Spritpreis hoch genug für ein Storchennest

Baden-Baden (hol) – Im Stadtteil Oos lässt sich ein drittes Storchenpaar nieder – ausgerechnet auf dem Werbeschild einer Tankstelle in der Sinzheimer Straße.

Ungewöhnlicher Nistplatz bei einer Tankstelle: In Oos hat sich ein drittes Storchenpaar niedergelassen.  Foto: Elke Beichel

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Ungewöhnlicher Nistplatz bei einer Tankstelle: In Oos hat sich ein drittes Storchenpaar niedergelassen. Foto: Elke Beichel

Oos wird zum Storchen-Eldorado. Einen ungewöhnlichen Nistplatz hat sich dieser Tage ein Storchenpaar ausgesucht: das obere Ende der Preisanzeige der Jet-Tankstelle in der Sinzheimer Straße in Oos. Ob das Paar dort auch brütet, ist noch nicht sicher.

„Das ist eine ziemlich ungeschickte Stelle für ein Nest“, sagt Stefan Eisenbarth, der ehrenamtliche Storchenbetreuer, der auch für die Adebare in Oos zuständig ist. Vor einigen Tagen habe er erstmals da oben einen Vogel gesehen. „Ich habe nicht gedacht, dass die sich tatsächlich dort niederlassen. Aber jetzt bauen die beiden tatsächlich ein Nest“, sagt er.

Das könnte Probleme nach sich ziehen. „Es wird immer wieder Nistmaterial herunter auf die Straße fallen“, sagt Eisenbarth. Und nicht nur das. „So ein Kotstrahl von einem Storch reicht schon mal über zwei Meter. Ich habe einmal einen abbekommen. Danach fühlen Sie sich ziemlich beschissen – im wahrsten Sinne des Wortes“, denkt der Storchenexperte auch an die Fußgänger, die an dieser Stelle ab und zu unterwegs sind. Trotzdem: Das Nest darf selbst bei Beeinträchtigungen, die davon ausgehen, nicht entfernt werden. Das steht in Paragraf 44 des Bundesnaturschutzgesetzes, wie Eisenbarth betont.

„Habe die Ringe noch nicht ablesen können“

Die Störche selbst fühlen sich da oben über der viel befahrenen Straße ebenso wohl wie ihre direkten Nachbarn schräg gegenüber. Da nistet seit drei Jahren ein Paar auf einem hohen Laternenpfahl – und auch diese Tiere sind bereits fleißig am Einrichten der sommerlichen Wohnung. Bedenken wegen der Stabilität des Nests auf dem Tankstellen-Werbeschild hat Eisenbarth auch nicht. „Wenn die Störche da bauen, dann hält das auch. Die Tiere haben da genug Erfahrung und auch ein gutes Gefühl. Auch das direkt unter dem Nest befindliche Licht der Werbeanlage störe nicht. „Das macht denen genauso wenig aus wie der Lärm dort“, sagt Eisenbarth und verweist auf das dritte Ooser Storchenpaar, das schon seit vielen Jahren auf einem Laternenpfahl an der Grundschule im Norden des Stadtteils wohnt. „Die haben dort auch die monatelangen Straßenbauarbeiten mit Baggern und Rüttelplatten ausgehalten“, sagt er.

Das neue Nest mit den Tankstellen-Störchen wird Eisenbarth jetzt im Auge behalten. „Ich habe die Ringe noch nicht ablesen können“, sagt er. Wenn ihm das gelingt, weiß er, wie alt die Tiere da oben sind und wo sie herkommen. Und dann ist die spannende Frage: Legt Frau Storch Eier und brütet Jungvolk aus? Falls ja, wird Eisenbarth im Sommer auch auf dem Tankstellen-Gelände eine Beringungsaktion durchführen.

Es könne aber sein, dass das 2021 noch nicht nötig sei, nämlich dann, wenn es sich bei den Neuankömmlingen selbst noch um ein Jungstorchenpaar handele, sagt der Experte. Dann sei es möglich, dass sich die beiden Tiere nur ein Nest bauten und den Sommer hier verbrächten, um im kommenden Jahr wiederzukommen.

Ihr Autor

BT-Redakteur Harald Holzmann

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Erstellt:
2. April 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 27sec

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