Staatstheater-Personalrat: Missstände durch Führungsstil des Generalintendanten

Karlsruhe (cl) – Die schweren Vorwürfe von Mitarbeitern des Badischen Staatstheaters gegen Generalintendant Peter Spuhler hat der Personalrat des Theaters nun bekräftigt und schreibt in einem Offenen Brief von „Missständen durch den Führungsstil“ Spuhlers, woraus ein „toxisches Arbeitsklima“ entstanden sei. Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup konterte: „Der Offene Brief reißt tiefe Gräben auf“.

Die Würde des Menschen ist unantastbar“: Ist das Banner am Badischen Staatstheater bloße Fassade? Der Personalrat berichtet von einem „toxischen Arbeitsklima“ in dem von Generalintendant Spuhler geleiteten Haus.  Foto: Uli Deck/dpa

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Die Würde des Menschen ist unantastbar“: Ist das Banner am Badischen Staatstheater bloße Fassade? Der Personalrat berichtet von einem „toxischen Arbeitsklima“ in dem von Generalintendant Spuhler geleiteten Haus. Foto: Uli Deck/dpa

Hinter den Kulissen des Badischen Staatstheaters Karlsruhe soll es seit Jahren erheblichen Frust bei den Mitarbeitern über den als selbstherrlich und wenig wertschätzend empfundenen Führungsstil des Generalintendanten Peter Spuhler geben. Insbesondere an der Opernsparte, wo zuletzt der Dramaturg Boris Kehrmann Knall auf Fall kündigte, gibt es eine größere Personalfluktuation. Nun ist auch der Personalrat des Staatstheaters an die Öffentlichkeit gegangenen und berichtet von „Missständen durch den Führungsstil“ des Generalintendanten.
Er sei durch diesen Brief wie vor den Kopf gestoßen, kommentierte Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup im BT-Gespräch das Schreiben – es ziele vielmehr auf die Vernichtung der Person Spuhler ab: „Außer allgemeinen Formulierungen, wie Kontrollzwang oder jähzorniges Verhalten, habe ich noch nichts gelernt aus diesem Brief, mit dem ich jetzt etwas anfangen könnte“, konterte der OB, von Amts wegen stellvertretender Vorsitzender des Staatstheater-Verwaltungsrats. „Dieser Offene Brief reißt nur die Gräben soweit auf, dass man sie eigentlich nicht mehr zuschütten kann.“

„Vielleicht passt das Generalintendantenmodell auf Dauer auch nicht mehr so zum Zeitgeist, aber das jetzt an der Person Spuhler festzumachen und das miteinander zu vermengen ist aus meiner Sicht auch nicht gut“, sagt Karlsruhes OB Mentrup zur Position von Peter Spuhler.  Foto: Uli Deck/dpa

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„Vielleicht passt das Generalintendantenmodell auf Dauer auch nicht mehr so zum Zeitgeist, aber das jetzt an der Person Spuhler festzumachen und das miteinander zu vermengen ist aus meiner Sicht auch nicht gut“, sagt Karlsruhes OB Mentrup zur Position von Peter Spuhler. Foto: Uli Deck/dpa


Der Personalrat des Staatstheaters berichtet in seinem Schreiben von einem „toxischen Arbeitsklima“ – und weiter: „das ausgehend von der Intendanz an die verschiedenen Spartenleitungen und am Ende auch an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der verschiedenen Sparten herangetragen wird“. Dieses Klima der Angst begünstige Krankheitsfälle und Burn-out. Viele Kollegen hätten aus Angst, dass ihre Zukunft verbaut werde, geschwiegen. Spuhler sei in der Theaterszene bestens vernetzt, auch ein Wechsel an andere Häuser könne schwierig werden.
Beklagt werden laut Personalrat der „Kontrollzwang, beständiges Misstrauen und cholerische Ausfälle des Generalintendanten“. Seit der Amtsübernahme Spuhlers 2011 hätten sich Theatermitarbeiter gegenüber dem Personalrat in vertraulichen Gesprächen regelmäßig über seine rigorosen Umgangsformen beklagt. Als Grundübel sieht der Personalrat die „Machtfülle“, die ein an der Spitze stehender Generalintendant auf sich vereine – und fordert „dieses antiquierte Führungsmodell gegen ein in vielen deutschen Theatern inzwischen übliches Modell der Spartenintendanten auszutauschen“. Der Brief sei ein Zeichen der Solidarität mit den scheidenden Kollegen, sagte Personalrats-Vorsitzende Barbara Kistner im BT-Gespräch. Neben Kehrmann verlassen auch der Stellvertreter von Opernchefin Nicole Braunger, Patric Seibert, eine weitere Kollegin sowie der Erste Kapellmeister, Daniel Squeo, das Staatstheater.

OB: Nachdenken über „starkes Direktorenmodell“


„Wir erhoffen uns, dass sich strukturell in der Leitung des Theaters etwas ändert und die Machtfülle eingedämmt wird“, erklärte Kistner. Ein 2015 angestrengter Mediationsprozess, dessen Abschlussbericht 2017 durch den Verwaltungsrat intern veröffentlicht wurde, habe nichts gebracht. Ebenso wenig erfolgreich sei ein späterer Versuch des Personalrats verlaufen, die Situation für alle Mitarbeiter durch eine Dienstvereinbarung zum „Partnerschaftlichen Verhalten“ am Arbeitsplatz abzuschließen – die auch Generalintendant Spuhler unterzeichnete. Der Personalrat bezweifelt, dass Spuhler seinen Führungsstil ändern könne.
Das Badische Staatstheater mit rund 800 Mitarbeitern wird von der Stadt Karlsruhe und dem Land Baden-Württemberg getragen, beide Seiten sitzen im Verwaltungsrat des Theaters. „Wir haben schon vor einigen Jahren eine Art Moderation gehabt“, verwies Mentrup auf Schlichtungsversuche im länger schwelenden Führungsstreit am Staatstheater. Während das von Theresia Bauer geleitete Wissenschaftsministerium das Personalrats-Schreiben auf Anfrage nicht kommentieren wollte, erläuterte Mentrup weiter: „Es gibt ein gemeinsames Papier mit dem Personalrat über die Zusammenarbeit. Wenn man jetzt der Meinung wäre, diese Vereinbarung sei gescheitert, dann kann man uns das ja mal rückmelden.“ Eine solche vernichtende Kritik wie sie der Personalrat in seinem Brief formuliere, die auf die Person Spuhler abziele, sei aber „inakzeptabel“.

„Wir werden in der nächsten Sitzung mit allen Beteiligten reden“

Natürlich habe der Verwaltungsrat Peter Spuhler damals zu einer Stellungnahme aufgefordert, wie überhaupt in den letzten Jahren, sobald irgendetwas bekannt geworden sei, mit entsprechenden Maßnahmen reagiert wurde. Mentrup monierte, dass der Personalrat nicht erneut das Gespräch mit dem Verwaltungsrat intern gesucht habe, wenn er der Meinung sei, dass die Schlichtungsversuche gescheitert seien. „Ich wäre jederzeit ansprechbar gewesen“, so der OB. Er habe nicht den Eindruck, dass die Fluktuation am Badischen Staatstheater höher sei als an anderen Häusern, im Gegenteil, einige Spartenleiter, etwa der frühere Opernchef Michael Fichtenholz, und auch die Leiterin des Kinder- und Jugendtheaters hätten noch „interessantere Jobs“ gekriegt.
Man nehme aber die Vorwürfe im Verwaltungsrat ernst und werde bei der demnächst anstehenden Sitzung mit allen Beteiligten reden, sagte Mentrup. „Dann muss man schauen, ob es einen gemeinsamen Weg der Beteiligten im Badischen Staatstheater geben kann. Ich habe weiter den Anspruch an alle Beteiligten, dass sie zu einem solchen Weg zur Verfügung stehen.“
Die Kritik des Verwaltungsrats am Generalintendantenmodell und der einhergehenden Machtfülle will er aber nicht „vermengt“ sehen mit der Kritik an der Person Spuhler. Aber der OB fügte hinzu: „Insgesamt nehme ich wahr, dass es eine Tendenz gibt, aus dem traditionellen Generalintendantenmodell gegebenenfalls in ein starkes Direktorenmodell zu wechseln.“ Dies müsse man im Verwaltungsrat diskutieren, wenn ein Intendantenwechsel anstünde. Spuhlers Vertrag läuft noch bis 2026.

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Erstellt:
3. Juli 2020, 21:30 Uhr
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