Staat zahlt nur noch im Ausnahmefall für Corona-Tests

Rastatt/Baden-Baden (for) – Ab dem 11. Oktober fallen die kostenlosen Corona-Tests auch in Baden-Württemberg weg. Wer sich auf das Virus testen lassen will, muss dann in der Regel selbst dafür zahlen.

Wer nicht geimpft oder genesen ist, benötigt für viele Einrichtungen einen negativen Coronatest. Die meisten Menschen müssen diesen ab 11. Oktober selbst zahlen. Foto: Sven Hoppe/dpa

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Wer nicht geimpft oder genesen ist, benötigt für viele Einrichtungen einen negativen Coronatest. Die meisten Menschen müssen diesen ab 11. Oktober selbst zahlen. Foto: Sven Hoppe/dpa

Ungeimpfte in Baden-Württemberg müssen ab kommenden Montag tiefer in die Tasche greifen, wenn sie weiter am gesellschaftlichen Leben teilhaben wollen, denn ab dann fallen die kostenlosen Bürgertests weg. Bislang konnte sich jeder Bürger mindestens einmal pro Woche kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Künftig kommt der Staat aber nur noch in Ausnahmefällen für die Kosten auf.

Druck auf Impfunwillige erhöhen

Die Regierung will mit dieser Maßnahme den Druck auf Impfunwillige erhöhen. Denn wer ohne einen Impf- oder Genesennachweis beispielsweise in einem Restaurant essen oder ins Kino gehen will, muss dafür einen negativen Antigen-Schnelltest vorweisen. Das kann mitunter teuer werden, denn asymptomatische Personen, für die es eine Impfempfehlung gibt, müssen die Testkosten dann grundsätzlich selber tragen.

Was genau ein Antigen-Schnelltest kosten wird, lässt sich nicht genau voraussagen, wie sowohl Sebastian Gülde, Pressesprecher beim Bundesgesundheitsministerium, als auch Florian Mader, Pressesprecher beim Sozialministerium Baden-Württemberg, auf BT-Nachfrage sagen. „Die Vergütung richtet sich in den Praxen nach der Gebührenordnung für Ärzte. Teststationen haben keine Preisbindung, da regelt der Markt den Preis. Bei PCR-Tests müssen dann auch noch die Kosten für das Labor mit berücksichtigt werden“, erklärt Kai Sonntag von der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW).

Keine festgelegten Preise

Schätzungsweise werden die Kosten aber zwischen 15 und 30 Euro pro Antigen-Test liegen. PCR-Tests sind in der Regel um einiges teurer. Sie kosten zwischen 60 und 150 Euro. Je schneller das Ergebnis vorliegen soll, desto höher ist der Preis. Für ein PCR-Testergebnis innerhalb von einer Stunde können so auch höhere dreistellige Summen anfallen.

„Ich habe mich noch nicht festgelegt, denke aber, die Kosten für einen Antigentest bei uns werden sich in einem Rahmen von zehn bis 20 Euro bewegen. Wir werden den Markt beobachten und unsere Preise dann entsprechend anpassen“, sagt etwa Claudia Nübel von der Dr. Rössler’s Hofapotheke in Baden-Baden. Im Testzentrum der Jahnhalle in Gaggenau, das durch die Vitalapotheke betrieben wird, kostet ein Antigentest 15 Euro inclusive elektronisch übermitteltem Zertifikat, sagt Apothekerin Tatjana Zambo. Sie rechnet mit einer „stark sinkenden Nachfrage“. Wer sich bei einer der 13 „Lisa“-Teststationen in der Region auf das Coronavirus testen lassen will, muss für einen Antigen-Schnelltest künftig ebenfalls 15 Euro zahlen, kündigt Maik Albrecht-Markovic an. Er betreibt die „Lisa“-Teststationen in Mittelbaden. „Derzeit kommen auch noch viele Geimpfte zu uns, um sich testen zu lassen und auf Nummer sicher zu gehen“, berichtet er. Ob sich das ändern wird, sobald die Tests kostenpflichtig werden, müsse man nun abwarten. „Wir können das schlecht einschätzen und werden schauen, wie sich die Lage entwickelt“, so Albrecht-Markovic. Sollten in Zukunft tatsächlich viel weniger Menschen das Testangebot in Anspruch nehmen, müssten möglicherweise einzelne Teststationen geschlossen werden.

Die Sorge, dass es aus diesem Grund bald nur noch vereinzelt Teststationen geben wird, sei aber unbegründet, meint Gülde: „Auch wenn die Schnelltests ab 11. Oktober kostenpflichtig werden, wird das Angebot weiter flächendeckend zur Verfügung stehen“, versichert er.

Ausnahmen etwa für Kinder und Schwangere

Zumal es ja auch Leute gebe, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können und auf die Teststationen angewiesen sind. Für diese Personen übernimmt der Staat auch künftig die Kosten für einen Antigen-Schnelltest pro Woche. Auch Personen, die zum Zeitpunkt der Testung noch keine zwölf Jahre alt sind oder erst in den letzten drei Monaten vor der Testung zwölf Jahre alt geworden sind, haben weiterhin die Möglichkeit auf einen kostenlosen Test, wie das Bundesgesundheitsministerium bestätigt. Das gilt ebenso für Schwangere im ersten Schwangerschaftsdrittel, da die Ständige Impfkommission (Stiko) für diesen Zeitraum bislang keine generelle Impfempfehlung ausgesprochen hat. Außerdem will das Land die regelmäßigen Corona-Tests in Schulen über die Herbstferien hinaus bis zum Jahresende fortsetzen. Demnach gelten Schüler unter Vorlage eines Schülerausweises auch weiterhin in Bereichen als getestet, in denen die 3-G-Regel gilt, merkt Mader an.

Keine Änderungen bei Krankenhäusern und Pflegeheime

Bis zum 31. Dezember 2021 können sich außerdem alle, die zum Zeitpunkt der Testung noch minderjährig sind, kostenlos testen lassen. Das Gleiche gilt auch für Schwangere und Stillende. „Zwar besteht für diese Personen seit August beziehungsweise September eine generelle Impfempfehlung der Stiko. Um diesen Personen ausreichend Zeit zu gewähren, sich über die bestehenden Impfangebote zu informieren und einen vollständigen Impfschutz zu erlangen, haben sie bis Ende des Jahres aber weiterhin einen Anspruch auf kostenlose Testung“, klärt das Bundesgesundheitsministerium auf. Auch Studierende aus dem Ausland, die sich für ein Studium in Deutschland aufhalten und mit in Deutschland nicht anerkannten Impfstoffen geimpft wurden, können sich bis zum Jahresende kostenlos per Schnelltest testen lassen.

Keine Änderungen gibt es außerdem bei Krankenhäusern und Pflegeheime. Sie sind weiterhin verpflichtet, nicht-immunisierten Besuchern eine kostenfreie Testung anzubieten, denn die Bewohner und Patienten sind auf soziale Kontakte angewiesen und brauchen die Besuche“, so Gesundheitsminister Manfred Lucha. Auch die Pflicht für Arbeitgeber, ihren Beschäftigten kostenlose Tests zur Verfügung zu stellen, bleibt bestehen.


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