Spürbar mehr los in der Gernsbacher Altstadt

Gernsbach (stj) – Neben Kritikern, die sich über die Verkehrsregelung am Stadtbuckel beschweren, gibt es auch Befürworter der von der Verwaltung durchgesetzten testweisen Sperrung der Hauptstraße.

Attraktiv für Gäste und Einheimische ist die gesperrte Hauptstraße, die jetzt auch genügend Platz zum Verweilen (unter anderem durch zusätzliche Sitzbänke) bietet. Foto: Stephan Juch

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Attraktiv für Gäste und Einheimische ist die gesperrte Hauptstraße, die jetzt auch genügend Platz zum Verweilen (unter anderem durch zusätzliche Sitzbänke) bietet. Foto: Stephan Juch

Sie sehen die teilweise Beruhigung der Altstadt als ersten Schritt in die richtige Richtung, dem weitere folgen sollten.

Zu ihnen gehört Bernd Säubert. Der Architekt hat im Jahr 2009 das Anwesen Hauptstraße 28 bis 30 erstanden, drei Jahre später sein Büro und 2017 auch eine Wohnung dort eingerichtet, die er seither mit seiner Frau bewohnt. Seit der Sperrung des Stadtbuckels und den dadurch wegfallenden Durchgangsverkehr sei die Hauptstraße sehr belebt, spürbar mehr, als das vorher der Fall gewesen war. „Das merkt man deutlich, es flanieren viel mehr Touristen durch die Altstadt“, beobachtet Säubert.

Diesen ersten Schritt der Stadtverwaltung „begrüße ich sehr“, betont der Architekt im BT-Gespräch. Die vorherigen Versuche, die Altstadt verkehrsberuhigter zu gestalten, seien reines Etikett gewesen. Solange die Hauptstraße als Verbindungsstraße zwischen Bad Herrenalb und Baden-Baden genutzt werde, glaube Säubert nicht daran, dass sich langfristig etwas verbessert. „Eine stimmige und allgemein akzeptierte Lösung kann natürlich nur schrittweise erreicht werden. Da muss man sich herantasten. Die derzeitige Lösung der Stadtverwaltung ist dazu ein bemerkenswerter Ansatz“, findet Säubert. Wenngleich er betont, dass ihm die aktuelle Lösung „zu total“ sei. Das heißt: Es gibt Häuser, die von den Bewohnern gar nicht mehr direkt angefahren werden können. Dafür müsse man Möglichkeiten schaffen.

Anschauungsunterricht in Heidelberg, Gengenbach oder Rothenburg ob der Tauber

Viele Fußgängerzonen (etwa Heidelberg, Gengenbach oder Rothenburg ob der Tauber) könnten da Pate stehen und hilfreiche Erkenntnisse liefern. Es müssten Lösungen her, damit Anwohner- und Lieferverkehr in die Hauptstraße ein- und wieder ausfahren könne, zumindest zeitweise. Und natürlich brauche es entsprechende Anwohnerparkplätze.

„Meines Erachtens könnte der Durchgangsverkehr am Storrentor, am Storchenturm und am Färbertor mit Pollern gesperrt werden“, richtet Säubert den Blick in die Zukunft: „Anwohner, Altstadtbesucher, Handwerker, Kunden und Lieferanten könnten sich trotzdem frei bewegen“, ergänzt Säubert und betont: „Magneten für Kunden und Touristen sind die Gastronomie, die Aufenthaltsqualität und ein unversehrtes Stadtbild. In den Städtchen Südfrankreichs und der Toscana ist dies gegeben, weshalb es Touristen geradezu magnetisch dorthin zieht.“ Der Architekt nennt auch Negativbeispiele wie Nürtingen oder Gummersbach, wo in flächensanierten Altstädten nur noch wenige historische Gebäude geblieben sind, „die eher als Störfaktor wahrgenommen werden“. So etwas gelte es zu vermeiden.

Seine Ideen wird Bernd Säubert am kommenden Donnerstag bei der zweiten Bürgerwerkstatt zum Altstadtentwicklungsprozess einbringen. Er gehört zur Steuerungsgruppe, die sich aus Vertretern aller großen Gemeinderatsfraktionen sowie Bewohnern und Gewerbetreibenden der Altstadt zusammensetzt und die für den gesamten Prozess verantwortlich ist. Bei diesem setze die Verwaltung auf die Mithilfe der Bürgerschaft und möchte in einen entsprechenden Austausch gehen. Sie lädt daher zur zweiten Bürgerwerkstatt ein, die am Donnerstag, 22. Juli, von 18 bis 20 Uhr in der Stadthalle stattfindet. Moderiert wird sie von einem Mitarbeiter von „citiplan“, dem von der Stadt beauftragten Fachbüro für Stadtentwicklung.


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