Staatstheater: Führungskrise weitet sich aus

Von Sabine Rahner

Karlsruhe (sr) – Am Badischen Staatstheater wächst der Widerstand gegen Generalintendant Spuhler: Chor- und Orchestervorstände sowie der Freundeskreis gehen jetzt an die Öffentlichkeit.

Staatstheater: Führungskrise weitet sich aus

Die Landespolitik stand bisher fest hinter Peter Spuhler: 2018 kamen Ministerpräsident Kretschmann und Kunstministerin Bauer zu Besuch, im Hintergrund Intendant Spuhler. Foto: Uli Deck/dpa/Archiv

Die Staatstheater-Affäre in Karlsruhe hat eine Eigendynamik gewonnen, die nicht mehr aufzuhalten scheint: Nachdem kürzlich der scheidende Operndramaturg Boris Kehrmann und dann der Gesamtpersonalrat die jahrelangen internen Klagen über den autoritären Führungsstil von Generalintendant Peter Spuhler an die Öffentlichkeit gebracht haben und kurz danach sogar die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufnahm, weil es – anonym in den sozialen Netzwerken, vor allem auf Instagram – schwere Vorwürfe gegen einen weiteren leitenden Angestellten wegen angeblicher sexueller Übergriffe gibt, hat sich jetzt der Vorstand der „Gesellschaft der Freunde des Badischen Staatstheaters“ mit einem Statement zu Wort gemeldet.

Offenbar schwelt auch hier schon seit Jahren Ärger über den Stil des Intendanten, der sich Gesprächen verweigert und konstruktive Vorschläge ignoriert habe. „Der ehrenamtlich tätige Vorstand, der ein zahlreiches Publikum vertritt und dem Theater zuverlässig hohe Fördersummen zukommen lässt, vermisst schmerzlich den für seine Arbeit unabdingbaren partnerschaftlichen Austausch auf Augenhöhe“, heißt es in dem vom dreiköpfigen Vorstand unter Bernd Krüger unterzeichneten Schreiben.

Politik gibt sich ahnungslos

Mit diesen Erfahrungen stehen die „Freunde“ nicht allein: Mitarbeiter des Staatstheaters beklagen ein Klima der Angst, in dem man von einem cholerischen Intendanten niedergebrüllt oder vorgeführt werde.

Am Dienstag wiesen nun auch die Vorstände des Chors und der Badischen Staatskapelle – der mit insgesamt 150 Planstellen beiden größten künstlerischen Kollektive innerhalb der Opernsparte – noch einmal darauf hin, dass die Situation bereits seit der Spielzeit 2011/12 so prekär sei, dass immer wieder entsprechende Gespräche mit den Kulturbürgermeistern und Referatsleitern im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst stattgefunden hätten. Man sei daher „zutiefst irritiert“ darüber, dass die beiden Vorsitzenden des Verwaltungsrats, Ministerin Theresia Bauer und Karlsruhes OB Mentrup, jetzt von „erstmals aufgeworfenen“ Vorwürfen sprächen, heißt es in der Stellungnahme.

Die Gesellschaft der Freunde geht in ihrem Schreiben über den aktuellen Skandal hinaus und wertet Spuhlers Arbeit im Opernbereich – der publikumsstärksten Sparte zusammen mit dem bisher sehr erfolgreichen Staatsballett – als unzureichend. Unter anderem vermisse man eine „nachhaltige Spielplangestaltung“, statt dessen würden hervorragende Musiktheaterproduktionen rasch abgesetzt und dafür „alte Produktionen jahrelang durch den Spielplan geschleppt.“ Außerdem gebe es keine vorausschauende Verpflichtung vielversprechender Nachwuchssänger mehr, und das Corona-Management sei auch „befremdlich“.

Intendant soll „Haltung zeigen“

Die Gesellschaft der Freunde zählt sich mit über 1400 Mitgliedern zu den größten Kulturfördervereinen der Republik.

Immer deutlicher wird, dass dieses angeprangerte Führungsversagen über das Staatstheater hinaus auch auf politische Ebenen reicht. Während sachliche Themen wie die umfassende Sanierung und Erweiterung des Staatstheaters zielstrebig vorangebracht wurden, blieben die Klagen der Mitarbeiter trotz einer Mediation ohne Folgen. Dem will der Freundeskreis jetzt nicht weiter tatenlos zusehen: Der Generalintendant möge sich, so die Forderung, seinem eigenen Spielzeitmotto „Von Haltung und Verhalten“ würdig erweisen „und einem grundsätzlichen strukturellen Prozess nicht im Wege stehen.… Insofern hofft die Gesellschaft der Freunde auf einen Neuanfang, der auch nach außen hin von einem deutlichen Zeichen begleitet werden muss.“

Am Freitag befasst sich der Verwaltungsrat des Staatstheaters mit dem Thema.