Stadt-Mitarbeiter macht Frau „den Hof“

Rastatt (BNN) – Ein Bauhof-Mitarbeiter hat in Rastatt monatelang unerlaubt während der Arbeitszeit einer Stadtangestellten buchstäblich „den Hof gemacht“. Und das auch noch mit städtischen Geräten.

Im Fokus: Ein langjähriger Mitarbeiter des Bauhofs in Rastatt hat während seiner Arbeitszeit mit städtischem Gerät privat gearbeitet. Symbolfoto: Hans-Jürgen Collet/BNN

Im Fokus: Ein langjähriger Mitarbeiter des Bauhofs in Rastatt hat während seiner Arbeitszeit mit städtischem Gerät privat gearbeitet. Symbolfoto: Hans-Jürgen Collet/BNN

Die Stadt Rastatt wendet sich wegen des Vorfalls nun an die Gemeindeprüfungsanstalt. Der langjährige Mitarbeiter hatte 2020 über Monate hinweg einer städtischen Angestellten buchstäblich den Hof gemacht und unter anderem Teile des Grundstücks gepflastert. Bei dem privaten Engagement kamen während der eigentlichen Arbeitszeit auch städtische Gerätschaften zum Einsatz.

„Die Stadtverwaltung hat die Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) als unabhängige Instanz beauftragt, die Angelegenheit zu untersuchen“, sagt Heike Dießelberg, Pressesprecherin der Stadt Rastatt. Der Schritt erfolge mit dem Ziel und insbesondere der Fragestellung, wie sich künftig ähnliche Vorfälle mit organisatorischen Maßnahmen gegebenenfalls verhindern lassen können. Dazu gibt es nach Angaben der Stadt noch kein Ergebnis.

Die GPA in Karlsruhe bestätigt den Kontakt mit der Stadt Rastatt. „Es gibt einen Antrag auf Organisationsberatung“, sagt Vizepräsident Markus Günther. Dabei gehe es um die Fragen, wie der Bauhof organisiert sei, ob es sinnvoll sei, Gerätschaften auszuleihen und wie das bewerkstelligt werden könnte. Ein weiterer Aspekt ist laut Günther das Risikomanagement.

Keine dienst- oder arbeitsrechtliche Bewertung

„Es wird auch um entsprechende Dienstanweisungen und Dokumentationen gehen. Das ist alles einigermaßen banal“, erklärt Günther. Der konkrete Fall des Bauhof-Mitarbeiters, der während seiner Arbeitszeit mit städtischen Geräten arbeitete, werde dabei weder dienstrechtlich, arbeitsrechtlich oder strafrechtlich von der GPA untersucht. „Das ist kommunale Selbstverwaltung und allein Sache des Oberbürgermeisters“, sagt Günther.

Ein BNN-Leser, der anonym bleiben möchte, beobachtete die Arbeiten auf dem Privatgrundstück über einen längeren Zeitraum hinweg. „Der Mann ist über Monate immer wieder gekommen“, erzählt der Rastatter Bürger. Mit dabei habe er manchmal schweres Gerät gehabt: einen Radlader, eine Rüttelplatte oder einen mobilen Kompressor etwa.

Mehrere Videos und Fotos beweisen Arbeiten

Als Beweis legt der Mann mehrere Fotos und Videoaufnahmen vor, auf denen der Bauhof-Mitarbeiter auf dem Grundstück der städtischen Angestellten zu Gange ist. Auf manchen Fotos sind auch die städtische Zulassung des Radladers und das Stadtwappen an Fahrzeugen zu erkennen. Anhand der Aufnahmen lässt sich nachvollziehen, dass die Baumaschinen von März 2020 bis in den Juni 2021 eingesetzt wurden. Nicht immer ist klar, ob es sich dabei um Gerät aus dem städtischen Bauhof handelt.

„Die Angelegenheit wurde zwischenzeitlich intern aufgearbeitet“, sagt Dießelberg. Informationen zu vorgenommenen personalrechtlichen Konsequenzen könne die Stadt aus Gründen des Datenschutzes nicht weitergeben. „Die Kosten für die entliehenen Geräte wurden in Rechnung gestellt und beglichen, sodass der Stadt Rastatt kein finanzieller Schaden entstanden ist“, betont Dießelberg.

Bauhof-Mitarbeiter können Geräte mieten

Grundsätzlich könnten städtische Bauhof-Mitarbeiter Fahrzeuge und selbstfahrende Maschinen ausleihen. „Hierfür wird ein Preis von pauschal 153,81 Euro pro Tag in Rechnung gestellt“, erklärt die Pressesprecherin. Allerdings haben laut Dießelberg bisher weder Beschäftigte der Technischen Betriebe noch andere Mitarbeitende der Stadtverwaltung von diesem Angebot Gebrauch gemacht.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Dominik Schneider

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Erstellt:
14. März 2022, 10:15 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 35sec

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