Stadt Gaggenau will Gemeindehaus übernehmen

Gaggenau (uj) – Die katholische Kirchengemeinde Gaggenau-Ottenau will das Gemeindehaus im Stadtteil Selbach, in dem sich auch der Kindergarten befindet, an die Stadt Gaggenau verkaufen.

Im katholischen Gemeindehaus in Selbach ist unter anderem der Kindergarten St. Nikolaus beheimatet. Foto: Ulrich Jahn

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Im katholischen Gemeindehaus in Selbach ist unter anderem der Kindergarten St. Nikolaus beheimatet. Foto: Ulrich Jahn

„Das Stichwort lautet Baulast“, sagt Matthias Weil. Er ist Pfarrer der römisch katholischen Kirchengemeinde Gaggenau-Ottenau. Die Seelsorgeeinheit, zu der neben Sankt Jodok auch Sankt Johannes Nepomuk Hörden, Sankt Anna Sulzbach und Sankt Nikolaus Selbach gehören, verfügt über insgesamt 16 Gebäude. Zu viele, wie auch der Pfarrer betont. Die Kosten für den Gebäudeunterhalt seien für die Kirchengemeinde sehr hoch und nicht mehr leistbar.

Schon seit längerer Zeit trägt sich die Seelsorgeeinheit mit dem Gedanken, einige Gebäude zu verkaufen. Im Januar 2019 fand diesbezüglich ein „Dialog über die Zukunft der Gebäude“ statt. Der Bestand umfasst vier Kirchen (St. Johannes Nepomuk Hörden, St. Jodocus Ottenau, St. Nikolaus Selbach und St. Anna Sulzbach), drei Kapellen, vier Pfarrhäuser, zwei Gemeindehäuser, zwei Kindergärten sowie ein mit Gemeindehaus kombinierter Kindergarten in Selbach.

Trägerschaft soll bleiben

Und gerade letztgenanntes Gebäude ist jetzt in den Fokus geraten. Es ist das erste kirchliche Anwesen, das verkauft werden soll. Pfarrer Weil betont auf BT-Anfrage, dass der Kindergarten in kirchlicher Trägerschaft bleiben soll. Der Pfarrgemeinderat der katholischen Seelsorgeeinheit hatte sich bereits Ende März 2019 in einer Klausur mit den Gebäuden befasst.

„In konstruktiver Atmosphäre wurden die eingegangenen Vorschläge und mögliche Szenarien diskutiert“, so Pfarrer Weil damals nach der Klausur. Einig sei man sich, die Trägerschaft für alle drei Kindergärten bei der Kirche zu belassen. Gespräche mit der Stadtverwaltung bezüglich einer Übernahme der Gebäude sollten aber fortgeführt werden.

Bezüglich Selbach ist man aktuell schon einen Schritt weiter. Es wurden mit den Vertretern der Katholischen Pfarrgemeinde und unter Einbindung des Pfarrgemeinderats, der Verrechnungsstelle für Katholische Kirchengemeinden sowie von Pfarrer Weil bereits Gespräche geführt, bestätigt die Gaggenauer Stadtverwaltung. Es sei im Einvernehmen aller Beteiligten entschieden worden, dass die Stadt Gaggenau das Gebäude des Selbacher Kindergartens übernehmen wird. Träger werde weiterhin die katholische Kirche sein. Untersuchungen an der Gebäudesubstanz seien vorgenommen worden. Allerdings werden erst nach dem Beschluss des Pfarrgemeinderats weitere Verhandlungsgespräche geführt. Die öffentliche Sitzung des Pfarrgemeinderats ist am Donnerstag, 16. September, um 19.30 Uhr. Voraussichtlich findet die Sitzung im Gemeindehaus in Ottenau statt, andernfalls in der Pfarrkirche St. Jodok nebenan. Für Besucher ist eine telefonische Anmeldung im Pfarrbüro unter (0 77 25) 14 83 bis spätestens Montag, 13. September, um 12 Uhr erforderlich.

Ortsvorsteher zeigt sich überrascht

Michael Schiel, Ortsvorsteher von Selbach, zeigte sich am Mittwoch überrascht von den Plänen der Kirchengemeinde. Erst aus dem BT habe er davon erfahren. Der Ortsvorsteher betonte, dass diese Thematik noch nicht im Ortschaftsrat Selbach erörtert worden sei. Und das, obwohl der Ortschaftsrat „originär für Grundstücksangelegenheiten zuständig“ sei. „Ich weiß nicht, was ich davon halten soll“, zeigte sich Schiel verschnupft über den fehlenden Informationsfluss und betonte, dass er diesbezüglich umgehend Kontakt zur Stadtverwaltung aufgenommen habe.

An der Sitzung des Pfarrgemeinderats am 16. September werde er teilnehmen, unterstrich der Ortsvorsteher.

Ihr Autor

BT-Redakteur Ulrich Jahn

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Erstellt:
2. September 2021, 07:00 Uhr
Lesedauer:
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