St. Martin kommt trotz Corona nach Sulzbach

Von Thomas Senger

Gaggenau (tom) – Keine Martinslieder, keine Laternen: Stille und Dunkelheit statt Kerzenschein und frohe Kinderaugen? Das kann’s nicht sein, sagen sich Oliver Maier und André Weber aus Sulzbach.

St. Martin kommt trotz Corona nach Sulzbach

Martin mit seinem Mantel hoch zu Ross: Ihm zu Ehren finden jedes Jahr im November Laternenumzüge statt. Symbolfoto: Bernd Thissen/dpa

Sie wollen auch in diesem Jahr als Bettler und Sankt Martin unterwegs sein – unter Einhaltung der Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg.

„Die aktuelle Situation erfordert von allen wieder sehr viel Rücksichtnahme und vor allem Verzicht. Das müssen leider auch die Kinder erfahren und so in diesem Jahr auf den Sankt-Martinsumzug in Sulzbach verzichten, bei dem André Weber als Sankt Martin und ich als Bettler dieses Jahr wieder als Akteure, wie seit vielen Jahren, sehr gerne teilgenommen hätten“, berichtet Oliver Maier. Am Montagabend haben sie sich kurz unterhalten und ihren Beschluss gefasst. „Wir wollen vor allem den Kindern bis zur 4. Klasse in diesem Jahr Sankt Martin coronakonform nach Hause bringen.“

„Wir freuen uns wie Bolle auf nächsten Mittwoch, weil wir uns schon die vielen Lichter und Laternen in den Fenstern vorstellen können“, sagt Maier und zitiert, was eine Mutter ihnen geschrieben hat: „Und jetzt ist sie wieder da, die Vorfreude auf Sankt Martin! Anders als je zuvor, aber für die Kinder mindestens genauso spektakulär.“ Neben vielen weiteren Zuschriften erreichen Maier und Weber auch Videos, in denen sich die Kinder vorab bedanken.

Musik aus offenen Fenstern

So ist es geplant:

Am Mittwoch, 11. November, ab 17.30 Uhr werden Sankt Martin auf dem Pferd und der Bettler zu Fuß durch die Straßen von Sulzbach ziehen.

Für jede sichtbar beleuchtete Laterne (pro Kind) im Fenster oder auf dem Balkon bringen sie den Kindern eine vom Café „Brezels“ spendierte Brezel vorbei. Dafür sollen die Eltern einen Beutel an die Haustür hängen. „Noch schöner wäre es, wenn wir neben den Laternen dieser Kinder noch viele weitere Lichter in anderen Häusern und Fenstern an diesem Abend sehen würden.“

Es darf kein Publikumsverkehr auf der Straße sein: „Gerne dürfen Sankt Martin und der Bettler aus den Fenstern von den Balkonen gegrüßt werden. Da wir durch ganz Sulzbach ziehen werden, brauchen wir hierzu eine gewisse Zeit. Bitte nicht nach uns auf den Straßen suchen – wir kommen!“

Wegen der Abstands- und Hygieneregeln darf es keine persönlichen Kontakte zu den Akteuren geben. Maier macht deutlich: „Sollte es zu Menschenansammlungen und nicht gewünschten Kontakten kommen, kehre ich sofort um und gehe nach Hause.“

Unterstützt werden Maier und Weber von ihren Ehefrauen: Pia Maier-Theisen und Karina Weber haben sich eigens bereits römische Legionärskostüme besorgt. „Unsere Legionellen“, scherzt Oliver Maier, „werden die Brezeln verteilen, damit St. Martin nicht jedes Mal zeitraubend vom Pferd steigen muss.“ Vier Personen also aus zwei Familien – auch hier halte man die Corona-Verordnung für den öffentlichen Raum ein.

Auch für Musik ist gesorgt. Die Mitglieder der Jugendkapelle des Musikvereins Sulzbach haben sich kurzerhand per WhatsApp verabredet: Von 18.30 bis 19 Uhr werden sie jeweils zu Hause am geöffneten Fenster Martinslieder spielen.

Premiere hat dieses Jahr auch „Trude“ als vierbeiniger Gefährte von St. Martin; Trude ist ein sechsjähriger Hengst und heißt eigentlich Pocos Glowing Trutbert und tritt am 11. November sprichwörtlich in die Fußstapfen seines Vaters in der Funktion als Reitpferd von Sankt Martin.