St. Martin lässt die Kinder nicht im Stich

Gaggenau (ncs/tom) – Auch in diesem Jahr dürfen sich die Sulzbacher über ein besonderes Engagement am Abend von St. Martin freuen.

Sankt Martin (André Weber) mit den „Legionären“ Pia Maier-Theisen (rechts) und Karina Weber und mit „Bettler“ Oliver Maier. Foto: Thomas Senger

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Sankt Martin (André Weber) mit den „Legionären“ Pia Maier-Theisen (rechts) und Karina Weber und mit „Bettler“ Oliver Maier. Foto: Thomas Senger

Nicht nur edel und gut, sondern auch ein bisschen schlitzohrig muss man auch als Heiliger sein. Denn so wurde Sulzbach am 11. Dezember wieder ein denkwürdiger Abend zu Ehren von St. Martin zuteil. Wie schon im Vorjahr zogen St. Martin auf dem Pferd mit dem Bettler und zwei römischen Soldaten durchs Dorf, und wie 2020 schlugen sie der Corona-Tristesse ein Schnippchen. Dieses Mal sogar ein noch größeres.

Wie im Vorjahr war kein richtiger Laternenumzug angesagt, und auch auf das schöne Fest im Anschluss mussten die Sulzbacher verzichten.

Dennoch ging es um 17.15 Uhr am Kreisel bei der Grundschule los: Dort trafen Oliver Maier (Bettler), André Weber (Martin) und die beiden römischen „Legionellen“ Pia Maier-Theisen und Karina Weber mit den Jungmusikern zusammen, die „zufällig“ gerade eine Marschprobe absolvierten. Letztes Jahr hatten die jungen Leute noch jeder für sich von Balkonen und Fenstern aus gespielt. Und die Feuerwehrabteilung Sulzbach hatte bei ihrer Donnerstagsprobe zum Glück gerade das Thema „Sicherung im Straßenverkehr“ auf dem Übungsplan.

Viele, viele bunte Lichter und Laternen in den Häuserfenstern und auf Terrassen und Balkonen waren es also auch, die St. Martin auf seinem Zug durchs Dorf erfreuten. Die Organisatoren hatten aber schon vorher auf ihren Infoblättern betont, dass die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln unabdingbar sei und dass das Entstehen von größeren Menschenansammlungen sofort zum Abbruch der Aktion führen werde.

„Wir gehen unseren Weg – verantwortungsvoll“

Sehr kurzfristig haben viele Sulzbacher erst am Dienstag von der Aktion erfahren. Oliver Maier erklärt im BT-Gespräch, warum: „Wir wollten aufgrund der Situation vorab nicht zu viel Aufmerksamkeit erwecken.“ Gleichwohl sei die Aktion notwendig. Denn: „Alle ziehen sich zurück oder verstecken sich, wir hingegen gehen unseren Weg – aber eben verantwortungsvoll.“

So habe man vermeiden wollen, dass zu viele kleine und große Besucher von außerhalb nach Sulzbach kommen. „Außerdem war ich letzte Woche noch auf Sylt in Urlaub und noch unentschlossen, ob es die richtige Entscheidung ist, es so zu wiederholen. Aber das Feedback bestätigt uns“, sagt Oliver Maier.

„Ich bin so stolz auf solche Initiativen“

Was sagen die Sulzbacher zur St. Martins-Aktion? Das BT hat sich im Vorfeld umgehört.

Josefa Hofmann, Ortsvorsteherin: „Als ich von Oliver Maier über die St.-Martins-Aktion informiert wurde, war die Freude sehr groß. Ich bin so stolz auf solche Initiativen. Genau diese Dinge machen unser schönes Dorf lebenswert und besonders. Sie ist immer für eine schöne Überraschung gut, die engagierte Truppe um Oliver Maier, André Weber, Pia Maier-Theisen, Karina Weber und – Hengst „Pocos Glowing Trudbert“ alias Trude. Auch er ist ein waschechter Sulzbacher, den ich hier besonders erwähnen möchte.

Vielen herzlichen Dank auch für die spontane Unterstützung von unseren Jungmusikern und unserer Feuerwehr. Selbstverständlich wird auch bei uns eine Laterne leuchten, genauso wie die Augen unserer 93-jährigen Mutter, der heute Abend das Herz aufgehen wird.“

Juliane Bastian: „Da es letztes Jahr schon ein Highlight war, finden wir es super, dass auch in diesem Jahr Sankt Martin in unserem schönen Dörfchen stattfindet. Meine Tochter (3) freut sich schon riesig darauf, ihre Laterne anzuzünden und von unserem Hof aus Martin mit seinem Pferd und den Bettler zu sehen.“

Günter Weber, seit 61 Jahren Mitglied im Musikverein Sulzbach und aktiver Trompeter seit 59 Jahren: „Für mich ist es wichtig, dass die Kinder das Traditionelle wieder mitbekommen, was hier in den kleineren Orten noch gelebt wird, und dass sie diese Tradition aktiv pflegen. Darauf lege ich Wert. Der Musikverein geht hier als Vorbild voran und untermalt das Geschehen an verschiedenen Stationen in Sulzbach im Rahmen einer Marschprobe. Ich freue mich sehr, dass das geklappt hat. Ein großes Lob auch an Oliver Eberhardt, der hier als Dirigent der Jugendkapelle die Initiative ergriffen hat. Bei dieser Jugendarbeit geht mir als langjähriger Musiker und Großvater eines jungen Tenorhornisten das Herz auf und ich werde auf jeden Fall zu den aufmerksamen Zuhörern gehören.“

Jonas (sechs Jahre): „Ich find’s toll, dass St. Martin kommt. Ich wohne direkt an der Laufstrecke und werde St. Martin mit meiner Laterne begrüßen.“

Melanie Biller, Mutter von zwei Söhnen im Grundschulalter: „Ich finde die Aktion super. Wir haben in diesem Jahr nicht damit gerechnet. Umso mehr haben wir uns gefreut, als am Dienstagabend die Nachricht die Runde gemacht hat, dass wir einen richtigen St.-Martins-Abend erleben dürfen. Zwar noch nicht mit Umzug wie früher, aber wir können St. Martin vom Balkon aus sehen und werden es uns dort mit Dambedei, Kinderpunsch und schönen Lichtchen gemütlich machen.“

Maya (neun Jahre): „Wir gehen mit Freunden auf dem Spielplatz. Dort können wir spielen, bis Sankt Martin vorbeikommt. Ich freue mich schon sehr auf ihn, auf die schönen Lieder und dass es dann ganz festlich wird. Aber ich hoffe auch, dass es nächstes Jahr wieder einen Umzug gibt. Dass man mitlaufen kann, das ist das Schönste an St. Martin.“

Die Jugendkapelle des Musikvereins Sulzbach verlegt ihre Probe ins Freie – zur großen Freude der Buben und Mädchen, die mit Laternen unterwegs sind. Foto: Thomas Senger

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Die Jugendkapelle des Musikvereins Sulzbach verlegt ihre Probe ins Freie – zur großen Freude der Buben und Mädchen, die mit Laternen unterwegs sind. Foto: Thomas Senger

Ihr Autor

Nicole Stichling und Thomas Senger

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Erstellt:
11. November 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 34sec

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