Sportstättenumzug: Annäherung und neuer Ärger

Elchesheim-Illingen (as) – Monatelang Funkstille und Gerichtsverfahren zwischen Gemeinde und Fußballverein RWE, nun ein Gespräch. Es sieht nach Annäherung aus, doch schon gibt es neue Unstimmigkeiten.

Es geht voran: Der FV Rot-Weiß Elchesheim wird eine Clubhaus-Planung für Illingen erstellen lassen, die Gemeinde ein Wertgutachten fürs jetzige RWE-Clubhaus. Foto: Frank Vetter

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Es geht voran: Der FV Rot-Weiß Elchesheim wird eine Clubhaus-Planung für Illingen erstellen lassen, die Gemeinde ein Wertgutachten fürs jetzige RWE-Clubhaus. Foto: Frank Vetter

Nachdem lange ein gemeinsames Gespräch unmöglich schien, gab es am Dienstag nach acht Monaten und zwei Gerichtsverfahren ein Treffen zwischen Fußballverein Rot-Weiß Elchesheim (RWE) und Gemeinde zum Sportstättenumzug. Zunächst sah es nach Annäherung aus. Doch im Nachgang gibt es schon wieder Unstimmigkeiten.

RWE-Anwalt: Ruhiges Gespräch

Mit am Tisch saßen die Rechtsbeistände beider Seiten. „Es sind noch viele Fragen zu klären, aber ich denke, wir sind einen Schritt weitergekommen“, bilanziert der Anwalt des Vereins, Torsten Kugler, auf Anfrage dieser Zeitung. Das Gespräch sei „sehr ruhig“ und ohne persönliche Angriffe verlaufen, sagt der Jurist, und: „Wir hatten den Eindruck, die Gemeinde macht eine Kehrtwende“, spricht Kugler von „großem Entgegenkommen“.

Verein beauftragt Clubhaus-Planung

Zuletzt hatten er und der Anwalt der Gemeinde, Ulrich Mettler, in teils harsch formulierten Schreiben um einen Gesprächstermin gerungen. Der drohte an den sehr gegensätzlichen Vorstellungen beider Seiten über Realisierung und Finanzierung des vorgesehenen Umzugs an den früheren Standort des FC Illingen fast zu scheitern (wir berichteten).

Der Fußballverein werde nun einen Fachingenieur mit der Planung eines Clubhauses in Illingen beauftragen, bestätigt RWE-Vorsitzender Dieter Link. Damit verbunden sein werde auch eine Kostenschätzung, „damit wir mal konkret wissen, worüber wir reden“. Wenn dieser Plan vorliegt, wolle man sich wieder treffen, sei vereinbart worden. Link geht von Anfang Mai aus.

Mitteilung sorgt für Verdruss

Dass das wirklich nur ein erster Schritt ist, klingt auch in den Aussagen von Torsten Kugler durch. Die Gemeinde hingegen verbreitete am Donnerstag eine Mitteilung unter der Überschrift „Konstruktives Gespräch zwischen Fußballverein und Gemeinde – RW Elchesheim wird die neue Sportstätte nutzen“, die Rede ist vom Umzug Ende Juni 2023. Postwendend widerspricht RWE-Vorsitzender Dieter Link, eine entsprechende Vereinbarung sei nicht getroffen worden: „Der Rot-Weiß Elchesheim wird einen Umzug nur dann ins Auge fassen, wenn die Voraussetzungen entsprechend den Gesprächsrunden umgesetzt werden können.“

Es gebe bisher keinen Bebauungsplan für das Gelände, „und viele Rahmenbedingungen sind unklar“, sagt Link: „Wo erfolgt die Zufahrt, wo wird geparkt, wie hoch darf man bauen?“ Es sei schwierig, so ins Ungewisse hinein zu planen – immer mit dem Kündigungstermin Ende Juni 2023 für den RWE-Sportplatz an der Waldstraße im Nacken, der im Vergleich vor dem Landgericht Baden-Baden vereinbart worden war. Dennoch: „Wir werden unsere Hausaufgaben machen“, unterstreicht Link. Doch von Fragen der Finanzierung bis zur eventuellen zeitlichen Kollision mit den Dammbauarbeiten direkt hinter dem Sportplatz in Illingen nennt er vielerlei Unwägbarkeiten und scheint noch lange nicht überzeugt. Bürgermeister Rolf Spiegelhalder (FW) war für ein persönliches Gespräch nicht zu erreichen.

Finanzierungsfrage ist zentral

Wie aus der Mitteilung der Gemeinde hervorgeht, werde in den weiteren Gesprächen der Hauptpunkt in der Finanzierung des neuen Clubhauses liegen. Dazu sei vereinbart worden, ein Wertgutachten für das jetzige RWE-Clubhaus anzufertigen, da sich dieses inmitten des geplanten Baugebiets Bachstück befindet.

„Wir kommen da weiter“, befindet Anwalt Kugler am Mittwoch und wirkt zuversichtlicher als der Vereinsboss. Er könne sich vorstellen, dass der Umzug bis Ende 2023 klappt. Diesbezüglich habe Bürgermeister Rolf Spiegelhalder (FW) bei dem Gespräch am Dienstag bereits eine Verlängerungsoption für die Sportplatzkündigung in Elchesheim in Aussicht gestellt.

Umzug nach Durmersheim dementiert

Angesprochen auf Gerüchte bezüglich einer ganz anderen Umzugsoption, dementiert Dieter Link. Immer mal wieder wird von angeblichen Fusionsgesprächen mit dem FC Phönix Durmersheim gemunkelt. Das seien Gerüchte, sagt Link: „Wir wollen am Ort bleiben!“ Allerdings brauche man dafür eine entsprechende Infrastruktur für den aktuell sehr erfolgreichen Landesligaverein: Fußballplätze, die den Vorgaben entsprechen, und ein Clubhaus, unterstreicht er.

Konflikt währt bereits fünf Jahre

Der über die Sportstätten-Standortfrage entstandene Konflikt zwischen der Gemeinde und dem Fußballverein Rot-Weiß Elchesheim (RWE) nahm seinen Anfang, als der Verein 2017 seinen Hartplatz in der Waldstraße auf eigene Kosten in einen Rasenplatz umwandeln wollte. Die Kommune lehnte das Ansinnen ab und forderte den RWE auf, nach Illingen umzuziehen, verbunden mit der Zusage, die dortigen Plätze zu sanieren. Im Juli 2018 formulierte der Gemeinderat Vorschläge zur Realisierung des Ortswechsels und beschloss, dass Illingen einzige künftige Sportstätte im Ort sein soll. Der Verein wandte sich daraufhin mit einer an den Landtag, die im November 2020 jedoch abgelehnt und die Ratsentscheidung für rechtmäßig erklärt wurde. Im Februar 2021 kündigte daraufhin die Gemeinde dem Fußballverein die Nutzung von Rasen- und Hartplatz in Elchesheim. Es folgten zwei Gerichtsverhandlungen. Im Landgericht Baden-Baden wurde im September 2021 ein Vergleich geschlossen, demzufolge das Gelände zum 1. Juli 2023 an die Gemeinde zurückfällt, die dort ein Baugebiet plant.


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