigkeit in einem unsteten Jahr“

Eine Verlegung der Veranstaltung in ein TV-Studio nach Mainz wurde indes zum einen aus logistischen, vor allem aber aus emotionalen Gründen verworfen: Hier, an Baden-Baden, am Kurhaus „hängt so viel Herzblut dran“, betont Deborah Dobbratz, die von allen kurz „Debbie“ genannt wird. Deshalb habe man sich für ein bisschen „Stetigkeit in einem unsteten Jahr“ starkgemacht.

Dass dies im Angesicht der Pandemie nicht jedem gefallen wird, darüber sind sich die Veranstalter im Klaren. Ein medialer Shitstorm? „Das kann passieren“, sagt Klaus Dobbratz: „Ich bin aber der Meinung, man sollte sich von Einzelnen nicht ins Bockshorn jagen lassen.“ Andernorts fänden auch Veranstaltungen statt, nahezu zeitgleich werde beispielsweise die Weihnachtssendung von „Grill den Henssler“ ausgestrahlt. „Das ist auch nichts anderes“, sagt Debbie Dobbratz, nur dass die Sportler-Proklamation „nicht in einem normalen TV-Studio stattfindet“.

Dabei ist auch der Bénazet-Saal am Sonntag eher Fernsehstudio denn Ball-Parkett. Bis auf die maßgeschneiderten Bühnenelemente mit ihrer aufwendigen LED-Technik und Lichteffekten ist der Saal, in dem unter normalen Umständen rund 750 Gäste an festlich dekorierten Tischen Schulter an Schulter sitzen, dunkel. Und bis auf das Moderatoren-Duo Katrin Müller-Hohenstein und Rudi Cerne, das Aufnahmepersonal und fünf Fotografen auch leer. Die zu ehrenden Sportler – nur rund ein Dutzend wird vor Ort sein – sitzen nebenan und kommen nur für die Ehrung samt anschließendem Interview auf die Bühne. Das hat im Vergleich zu den Vorjahren natürlich deutlich weniger Flair, doch von den Protagonisten, also den Sportlern, gab es für das Festhalten an der Veranstaltung sowie am eingeschränkten Prozedere nur positives Feedback, so die Veranstalter.

Das Licht der maßgeschneiderten Bühnentechnik wird auch in diesem Jahr gleißend hell leuchten, der Bénazet-Saal im Baden-Badener Kurhaus bleibt aber dunkel.Foto: Patrick Seeger/dpa

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Das Licht der maßgeschneiderten Bühnentechnik wird auch in diesem Jahr gleißend hell leuchten, der Bénazet-Saal im Baden-Badener Kurhaus bleibt aber dunkel.Foto: Patrick Seeger/dpa

Schnelltests und FFP2-Masken

Während die Zahl der Gäste drastisch reduziert werden musste, wird in Sachen Gesundheitsprophylaxe geklotzt. Spätestens seit Mittwoch ist das Kurhaus zum Hochsicherheitstrakt mutiert. Die Maßnahmen gehen laut Klaus Dobbratz über die Forderungen der Gesundheitsbehörden hinaus. Den Bénazet-Saal und die angrenzenden Räumlichkeiten, die vom ZDF und der ISK als temporäre Büros genutzt werden, darf man nur mir einer FFP2-Maske betreten, die Belegung der Räume wurde deutlich entzerrt, CO2-Sensoren wurden installiert, neben händischem Lüften sollen Luftreiniger mit Hepa-Filtern für zusätzliche Sicherheit sorgen. „Mehr kann man nicht machen“, sagt Roy Ebner, Produktionsleiter des ZDF, der den TV-Zuschauern trotz der erschwerten Umstände vor Ort eine „spannende Sendung“ verspricht.

Spannend geht es derweil auch im rechten Teil des Kurhaus-Foyers zu. Am Durchgang zur legendären Tanzbar „Equipage“ hat das MVZ für Laboratoriumsmedizin und Mikrobiologie Koblenz-Mittelrhein eine Teststrecke aufgebaut. Im Fünf-Minuten-Takt werden seit Mittwoch das Personal, am Sonntag dann Sportler und Medienvertreter, auf Covid-19 getestet. Nur wer negativ ist, darf rein. Nach einer Fiebermessung sowie einer kurzen Anamnese zückt das medizinische Fachpersonal in Schutzmontur zunächst ein Stäbchen für einen Antigen-Schnelltest, auch weitere, noch genauere Geräte für PCR-Tests stehen notfalls parat. Keiner soll „durchs Raster fallen“, sagt Dirk Schmidt vom Koblenzer Labor.

„Safety first“ heißt es auch bei der Anreise der Athleten. Wo in den Vorjahren mitunter auch mal ein Helikopter im Einsatz war, um Gewinner auf den letzten Drücker einzufliegen, wird auf Luftnummern verzichtet. „Keiner steigt in eine Bahn, keiner in den ÖPNV, keiner in den Flieger“, betont Klaus Dobbratz. Stattdessen werden die zu Ehrenden von einem Fahrer – mit Mundschutz und Plexiglas im Auto – an der heimischen Haustür abgeholt und nach der Veranstaltung teilweise direkt wieder heimgebracht – zwei Sportler sowie eine Mannschaft sogar mit dem Siegerpokal.


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