Spuhler mit sofortiger Wirkung abberufen

Karlsruhe (kie) – Paukenschlag am Badischen Staatstheater Karlsruhe: Peter Spuhler wird mit sofortiger Wirkung aus seinem Amt als Generalintendant abberufen.

Peter Spuhler, seit 2011 Generalintendant des Badischen Staatstheaters, verlässt das Haus „mit sofortiger Wirkung“, wie das Kunstministerium mitteilt. Foto: Uli Deck/dpa

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Peter Spuhler, seit 2011 Generalintendant des Badischen Staatstheaters, verlässt das Haus „mit sofortiger Wirkung“, wie das Kunstministerium mitteilt. Foto: Uli Deck/dpa

Paukenschlag am Badischen Staatstheater: Peter Spuhler wird mit sofortiger Wirkung aus seinem Amt als Generalintendant abberufen. Das hat der Verwaltungsrat des Mehrspartenhauses in einer kurzfristig anberaumten Sondersitzung am Mittwoch in Karlsruhe beschlossen. Damit wird Spuhler – anders als bisher gedacht – nicht bis zum Ende der Spielzeit 2021/2022 am Staatstheater bleiben.

Laut Mitteilung des Kunstministeriums erfolgte die Entscheidung des Gremiums ohne Gegenstimme. Das Dienstverhältnis von Spuhler wurde demnach außerordentlich gekündigt. Weitere Auskünfte wollten jedoch weder das Ministerium noch die Stadt Karlsruhe mit Verweis auf eine „Personalangelegenheit“ geben. Vonseiten des Staatstheaters heißt es auf BT-Nachfrage: „Wir äußern uns zu der Pressemeldung unserer Träger nicht, kommentieren diese auch nicht.“

Die laufenden Geschäfte bis Ende der Spielzeit würden wie bisher auch von den Stellvertretern Spuhlers geführt, heißt es aus dem Staatstheater: Dies sind in Bezug auf die Theaterleitung der Geschäftsführende Direktor Johannes Graf-Hauber und in künstlerischen Angelegenheiten die Künstlerische Betriebsdirektorin Uta-Christine Deppermann.

Seit 2011 am Staatstheater

Spuhler ist seit dem Jahr 2011 Generalintendant des Staatstheaters und hätte im September seine dritte Intendanz-Periode für weitere fünf Jahre angetreten. Noch im Jahr 2019 wurde diese Verlängerung vom Verwaltungsrat einstimmig beschlossen. Doch im Anschluss gab es weitreichende Auseinandersetzungen um seine Person, vor allem um seinen Führungsstil: So war in einem offenen Brief des Personalrats aus dem vergangenen Juli von „Kontrollzwang, beständigem Misstrauen und cholerischen Ausfällen des Generalintendanten“ die Rede; ein „toxisches Arbeitsklima“ wurde moniert. Der autoritäre Führungsstil Spuhlers gepaart mit der inhärenten Machtfülle eines Generalintendanten, hätte – so der Vorwurf des Personalrats – zu einem Klima der Angst und schließlich zu Krankheitsfällen wie Burn-out unter den Mitarbeitern geführt. Spuhler entschuldigte sich in der Folge und gelobte Besserung.

Nachdem der Verwaltungsrat unter dem Vorsitz von Landeskunstministerin Theresia Bauer (Grüne) und Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) zunächst an Spuhler festhielt, entschied das Gremium schließlich im November aber doch, den Vertrag vorzeitig aufzulösen. Spuhler sei für eine vorzeitige Vertragsauflösung „grundsätzlich bereit“, hieß es. Gleichzeitig solle ein breiter Umstrukturierungsprozess an dem Mehrspartenhaus einsetzen, der Maßnahmen zur Verbesserung der Führungs- und Entscheidungsstrukturen zum Inhalt hat und von Experten wie dem früheren Vorsitzenden des Deutschen Bühnenvereins, Ralf Bolwin, begleitet werden soll.

Im Mai dann beschloss der Verwaltungsrat die Abberufung von Spuhler zum 31. August, also zum Ende der Spielzeit 2020/2021. Damals hieß es vom Ministerium, dass noch nicht alle Voraussetzungen vorlägen, um die Auflösung des Dienstvertrags für die dritte Intendanz abschließend zu verhandeln. Und nun die Abberufung mit sofortiger Wirkung.

Finanzielle Folgen weiter unklar

Unklar ist jedoch auch weiterhin, welche finanziellen Folgen die außerordentliche Kündigung Spuhlers für Land und Stadt hat, die jeweils zur Hälfte Träger des Staatstheaters sind. Wie hoch eine Abschlagszahlung für Spuhler ausfiel, bleibt unterdessen weiterhin ungeklärt. Eine Kleine Anfrage im baden-württembergischen Landtag durch die FDP aus dem Januar jedenfalls mit der Frage nach Spuhlers Bezügen blieb vom Kunstministerium unbeantwortet.

Klarheit hingegen gibt es bei den personellen Folgen: So hatte der Verwaltungsrat bereits bei seiner Sitzung im Mai dieses Jahres einstimmig den renommierten Musiktheater-Regisseur und Theaterleiter Ulrich Peters zum Interimsintendanten ernannt. Er wird ab der Spielzeit 2021/2022 die Nachfolge von Peter Spuhler für drei Jahre antreten und damit Chef von rund 850 Mitarbeitern werden.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Franziska Kiedaisch

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Erstellt:
8. Juli 2021, 14:53 Uhr
Aktualisiert:
8. Juli 2021, 16:01 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 41sec

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