Spvgg Ottenau gewinnt Bezirkspokalfinale

Gaggenau (rap) – Am Ende war es doch eine eindeutige Sache am Samstagmittag im Murgstadion: Die Spvgg Ottenau fertigte den FV Baden-Oos vor 600 Zuschauern im Bezirkspokalfinale mit 5:1 ab.

Bringt die Spvgg mit seinem Doppelpack vor der Pause auf die Siegerstraße: Kevin Walter. Foto: Frank Vetter

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Bringt die Spvgg mit seinem Doppelpack vor der Pause auf die Siegerstraße: Kevin Walter. Foto: Frank Vetter

Sandro Cuttica hielt sich im Hintergrund, bewaffnet mit einem überdimensionalen, gut gefüllten Weizenglas. Ganz unauffällig spazierte er um die Feiermeute herum, fast so wie in den 72 Minuten zuvor, als der wuselige Angreifer für die Abwehrreihe des FV Baden-Oos kaum zu greifen war. Sein Opfer, Spielertrainer Alexander Merkel, hatte der Ottenauer Stürmer da längst auserkoren. Als ebenjener für einen Moment unachtsam, nämlich total im Jubelrausch versunken war, nahm Cuttica zielsicher Schwung, setzte zur obligatorischen Bierdusche an – und traf seinen überraschten Coach mitten ins Gesicht.

Bereits zuvor erwies sich Cuttica als äußerst treffsicher, da jedoch noch mit einem Ball am Fuß statt eines Weizenglases in der Hand. In Minute 50 nutzte der Stürmer ein Missverständnis zwischen FVO-Keeper Melvin Seifried und Spielertrainer Pantelis Kalpakoglou eiskalt aus, umkurvte den Schlussmann und schob zum 3:1 ein. Es war die Entscheidung in einem mäßigen, letztlich ziemlich einseitigen Bezirkspokalfinale, das die Murgtäler am Samstag verdient mit 5:1 gewannen. Gerade in den zweiten 45 Minuten war es ein Schaulaufen, ja ein Spaziergang Richtung Pott. Denn zu kombinationssicher, zu technisch beschlagen und konditionell meilenweit überlegen waren die Hausherren ihren Gästen aus der Kurstadt.

Kalpakoglou: „Zu viel Respekt und Angst“

„Über die gesamte Distanz gesehen, haben wir völlig verdient gewonnen“, sagte ein sichtlich glücklicher Merkel, der mit dem zweiten Spiel als Trainer bereits den ersten Pokal in die Luft stemmen durfte. Für die Spvgg Ottenau war es durchaus ein historischer Pokalsieg, schließlich war beim letzten Triumph 1986 noch Helmut Kohl Bundeskanzler der BRD und Waldhof Mannheim kickte in der Bundesliga. „Jetzt haben wir den Pokal, das zählt“, sagte Merkel und gab anschließend den Startschuss zur Feier. Sein Ooser Kollege Pantelis Kalpakoglou, der auch mit 44 Jahren Kilometer um Kilometer im Mittelfeld abspulte, räumte die verdiente Niederlage ein. Zu viel „Respekt und Angst“ habe sein junges Team gehabt, erklärte „Pante“, verbunden mit einer kleinen Liebeserklärung ins Murgtal: „Man schaut Alexander Merkel, Nils Fortenbacher und Co. schon gerne zu, die spielen einen tollen Ball.“

Dabei erwischte der FVO einen Auftakt nach Maß, bereits nach 30 Sekunden lag der Ball im Ottenauer Tor: Der flinke Mikail Badjie setzte sich auf der linken Flanke gegen Marco Herm durch, seine erste Hereingabe wurde noch geblockt, doch die zweite fand in Nico Frey einen undankbaren Abnehmer, der den Ball ins eigene Tor bugsierte. Doch die Spvgg sammelte sich schnell, nur neun Minuten durften die Gäste von einer Überraschung träumen, dann aber servierte Cuttica für Kevin Walter, der zum Ausgleich traf. Keeper Seifried machte dabei keine gute Figur.

Cuttica macht früh alles klar

Wie auch vier Minuten später sein Ottenauer Kollege Norman Riedinger, der sich einen harmlosen Kopfball fast selbst ins Tor gelegt hätte, beim Nachschuss von Badjie aber wieder rechtzeitig auf dem Posten war. Es sollte die letzte nennenswerte Ooser Offensivaktion sein, nun übernahm die Spvgg vor 600 Zuschauern im Murgstadion die Spielkontrolle, zeigte sich enorm lauffreudig und passsicher, gegen nach 30 Minuten bereits konditionell nachlassende Gäste. Scheiterte Cuttica mit einem Schlitzohr-Schlenzer noch am Gebälk (17.), machte es Walter in Minute 42 mit einem gefühlvollen Heber – nach Traum-Diagonalball von Christoph Weiler – über den zu zögerlich herauseilenden Seifried besser und brachte Ottenau noch vor der Pause in Führung. Das 3:1 ließ Merkel nur aus wenigen Metern noch vor dem Halbzeitpfiff liegen.

So großzügig war Cuttica in jener bereits beschriebenen 50. Minute nicht, als er Kalpakoglou den Ball abluchste und das 3:1 erzielte – das Spiel war entschieden. Die Gäste ließen die Köpfe hängen, die Sportvereinigung kombinierte sich öfters sehenswert ins letzte Drittel, ging aber recht fahrlässig mit ihren Chancen um. Abgesehen von Kapitän Steffen Weiler, der erst nach Fortenbacher-Ecke zum 4:1 traf (66.) und nach einem Zuckerpass – erneut von Fortenbacher – per Heber den 5:1-Endstand besorgte (78.).

Da war Sandro Cuttica bereits ausgewechselt, sein erfolgreicher Arbeitstag längst beendet. Also konnte er sich anderen Dingen widmen – nämlich der Bierdusche für Alexander Merkel.

Stimmen zum Finale

Alexander Merkel (Spielertrainer Spvgg Ottenau): „Nach einer Minute haben wir gleich die kalte Dusche bekommen. Es hat sich für einen kurzen Moment angefühlt wie letzte Woche, als wir nur noch zu zehnt waren. Nach dem 1:1 haben wir das Spiel recht schnell kontrolliert. Über die gesamte Distanz gesehen, haben wir völlig verdient gewonnen. Uns war klar, dass ihre Kraft nicht über 90 Minuten reicht, deshalb wollten wir einfach geduldig spielen. Das ist uns gelungen. In der zweiten Halbzeit hatten wir megaviele Räume. Jetzt haben wir den Pokal, das zählt.“

Pantelis Kalpakoglou (Spielertrainer FV Baden-Oos): „Nach dem 1:2 haben wir uns aufgegeben. Wir hatten zu viel Respekt und Angst, außerdem waren wir im läuferischen Bereich komplett unterlegen. Das Mittelfeld hat das Spiel entschieden. Cupic, Hock und Nyassi haben uns heute gefehlt. Ich habe gehofft, dass es nicht zu hoch ausgeht, dass wir es in Grenzen halten können, das ist uns leider nicht gelungen, vor allem nicht nach der Pause. Wenn man die Pokalsaison 2020/21 nimmt, hat die Spvgg Ottenau absolut verdient den Pott geholt. Man schaut den Jungs schon gerne zu.“

Vito Voncina (Vorsitzender des Fußballbezirks Baden-Baden): „Herzlichen Glückwunsch an die Spvgg Ottenau, sie hat verdient den Bezirkspokal gewonnen. Für mich war Ottenau im Vorfeld Favorit, weil sie einfach ein eingespieltes Team hat. Baden-Oos hat eine brutal junge Truppe, die sich in der ersten Halbzeit ordentlich verkauft hat. Als die Kräfte bei Oos schwanden, hat die Spvgg eiskalt zugeschlagen. Die zweiten 45 Minuten waren dann ein Schaulaufen. Wir vom Bezirksteam sind vollauf zufrieden mit dem heutigen Tag. Ottenau war ein toller Gastgeber, es hat alles super geklappt.“

Freuen sich über den ersten Ottenauer Pokalerfolg seit 1986: Kapitän Steffen Weiler (mit Pokal) und seine Teamkollegen. Foto: Frank Vetter

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Freuen sich über den ersten Ottenauer Pokalerfolg seit 1986: Kapitän Steffen Weiler (mit Pokal) und seine Teamkollegen. Foto: Frank Vetter

Ihr Autor

BT-Redakteur Christian Rapp

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Erstellt:
18. Juli 2021, 22:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 59sec

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