Staatsballett online: Schön improvisierte Tanzfragmente

Karlsruhe (cl) – Solo für sieben Tänzer im Homeoffice: Das Karlsruher Staatsballett hat beim „Ballettbaukasten“, moderiert von Direktorin Breiner, online gezeigt, wie prima es improvisieren kann.

Schöne Verrenkung im Homeoffice: Tänzer des Badischen Staatsballetts entwickeln im „Ballettbaukasten“ Figuren für einen gemeinsamen Auftritt, natürlich jeweils separat im Online-Format.  Foto: Badisches Staatstheater

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Schöne Verrenkung im Homeoffice: Tänzer des Badischen Staatsballetts entwickeln im „Ballettbaukasten“ Figuren für einen gemeinsamen Auftritt, natürlich jeweils separat im Online-Format. Foto: Badisches Staatstheater

Eine Arabeske vor dem Sofa, ein energiegeladener, erstaunlich synchroner Pas de deux zweier Tänzer auf dem rutschigen Perserteppich im engen Wohnzimmer, kraftvolle Hebefiguren auf weichem Sofa, natürlich solo: Besondere Herausforderungen und Hürden hat das Badische Staatsballett im Homeoffice zu meistern, um sein tänzerisches Können per Video präsentabel zu machen. Dass die Tänzerin Alba Nadal zwischen Bett und Tisch noch eine Tanzmatte und eine Ballettstange untergebracht hat und Louiz Rodrigues auch auf dem Klavier virtuos Finger tanzen lassen kann, machte den Reiz dieser nebenbei erhaschten tänzerischen Homestorys der Compagnie aus, die am Samstagabend in der Online-Performance „Ballettbaukasten“ für einen exklusiven Zuschauerkreis auf Sendung ging.
Die Theater bleiben vorerst geschlossen, an gemeinsame Auftritte ist noch nicht zu denken, so hat sich die Karlsruher Compagnie diesen kreativen, spielerischen Tanzabend, moderiert von Ballettdirektorin Bridget Breiner, im Online-Format ausgedacht, um überhaupt wieder einmal mit dem Publikum in Kontakt zu treten: Sieben Tänzerinnen und Tänzer, die in Online-„Kacheln“ aus ihren Wohnzimmern zugeschaltet worden sind, haben in null Komma nichts eine kleine Choreografie, quasi auf Zuruf entwickelt. Viel Improvisation und Interaktion mit dem Publikum waren im Spiel.
Ballettchefin Breiner hat den 90-minütigen „Baukasten“ wie ein Gesellschaftsspiel aufgezogen. Das Publikum durfte die Vorlage zum ersten Teil eines kurzen „Handlungsballetts“ mit auswählen. Drei Kinderbücher schlug die Mutter eines zweieinhalbjährigen Kinds zur Auswahl vor: Die poetische Geschichte des amerikanischen Kinderbuchautors Dr. Seuss „Oh, the places you’ll go“ wurde es schließlich, über einen kleinen Jungen, seinen Mut und die Freiheit einen eigenen Lebensweg einzuschlagen. Szene für Szene, vorgelesen von Bridget Breiner, haben die Tänzer, wie die Zuschauer lediglich verbunden über die kleine Kamera am Notebook, gezeigt, wie schnell mal eine hübsche Mini-Choreografie der Profis entstehen kann.

Ballettdirektorin kündigt Online-Tanzpremiere für April an

Auch in der harten Lockdown-Phase vergangenes Frühjahr haben sich die Karlsruher Tänzerinnen und Tänzer nicht ausgeruht, sondern in ihren Wohnungen – nur wenige von ihnen wohnen zusammen – eigene kleine Videos entwickelt. Eine reizvolle Auswahl der 150 Produktionen ist beim „Ballettbaukasten“ eingespielt worden: etwa Paul Calderones virtuos auf der Balkonbrüstung bis zur Sofalehne entstandene Körperfragmente-Choreografie, Louiz Rodrigues klangvoller Fingertanz auf den Klaviertasten, Joao Mirandas Wirbelsäulen-Bilder oder Pablo Octavios Tiermaskenparade als cooles Schattentheater.
Aus kleinen Aufgaben, einem Arabesken-reichen Kehraus mit dem Besen (Alba Nadals „Aschenputtel“-Improvisation), zugeworfenen Wörterfolge des Publikums, sind aus Schrittmaterial auf engstem Raum zwar keine großen Tanzgeschichten, aber unterhaltsame Späße mit der Ballettkunst entstanden.
Der „Ballettbaukasten“ ist Teil des Online-Spielplans, den das Staatstheater zurzeit aufgelegt hat. Die Teilnahme ist kostenfrei. Wegen der begrenzten Anzahl der Plätze – am Samstagabend waren knapp 80 Teilnehmer inklusive Tänzer bei der Online-Performance zugeschaltet – sind auch die weiteren geplanten Abende im März/April bereits ausgebucht.
Im April will Bridget Breiner, so hat sie schon verraten, aber auch eine richtige Ballettpremiere im Netz zeigen. Denn ob die am 17. April im offiziellen Spielplan angesetzte „Feuervogel“-Premiere des Staatsballetts im Badischen Staatstheater stattfinden kann, ist fraglich. Trotzdem proben die Karlsruher Tänzer bereits im Ballettsaal coronagerecht jeweils in zwei Gruppen – eine vormittags, die andere nachmittags am „Feuervogel“ und an der „Zukunft“-Choreografie. Auch in kleinen Gruppen wird wieder langsam das Repertoire einstudiert, das in den nächsten Monaten aufgenommen werden soll, wenn die Theater wieder öffnen dürfen.

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Erstellt:
28. Februar 2021, 23:00 Uhr
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