Impfung in der Apotheke: Spritzen muss gelernt sein

Karlsruhe (BNN) – Der Bund hat auch Apothekern die Impferlaubnis erteilt. Zuvor müssen sie eine Fortbildung machen. Im Alltagsgeschäft ist die Impfung allerdings schwierig unterzubringen.

Die Covid-Impfung aus der Apotheke: Ab Mitte Februar wird das Angebot in der Region voraussichtlich in Schwung kommen. Für impfwillige Zahnärzte und Tierärzte gibt es noch eine weitere Hürde. Foto: David Inderlied/dpa

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Die Covid-Impfung aus der Apotheke: Ab Mitte Februar wird das Angebot in der Region voraussichtlich in Schwung kommen. Für impfwillige Zahnärzte und Tierärzte gibt es noch eine weitere Hürde. Foto: David Inderlied/dpa

Es klingt so einfach: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat die Verordnung unterschrieben. Apotheker dürfen nun die Covid-Impfung verabreichen – und im Rheinland zum Beispiel soll es in vielen Apotheken bereits in ein bis zwei Wochen die ersten Spritzen geben. Ganz so schnell wird der neue Impfservice im Großraum Karlsruhe allerdings nicht starten.

„Ich gehe davon aus, dass es in der Region Mitte bis Ende Februar losgeht“, schätzt Tatjana Zambo, Vorsitzende des Landesapothekerverbandes aus Gaggenau. Denn sie und ihre Kollegen müssen zunächst noch ein Impfseminar besuchen. Die Termine für Baden-Württemberg stehen schon: vom 22. Januar bis zum 12. Februar. „Die Kammer hat unfassbar schnell reagiert und Referenten an Land gezogen“, betont Zambo. Erst zum Jahresende wurde das Fortbildungskonzept zwischen Apotheker- und Ärztekammern festgezurrt. Dass die Apotheker in manchen Regionen noch schneller loslegen können, hat einen speziellen Grund. Sie haben bereits eine Fortbildung für das Modellprojekt Grippe-Impfung 2021 durchlaufen. Doch der Großraum Karlsruhe war nicht einbezogen. Im Südwesten gehörten nur Mannheim, Ostwürttemberg und Esslingen/Göppingen zu den Modellregionen, in denen Pharmazeuten die Influenza-Schutzimpfung an Kunden verabreichten. Viele Kollegen wollen nun aber bei der Covid-Kampagne nachziehen.

Viele Termine bereits ausgebucht

„Wir bieten zunächst 30 Schulungen an, insgesamt 750 Apotheker können sich anmelden“, sagt Katina Lindmayer, Sprecherin der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg. „Am Montag haben wir die Termine eingestellt, viele sind schon ausgebucht.“ Die Pharmazeuten erhalten pro Impfung das gleiche Honorar wie die Ärzte: 28 Euro. Impfen dürfen sie fast alle Altersgruppen, nur nicht die Jüngsten. Menschen ab zwölf Jahren können sich bei frisch geschulten Apothekern den Piks holen. Der Kurs für die Grippe-Impfung galt übrigens erst ab Mindestalter 18 Jahre.

Ort und Zeit der begehrten Covid-Seminare stoßen allerdings vereinzelt auf Kritik. „Die meisten Präsenzkurse sind im Stuttgarter Raum“, klagt Joachim Fantoli, Apotheker aus Ottenhöfen im Schwarzwald. „Und viele Termine sind montags – da arbeiten normale Menschen.“ Er hat keinen angestellten Kollegen, der ihn vertreten könnte. Für einen Impfkurs an einem Montag müsste er seine Apotheke schließen. „Es müsste noch mehr Wochenend-Termine geben, und zwar nach Geschäftsschluss und dezentral“, fordert Fantoli. 18 Seminare finden in Sindelfingen statt, acht in Stuttgart, vier in Karlsruhe.

Für den 12. Februar hat sich die Karlsruher Apothekerin Andrea Ulsamer zur Fortbildung angemeldet. „Wir haben Glück“, sagt die Inhaberin der Durlacher Bahnhofsapotheke. „In Karlsruhe sind die Termine samstags.“ Die Theorie-Einheiten können alle bereits zuhause online absolvieren – inklusive Tests. Die praktischen Lerneinheiten gibt es nur in der realen Gruppe. „Natürlich muss man das Aufziehen der Nadel und das Ansetzen üben“, sagt Ulsamer. „Aber das ist kein Hexenwerk.“ Wie man Erste Hilfe leistet, wenn Impfkandidaten kollabieren oder eine Schockreaktion zeigen, wird ebenfalls unterrichtet.

​Zahn- und Tierärzte vorerst nur in Impfzentren aktiv

Auch die Zahn- und Tierärzte stehen in den Startlöchern und bieten schon Fortbildungen an. „Wir sind bereit“, betont Torsten Tomppert, Präsident der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg. Im Dezember hat der Bund grundsätzlich grünes Licht für Covid-Impfungen in den Fachpraxen signalisiert. Allerdings hat Lauterbach für sie noch keine endgültige Verordnung unterzeichnet. „Lösungen für die offenen Fragen werden aktuell ausgearbeitet“, erklärt eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministers. Die Praxen müssten vor allem noch in das Meldesystem für Impfungen eingebunden werden. Bei den Apotheken solle dieser Schritt bis Ende Januar vollzogen sein.

Geschulte Zahnärzte und Tierärzte können Covid-Spritzen vorerst nur verabreichen, wenn sie in Impfzentren oder mobilen Impfteams mitarbeiten – aber nicht in der eigenen Praxis. Tomppert hofft, dass die nötige Verordnung für die Zahnärzte bald kommt. „Die Bereitschaft bei den Kollegen ist groß – da darf man nicht zu viel Zeit verlieren“, sagt er.

​600 Zahnarztpraxen wollen mitziehen

Eine Umfrage habe ergeben: Von 5.000 Praxen im Südwesten wollten 600 Kollegen bei der Impfkampagne „mitziehen“, sagt Tomppert. Die Theorie-Schulungen für Zahnärzte und Tierärzte sind auch schon online abrufbar. Und für den 2. Februar hat die Landeszahnärztekammer eine Halle in Stuttgart für den praktischen Impfkurs gemietet. Bis zu 120 Zahnärzte können sich einbuchen. „Wenn die Nachfrage größer ist, bieten wir noch regional weitere Termine an“, sagt Tomppert. Wahlweise können die Zahnärzte aber auch bei Impfzentren und Arztpraxen hospitieren, um die richtige Impftechnik und Notfall-Hilfen zu lernen. Zahnärzte, die zusätzlich eine Approbation als Chirurgen haben, dürfen ohnehin schon immer Impfungen verabreichen.

Auf die Apotheker mit ihren Ladengeschäften wartet eine besondere Herausforderung. „Die Impfungen zeitlich unterzubringen, ist am schwierigsten“, sagt Ulsamer. „Im laufenden Betrieb geht das kaum.“ Sie denke, dass viele Kolleginnen und Kollegen eher in der Mittagspause und nach Feierabend zur Impfstunde bitten werden. Entscheidend ist aus Ulsamers Sicht eines: „Es soll ein sehr großes niederschwelliges Angebot geben, ein Netz über die ganze Bundesrepublik.“ Falls die vierte Covid-Impfung fällig werde, ständen die Apotheker parat.

Und was die Schulungen angeht: „Wir werden auf jeden Fall nochmal nachlegen“, kündigt Kammersprecherin Lindmayer an. In Baden-Württemberg gebe es rund 2.400 Apotheken. Wie viele wohl bereit sind, Covid-Impfungen anzubieten? „Jede zweite Apotheke wäre bereit mitzumachen“, zitiert Lindmayer eine bundesweite Umfrage. Das wären im Südwesten also rund 1.200. Vorausgesetzt, die Bedingungen stimmen. So manche Apothekeninhaber fürchteten, dass sie hohe Auflagen für die Räumlichkeiten bekommen. Diese Sorge bewahrheitet sich nicht. „Die Impfungen sollen den Apothekenbetrieb nicht stören, und es muss eine gewisse Privatsphäre, ein Sichtschutz gewährleistet sein“, fasst Lindmayer die Faustregeln zusammen. Viele Häuser könnten Nebenräume oder Kellerräume für die Impfungen nutzen. „Ob Räume außerhalb genutzt werden dürfen, wird gerade noch geklärt.“

Zambo: Vielen Apothekern fehlt Zeit und Personal

Allzu großen Optimismus bremst die Vorsitzende des Landesapothekerverbands allerdings. „Es gibt sehr viele, die impfen wollen, aber es gibt auch viele, die das nicht leisten können“, sagt Zambo. Der Personalmangel und der Andrang in den Apotheken wegen der Covid-Tests und Impfzertifikate ließen vielen Kollegen keinen Spielraum. Ob und wann sie selbst die Impfung anbietet, sei offen. Zambo würde einen Impfraum außerhalb bevorzugen. Und sie ist auch gespannt, wie lange die Nachfrage überhaupt groß genug ist. Manche öffentliche Impfaktion läuft schon jetzt eher schleppend.

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