Spül- und Waschmittel per Knopfdruck

Baden-Baden/Karlsruhe (vo) – Mehrere Drogeriemarktketten denken über Alternativen für mehr Nachhaltigkeit nach und wollen mit Nachfüllstationen den Müllberg aus Plastik reduzieren.

An speziellen Nachfüllstationen können Kunden, wie hier bei dm, die Plastikflaschen mehrfach nutzen – noch sind dies jedoch Pilotprojekte. Foto: dm

© Matthias Kneppeck

An speziellen Nachfüllstationen können Kunden, wie hier bei dm, die Plastikflaschen mehrfach nutzen – noch sind dies jedoch Pilotprojekte. Foto: dm

Nachhaltigkeit im Handel ist in Zeiten des Klimawandels ein Kriterium, das für Kunden immer wichtiger wird. Dabei spielen Verpackungen für den ersten (Kauf-)Impuls eine entscheidende Rolle. Hersteller und Händler sitzen hier in einem Boot und arbeiten zunehmend zusammen, wie das Beispiel der großen deutschen Drogeriemarktketten zeigt.

Alternativen für weniger Plastikmüll

Genaue Zahlen sind zwar nicht bekannt, aber schon eine grobe Schätzung verdeutlicht die gewaltige Dimension: In Deutschland werden laut dem Industrieverband Körperpflege und Waschmittel pro Jahr nahezu 600.000 Tonnen Waschmittel verbraucht, knapp die Hälfte davon in flüssiger Form. Um Letztere für den Verbraucher bei einer üblichen Packungsgröße von 1,5 Liter abzufüllen, werden etwa 175 Millionen Flaschen benötigt. Und die sind allesamt aus Plastik und verursachen knapp 29 Millionen Kilo Abfall. Da macht es durchaus Sinn, über Alternativen nachzudenken, um den Müllberg langfristig abzusenken.

Die Drogeriemarktketten dm, Rossmann und Müller tun dies schon seit geraumer Zeit und haben inzwischen allesamt Pilotprojekte in ausgesuchten Märkten am Laufen. Bei dm können sich Kunden seit Herbst 2020 beispielsweise Nivea-Produkte selbst nachfüllen. Jetzt kommen Spül- und Waschmittel von Henkel hinzu. „Wir arbeiten schon seit Langem daran, unsere dm-Marken nachhaltiger und umweltfreundlicher zu gestalten, daher war es für uns eine logische Konsequenz auch Produkte zum Nachfüllen auszuprobieren und unseren Kunden anzubieten“, sagt Kerstin Erbe, die als Geschäftsführerin verantwortlich ist für das Ressort Produktmanagement.

Einjährige Testphase

Nach einer einjährigen Testphase und entsprechenden positiven Erfahrungen könnte das Angebot sukzessive auf andere Märkte ausgeweitet werden. „Bislang waren die Kundenrückmeldungen zu unseren bereits bestehenden Nachfüllstationen von Nivea und Love Nature durchweg positiv“, ergänzt Sebastian Bayer, der als Geschäftsführer verantwortlich ist für das Ressort Marketing und Beschaffung. Und auch in Österreich, wo bereits in 36 dm-Märkten entsprechende Abfüllstationen für Geschirr- und Waschmittel stehen, ist die Entwicklung bislang positiv. Dort sollen deshalb weitere Märkte nachgerüstet werden. Übrigens: Konkurrent Rossmann hat ebensolche positive Erfahrungen in seinen Märkten in Tschechien gemacht.

„Großes Einsatzpotenzial“

Beim Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) sieht man die Entwicklung in den Drogeriemärkten durchaus positiv. „Das ist es, wofür wir schon seit Jahr und Tag werben“, sagte Rolf Buschmann, Ressourcen- und Abfallexperte der Organisation, kürzlich gegenüber einem Branchendienst. Buschmann sieht ein „großes Einsparpotenzial“ und fordert, dass der gesamte Handel über Mehrwegsysteme nachdenken solle. Kunden würden auch in Deutschland ein entsprechendes System für gezapfte Kosmetik- und Reinigungsmittel annehmen. „Wir müssen Überzeugungsarbeit bei den Unternehmen leisten“, betont Buschmann und erinnert an die Drogeriemärkte der Fünfzigerjahre: Die seien mit deutlich weniger Verpackungsmaterial ausgekommen, weil die Ware vor Ort per Hand für die Kunden verpackt wurde. Dass dies auch in der heutigen Zeit funktioniere, zeige das stetig wachsende Segment von Läden, die ihre Ware lose anbieten. Und wenn nun auch Branchenriesen wie dm und Rossmann mitmachen, sei dies ein gutes Zeichen.

Zusätzlicher Service für Kunden

Beim Blick in Filialen der Drogeriemärkte mit solchen Nachfüllangeboten fällt auf, dass die Stationen teilweise sehr viel Platz in Anspruch nehmen. In Sachen Flächenproduktivität erreichen sie daher bei Weitem nicht die selbst gesteckten Ziele der Unternehmen. Für sie zählt jeder Quadratmeter, der mit Produkten belegt werden kann. Branchenexperten halten es daher für eher unwahrscheinlich, dass die Stationen im Falle ihres Erfolgs mittelfristig größere Teile des gesamten verpackten Sortiments ersetzen könnten. Als Lockmittel oder zusätzlicher Service für Kunden, denen Verpackungsvermeidung besonders wichtig ist, könnten sie aber durchaus funktionieren.


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