Sprachliche Havarie in Raststatt

Rastatt (ema) – Die Hauptstadt Mittelbadens hat mit ihrem Namen keinen leichten Stand. Jetzt sind sogar von Amts wegen zwei Schnitzer in die Öffentlichkeit gedrungen.

Rastatt ist immer eine Rast wert. Aber richtig schreiben sollte man die Stadt schon. Foto: BT-Leserin Anita Rauch

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Rastatt ist immer eine Rast wert. Aber richtig schreiben sollte man die Stadt schon. Foto: BT-Leserin Anita Rauch

Rastatt ist, hier sei’s mal wieder geklagt, nicht einfach – zu schreiben. Längst haben wir uns daran gewöhnt, dass so mancher Radiomensch am Mikrofon sich unfreiwillig sprachlich als jemand entblößt, der aus Wer-weiß-woher kommt, aber niemals aus Mittelbaden. Dann nämlich, wenn der Zuhörer den Namen „Raststatt“ vernimmt.

Doch nicht mal von Amts wegen kann man sichergehen, dass der Hauptstadt Mittelbadens das Mindestmaß an Respekt gezollt wird in Gestalt einer korrekten Schreibweise. Beweis Nummer eins lieferte in dieser Woche BT-Leserin Anita Rauch, die bei einer Fahrradtour durchs Rheinauer Feld ihren Augen zunächst nicht ganz traute. Weil zwischen Adenauerbrücke und Steinmauern der Murgdamm aufgepeppt wird, müssen die Radler zurzeit eine Alternativroute in Kauf nehmen. Auf einem der Wegweiser entdeckte Anita Rauch den Schnitzer, der auch auf den zweiten Blick nicht besser wurde: Ab in Richtung „Raststatt“. Statt Rast griff die Rastatterin mit einem Schmunzeln zum Handy, dokumentierte den Fehltritt und übermittelte den Patzer der BT-Redaktion.

„Raststätter Tunnel„

Wer auch immer in einer Amtsstube das Schild mit Buchstaben bestückt hat – er ist mit seinem Fehlgriff nicht allein. Beweis Nummer zwei: Auch die Schreibdiener des baden-württembergischen Verkehrsministers Winfried Hermann reihten sich am Dienstag ein in die Riege der Rastatt-Verunstalter. Als das Ministerium über die nächsten Planungsziele zum Ausbau der Rheintalbahn informierte, kam auch die Rede auf den „Raststätter Tunnel“. Äh, die Aufrüstung mit dem Umlaut tut hier gleich doppelt weh.

Erinnerungen werden wach an die Zeit, als der Bahnhof der Barockstadt wegen des unterirdischen Desasters bei Niederbühl Endstation für ICE war und dieser plötzlich als prominenter Haltepunkt bundesweit die Anzeigetafeln der Hauptbahnhöfe stürmte. Da war dann neben „Raststatt“ auch die Variante „Rasttat“ zu lesen. Arme Bahn: Nicht nur beim Tunnel, sondern auch beim Schreiben erleidet sie eine Havarie.

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Erstellt:
19. November 2020, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 56sec

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