Sportstättenfrage: RWE-Vorschläge abgelehnt

Elchesheim-Illingen (HH) – Es schien Bewegung in die Sportstättenfrage zu kommen. Doch der Gemeinderat Elchesheim-Illingen hat die Vorschläge des Fußballvereins ohne Diskussion abgelehnt.

Langsam beginnt der RWE, sich mit dem verwaisten Sportgelände in Illingen anzufreunden. Seinen „Vorschlägen“ für einen Umzug erteilt der Gemeinderat eine Abfuhr. Foto: Helmut Heck

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Langsam beginnt der RWE, sich mit dem verwaisten Sportgelände in Illingen anzufreunden. Seinen „Vorschlägen“ für einen Umzug erteilt der Gemeinderat eine Abfuhr. Foto: Helmut Heck

Genau drei Jahre gingen ins Land, bis der FV Rot-Weiß Elchesheim von seiner Weigerung abrückte, auf das Fußballgelände in Illingen umzuziehen, und eigene Erwartungen für eine Umsiedlung formulierte (das BT berichtete). Diese wurden am Montagabend vom Gemeinderat ohne weiteren Kommentar abgelehnt.
Am 23. Juli 2018 hatte der Gemeinderat beschlossen, das Illinger Areal zur einzigen zukünftigen Fußball-Sportstätte des Ortes zu machen. Der FV reagierte mit stoischer Ablehnung. Vor vier Wochen unternahm er angesichts des Gerichtsverfahrens um die von der Kommune untersagte Nutzung seiner bisherigen Sportplätze in Elchesheim einen ersten Schritt in Richtung Illingen und formulierte am 21. Juli Wünsche für einen Umzug, die in der Generalversammlung konkretisiert und danach der Gemeinde übermittelt wurden. Am Montag sollte der Gemeinderat in seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause seine Haltung zu den RWE-Vorschlägen erklären. Sie wurden einstimmig abgelehnt.

Keine einzige Wortmeldung

Eine Erörterung fand nicht statt, geschweige denn eine Diskussion. Aus dem Gremium kam keine einzige Wortmeldung. Unmittelbar vor der Sitzung hatte offenbar eine Besprechung von Bürgermeister Rolf Spiegelhalder und Ratsmitgliedern stattgefunden, wodurch die Sitzung im Bürgerhaus im Beisein von etwa einem Dutzend Zuhörern mit leichter Verspätung begann. Der Bürgermeister bat wegen der Verzögerung um Verständnis. Man habe „wegen einer Sache, die sich am Mittwoch abzeichnete“ ein „Vorgespräch“ führen müssen, erklärte er – das Thema nannte er nicht.

ABL-Gemeinderat Dieter Link, zugleich Vorsitzender des Fußballvereins, war beim Tagesordnungspunkt zur Sportstätten-Angelegenheit befangen. An der vorgeschalteten Unterredung nahm er offensichtlich nicht teil. Eine Darlegung der Wünsche des Vereins durch einen Repräsentanten war nicht vorgesehen.

Erklärungen in der Sitzungsvorlage

Erklärungen für die ablehnende Haltung des Gemeinderats fanden sich lediglich in der Verwaltungsvorlage: Den Ausbaustandard der künftigen Sportstätte lege die Gemeinde fest, da sie, abgesehen von Zuschüssen, alleiniger Kostenträger sei. „Großzügige Angebote“, wie der Bau eines Funktionsgebäudes, seien vom Verein in der Vergangenheit nicht angenommen worden. Die Forderung, dass die Gemeinde ein Clubhaus errichten solle, werde abgelehnt, ebenso Vorgaben bestimmter Baustandards.

Der Verein hatte seine Vorstellungen in zwei „Alternativen“ gepackt. In der ersten war von einem „neu zu errichtenden“ Clubhaus die Rede, das hochwassersicher sein und Heizung und Küche betreffend „neuesten Anforderungen“ entsprechen müsse. Dass er die alleinige Finanzierung durch die Gemeinde verlangt, geht aus dem in den Sitzungsunterlagen abgedruckten Schreiben des Vereins nicht hervor. Für die Investition wurden vielmehr „eigene Mittel“ ins Spiel gebracht, die aber dazu führen müssten, dass der Verein „Eigentümer des neuen Clubhauses“ werde. Jenes in Elchesheim würde man meistbietend verkaufen.

Zwei Standorte unrealistisch

In der zweiten Variante wird kein neues Vereinsheim benötigt. Stattdessen wird vorgeschlagen, dass die Gemeinde den Hartplatz in der Waldstraße zum „Hauptspielfeld“ umbaut. In diesem Falle könnte das derzeitige Clubhaus in der Waldstraße weiter benutzt werden. Parallel sollte in Illingen nur ein Sportplatz hergestellt werden, womit dort ausreichende Flächen für die Skater-Anlage und Parkplätze verbleiben würden. Diesen Punkt kommentierte Spiegelhalder mit der Frage, wie das mit zwei Standorten funktionieren solle. Eine Beantwortung war in der Sitzungsabwicklung jedoch nicht vorgesehen.

Für den Umzug nach Illingen stellte der FV weiter die Bedingung, nicht für eventuelle Lärmschutzprobleme verantwortlich gemacht zu werden. In Bezug auf die Sportanlage wird erwartet, dass die Plätze „hoch- und druckwassersicher“ beschaffen sein müssen. Zu diesem Zweck sei ein hydrologisches Gutachten erforderlich.

Sobald die Plätze dementsprechend fertiggestellt seien, „räumt der Verein die bisher von ihm genutzten Sportplätze in Elchesheim“, enthielt der Kriterienkatalog eine eindeutige Zusicherung.

Aufgespießt: Von Vorschlägen und Ansagen

Im Ringen um die Sportstättenfrage hatten Bürgermeister und Gemeinderat bislang immer wieder an den Fußballverein appelliert, zur Lösung Gespräche mit der Gemeinde aufzunehmen. Seine Tür stehe jederzeit offen, hatte Rolf Spiegelhalder bis zuletzt betont. Dabei wurde ein ums andere Mal als Grundbedingung der Ratsbeschluss vom Juli 2018 geltend gemacht, so auch in der Ratssitzung am Montag wieder. Die damals gefällte Entscheidung für Illingen als Fußball-Standort enthalte „klare Formulierungen“, erklärte Spiegelhalder.

Ein Blick in die damaligen Unterlagen zeigt jedoch, dass nur der Kernbeschluss für Illingen als künftiger Sportstätte in eindeutiger Verbindlichkeit formuliert wurde. Alles Weitere, das zur Realisierung führen soll, wurde als „Vorschlag“ an den Fußballverein tituliert, untergliedert in sieben Punkte – nachzulesen im Beschlusstext.

Was der RWE nach drei Jahren Zwist jetzt vorgelegt hat, ist, so steht es zumindest in der Wiedergabe der Gemeindeverwaltung, ebenfalls als „Vorschlag“ unterbreitet worden.

Die Sportstätten-Sache war auch in der Bürgerfragestunde am Beginn der Sitzung ein Thema, speziell, wie die Probleme mit Clubhaus, Grund und Boden gehandhabt werden sollten. Bürgermeister Rolf Spiegelhalder schweifte ab, um schließlich „kurz und gut“ mitzuteilen, solche Fragen seien „Verhandlungsmasse“.

Als es kurz danach um die Umzugsforderungen des FV ging, war von Verhandlungen oder Gesprächen dann keine Rede mehr.

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Erstellt:
15. September 2021, 05:58 Uhr
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