Stadt spannt weiteren Schutzschirm über das Zay

Rastatt (ema) – Die Stadt Rastatt wirft weiter ein kritisches Auge auf das Zay. Der Stadtteil-Charakter mit viel Grün soll bewahrt werden.

Dieses Haus in der Sibyllenstraße soll einem Neubau weichen. Die Stadtverwaltung will das verhindern und den Charakter des Gebiets bewahren. Foto: Mauderer

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Dieses Haus in der Sibyllenstraße soll einem Neubau weichen. Die Stadtverwaltung will das verhindern und den Charakter des Gebiets bewahren. Foto: Mauderer

Die Stadt unternimmt einen weiteren Vorstoß, um den städtebaulichen Charakter des Zay zu schützen. Der Gemeinderat brachte bei vier Gegenstimmen und vier Enthaltungen den Bebauungsplan „Sibyllenstraße“ auf den Weg und erließ gleichzeitig eine Veränderungssperre, um nicht vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden.
Auslöser des Schrittes zur städtebaulichen Steuerung ist eine Zunahme an Baugenehmigungen in dem Gebiet, was nach Beobachtung der Stadtplanung einen erhöhten Nutzungsdruck auf bisher unbebaute Freiflächen befürchten lässt. Das Fass zum Überlaufen gebracht hat jetzt eine Bauvoranfrage, die den Abbruch eines Wohnhauses in der Sibyllenstraße vorsieht, das zwei Wohngebäuden mit drei Vollgeschossen, Flachdach und Tiefgarage weichen soll – mit der Folge, dass wesentliche Teile der Hausgärten zwischen Gartenstraße und Sibyllenstraße geopfert werden müssten. Das Problem: Es existiert kein Bebauungsplan. Um die Entwicklung nicht den freien Kräften des Baugesetzbuchs zu überlassen, das in solchen Fällen eine Orientierung an der Umgebungsbebauung auferlegt, hat sich die Verwaltung zur Grätsche entschlossen.

CDU gespalten

Die Stadtplanung unterstreicht die bauhistorische Hochwertigkeit des Sibyllengeländes. Die Flächen wurden nach der Schleifung der Festung in den 1920er und 1930er Jahren zum Teil an private Bauherrn und die Baugenossenschaft vergeben, die innerhalb von wenigen Jahren sogenannte Fabrikvillen, Arbeiterhäuser und Genossenschaftsbauten errichteten. Die Besonderheit des Gebiets bestehe darin, dass ein überwiegender Teil der Bausubstanz aus der Entstehungszeit noch erhalten ist. Im Rathaus sieht man die Gefahr, dass nach dem bisherigen Planungsrecht begrünte Vor- und Hausgärten durch zunehmende Versiegelung nicht nur in ihrer stadtgestalterischen Qualität beeinträchtigt werden. Die Verwaltung will mit dem Erhalt der Grünflächen auch den Naturhaushalt sichern – mit begünstigenden Auswirkungen auf Pflanzenvielfalt und Mikroklima in dem zentrumsnahen Quartier.

Schon in der Vergangenheit haben die Stadtplaner ein strenges Auge auf das Zay geworfen, um die besondere Bedeutung des Stadtteils zu würdigen. Schließlich wurden hier in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Ideen der europäischen Gartenstadtbewegung umgesetzt. Die Besonderheit des Quartiers liegt sowohl in der spezifischen Struktur und Gestaltung der Häuser als auch in der Ausbildung der Freiräume in Form von begrünten Vorgärten und zusammenhängenden Hausgärten.

Am Ratstisch herrschte weitgehend Einigkeit, den Charakter des Zays schützen zu wollen. Lediglich die CDU sei in der Bewertung gespalten, gab Fraktionschefin Brigitta Lenhard zu erkennen. Man müsse wohl „auf Jahre im Zay Stillstand“ in Kauf nehmen, was zu einer Diskrepanz führe mit der Herausforderung, Wohnraum in Rastatt zu schaffen.

Die Verwaltung versucht dieses Argument zu entkräften mit dem Hinweis, dass bereits mit der Nachnutzung der Max-Jäger-Schule und der Bebauung des Murg-Carrées an der Carl-Schurz-Straße durch die Baugenossenschaft Gartenstadt viel Wohnraum im Zay geschaffen worden sei. Auf dem Sibyllengelände würde man dagegen aufgrund sehr beschränkter Flächengrößen nur wenige neue Wohneinheiten ermöglichen können.


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