Stadt Baden-Baden übernimmt Festspielhaus

Baden-Baden (hez) – Die Stadt Baden-Baden hat kräftig eingekauft: Für 18,4 Millionen Euro geht am Mittwoch eines der größten Opernhäuser Europas in ihren Besitz über: das Festspielhaus.

Die Stadt Baden-Baden kauft das Festspielhaus für 18,4 Millionen Euro. Im Herbst soll der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden. Foto: Monika Zeindler-Efler/BT

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Die Stadt Baden-Baden kauft das Festspielhaus für 18,4 Millionen Euro. Im Herbst soll der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden. Foto: Monika Zeindler-Efler/BT

Am Montag wurde in einem zumindest ansatzweise feierlichen Rahmen der neue Mietvertrag zwischen der Stadt und der Festspielhaus-Betriebsgesellschaft unterzeichnet. Dabei betonte OB Margret Mergen: „Der Kultur-Leuchtturm soll weiter strahlen.“
Mit dem Kauf der Immobilie komme die Stadt ihren Pflichten nach, meinte Mergen. Bereits vor 25 Jahren hat der Gemeinderat einem Vertragskonstrukt zugestimmt, der der TANJA Grundstücksverwaltungs-GmbH & Co. Objekt Festspielhaus KG als ursprüngliche Eigentümerin des Festspielhauses das Recht einräumt, die Immobilie an die Stadt zu verkaufen.Letztere hat deshalb bereits 2010 eine Tochtergesellschaft für den Erwerb des Hauses gegründet, die bis heute rund sieben Millionen Euro angespart hat. Zur Finanzierung der restlichen rund 11,3 Millionen Euro muss ein Darlehen aufgenommen werden.

Der von OB Mergen und Intendant Benedikt Stampa auf der Bühne des Festspielhauses unterzeichnete Mietvertrag legt auch fest, dass sich die Stadt weiter maßgeblich für das Opern- und Konzerthaus engagiert und die Betriebsgesellschaft unter dem Dach der Kulturstiftung Festspielhaus Baden-Baden die Programmhoheit im Kulturtempel behält.

Mergen sieht im jetzigen Besitzerwechsel einen zweiten Akt in der Geschichte des Festspielhauses, nachdem im ersten Akt die „kühne Idee“ des Baus eines großen Opernhauses verwirklicht wurde. Damals sei die Stadt noch Mieter gewesen und habe da mehr bezahlen müssen als jetzt für Zinsen und Tilgung des Festspielhaus-Darlehens.

Stadt will Verantwortung gerecht werden

Die OB wies auch darauf hin, dass die Stadt ihrer Verantwortung für die Bauunterhaltung der Immobilie gerecht werden wolle. Dafür müsse man rund drei bis vier Millionen Euro im Jahr aufbringen. Der Gemeinderat, so Mergen weiter, stehe zum Kauf des Hauses. Man setze nun auf die Fortsetzung des Erfolgsmodells für den Kulturtempel, das im Zusammenwirken von Stadt, Land und privaten Förderern bestehe.

Intendant Benedikt Stampa kündigte gestern auch an, dass nach der coronabedingten aktuellen Zwangspause der Spielbetrieb im Herbst wieder aufgenommen werden soll. Details könne man aber erst im August bekannt geben, denn noch laufen die Verhandlungen mit den Künstlern darüber, wie die Auftritte angesichts der Einschränkungen durch die Maßnahmen gegen die Pandemie aussehen können. Man plane aber eine „Annäherung an den normalen Spielbetrieb“, was eine Herausforderung sei.

Der Traum vom Silvesterkonzert

Der Vorbereitung darauf soll ein erstes neues Programmangebot des Festspielhauses von Mitte Juli bis Ende August dienen: An Wochenenden soll es in Baden-Badener Hotels einzelne Konzerte unter dem Motto „En suite“ geben. Zum Jahresende, davon „träumt“ Stampa nach eigener Aussage, könne ja vielleicht schon ein größeres Silvesterkonzert im Festspielhaus stattfinden.

Der Intendant gab auch bekannt, dass man Unterstützung durch einen Rettungsschirm für alle coronabedingten Auswirkungen beantragt habe. Zu Wort meldete sich bei der gestrigen Vertragsunterzeichnung auch Thorsten Klapproth, Vorstand der Kulturstiftung Festspielhaus Baden-Baden. Er zeigte sich überzeugt, dass das Haus gestärkt aus der jetzigen schwierigen Situation herauskommen werde.

Und dann tat sich Ungewöhnliches auf der Bühne des großen Kulturtempels, denn obwohl der Betrieb eigentlich noch ruht, wurde dort vor einem – zugegebenermaßen kleinen – Publikum musiziert. Die in Baden-Baden lebende Pianistin Anna Zassimova spielte Stücke von Chopin und Debussy. Und alle Anwesenden sahen dies als ein hoffnungsvolles Zeichen für das Festspielhaus an.

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Erstellt:
29. Juni 2020, 19:00 Uhr
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