Staatshilfe gegen den Fachkräftemangel

Gernsbach (fk) – Lob für die Ausbildungsprämie hat Sternekoch Bernd Werner übrig:„Die Auszahlung hat sehr gut funktioniert“. Dennoch fallen wegen Corona auch in Mittelbaden Ausbildungsplätze weg.

Test für die Wiedereröffnung nach der Corona-Pause am Samstag: Sternekoch Bernd Werner (vorne) konnte unter anderem mittels Förderprogrammen die Ausbildung seiner Lehrlinge während Corona fortführen. Foto: Florian Krekel

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Test für die Wiedereröffnung nach der Corona-Pause am Samstag: Sternekoch Bernd Werner (vorne) konnte unter anderem mittels Förderprogrammen die Ausbildung seiner Lehrlinge während Corona fortführen. Foto: Florian Krekel

Annika Knab und Sedric Dietz sind sich einig. Sie haben „es sehr gut getroffen“ mit ihrem Ausbildungsbetrieb. Beide absolvieren ihre Lehre bei Sternekoch Bernd Werner auf Schloss Eberstein, hoch über Obertsrot im Murgtal. Werner hat finanziellen Puffer – kann die Ausbildung der beiden Lehrlinge und ihrer acht Mitstreiter weiterführen – sogar mit eigenen Programmen und Workshops. Maßgeblich profitiert hat er dabei, wie er selbst sagt, von der Ausbildungsprämie der Agentur für Arbeit und anderen Förderprogrammen – die Prämie sei, so sagt Werner im BT-Gespräch, ein voller Erfolg.

Experten loben Prämie


Das dürfte man bei der Agentur für Arbeit gerne hören, zumal andere Experten beipflichten – so etwa der DGB-Bildungsexperte Matthias Anbuhl im Deutschlandfunk. Anbuhl kritisiert dabei aber die Auszahlung der Hilfen – deren Höhe von 2.000 Euro ab dem 1. Juni auf 4.000 Euro angehoben werden soll – allerdings als zu bürokratisch und nicht weitreichend genug. Die Förderhürden seien hoch, und aktuell noch auf kleine und mittlere Betriebe mit weniger als 250 Mitarbeitern beschränkt.

An anderer Stelle geht der DGB sogar soweit, einen gesetzlich garantierten Anspruch auf einen Ausbildungsplatz zu fordern. Bei der Agentur für Arbeit Karlsruhe-Rastatt will man das gegenüber dem BT nicht kommentieren. Die Agentur sei der Neutralität verpflichtet und äußere sich nicht zu politischen Initiativen, heißt es.

Über zu viel Bürokratie will und kann Werner indes nicht klagen. Er sei sehr zufrieden mit den Prämienzahlungen – genauso wie mit der Auszahlung der Corona-Hilfen seitens des Bundes. „Das hat alles gut geklappt. Man musste sich nur drum kümmern“, so der Sternekoch.

Geholfen haben ihm bei der Fortführung seines Betriebs und den selbstkreierten Ausbildungsinhalten in Vollzeit, wie er selbst sagt, auch ein gewisses finanzielles Polster – „das brauchte man gerade anfangs schon“, sagt er – und andere Förderprogramme.

„Wer sich kümmert, dem wird geholfen“

Auf Letztere verweist die Agentur für Arbeit auf BT-Nachfrage auch für diejenigen, die nicht Werners finanzielles Polster haben. Allerdings stammen sie teilweise auch von anderen Instituten.

Für Werner bleibt eines aber in jedem Fall klar: „Wer sich als Chef voll reinhängt und sich um die Fördermöglichkeiten bemüht und das ordentlich macht, dem wird auch geholfen.“ Und dieser Einsatz, so unterstreicht er, sei für alle Branchen enorm wichtig, um den Fachkräftemangel nicht noch weiter zu verschärfen. „Stellen Sie sich mal vor, ich stelle dieses Jahr keinen Azubi ein. Dann habe ich – angenommen die Ausbildung dauert wie bei uns drei Jahre – für diese drei Jahre eine Lücke, die ich nicht mehr schließen kann. Das geht einfach nicht.“ Ein Grund, warum Werner schon die nächsten sechs Azubis eingestellt hat.

Zahl der Lehrstellen klar rückläufig

Das können und wollen sich allerdings bei Weitem nicht alle Betriebe so leisten. Anbuhl spricht im Deutschlandfunk von einem Minus von 60.000 Ausbildungsverträgen im Corona-Jahr 2020. Erstmals seit der Deutschen Einheit sei die Zahl der Azubis in der Republik unter 500.000 gesunken. Die Agentur für Arbeit Karlsruhe-Rastatt spricht für das Berichtsjahr 2019/2020 in der Region Mittelbaden von einem „leichten Rückgang an Ausbildungsstellen“. Demnach wurden der Agentur für Arbeit 2.285 offene Stellen gemeldet, 411 weniger als im Vorjahr. Und das Minus hält an. So verzeichnet das aktuelle Jahr im Vergleich zum ersten Corona-Jahr 2020 in Mittelbaden laut Agentur für Arbeit einen neuerlichen Rückgang von 3,6 Prozent (Stand April). Gegenüber dem BT verweist die Agentur in dieser Hinsicht auch auf die Möglichkeit für kleinere Betriebe, die sich keine komplette Fortführung der Ausbildung wie Werner leisten können, sich bei Ausbildungsinhalten mit anderen Unternehmen zusammenzuschließen. Gerade im Bereich der Gastronomie sei das gängige Praxis.

Zugleich sehen alle auch die andere Seite. Vielen potenziellen Azubis fehlt die Orientierungsmöglichkeit. Messen fallen in Corona-Zeiten aus, die Möglichkeit von Praktika fehle. Auch hier müssten sich Betriebe, so Werner und die Agentur unisono, neue Wege einfallen lassen.


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