Stadtkapelle: Trennung von Musikschule?

Gaggenau (tom) – Der Vorsitzende der Stadtkapelle Gaggenau, Ludwig Peter Mayer, will künftig die Mitglieder des Vereins in Eigenregie unterrichten.

Bislang kooperieren Stadtkapelle und Musikschule. Themenfoto: pr/Archiv

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Bislang kooperieren Stadtkapelle und Musikschule. Themenfoto: pr/Archiv

Ensemble ist französisch und bedeutet gemeinsam. Ein Ensemble ist aber auch eine eher kleinere musikalische Gruppierung, die zusammen übt und gegebenenfalls auftritt. So ist es mit der Stadtkapelle Gaggenau. Vor wenigen Jahren hätte man ihr kaum ein Fortbestehen zugetraut. In einer Kooperation mit der städtischen Schule für Musik und darstellende Kunst wurde 2015 ein Neuanfang gewagt. Nach engagiertem Auftakt droht nun ein disharmonisches Ende. Und um im Bild zu bleiben: Das, was im Namen des Vorstands der Stadtkapelle in dieser Woche per Mail verschickt wurde, das ist ein Paukenschlag.

Musikschulleiter Oliver Grote muss dies eher als Schlag ins Gesicht empfinden, was ihm da von Schülereltern zugetragen wurde. „Das hat nicht den geringsten Funken von Anstand“, berichtet er im BT-Gespräch. Am Montag, 13. Juli, erhielten Stadtkapellenmitglieder eine E-Mail des Vorstands. Eine Rückmeldung werde bereits zum 15. Juli erbeten.

Neues Kapitel ab Oktober?

Die Stadtkapelle hat in den vergangenen Jahren einiges an internen Turbulenzen erlebt. Nun, im hundertsten Jahr des Vereins, soll ein neues Kapitel aufgeschlagen werden. Zu den offensichtlich schon beschlossenen Änderungen nimmt Ludwig Peter Mayer Stellung. Der Baden-Badener ist seit Juni 2019 Vorsitzender der Stadtkapelle. Der Verein wolle ab Oktober selbst für die Ausbildung seiner Mitglieder sorgen, bestätigt er. Als Lehrer würden er fungieren und die neue Dirigentin, die Kubanerin Lilia Jones-Gonzales (Klarinette, Saxophon Querflöte).

Er selbst habe drei Jahre in Heidelberg eine private Musikschule betrieben, sei studierter Musiker (Trompete) und könne alle Blechblasinstrumente unterrichten, versichert Mayer. Er habe den Eindruck, dass das Spielniveau sowohl der erwachsenen als auch der jugendlichen Stadtkapellenmitglieder nicht ausreichend sei. 1.700 Euro monatlich sei seit Beginn der neuen Kooperation über die Kapelle an die Musikschule an Unterrichtsgebühren bezahlt worden, „aber nach fünf Jahren habe ich noch immer keine Musiker.“ Dabei müsse man davon ausgehen, dass ein Zögling üblicherweise nach etwa zwei Jahren schon in der Lage sei, bei Auftritten mitzuspielen.

Wer das Geschehen in und um die Stadtkapelle in den vergangenen fünf Jahren verfolgt hat, der muss allerdings zum Schluss kommen, dass von vorneherein unterschiedliche Interessen bestanden haben. Hier das Engagement des damaligen Vorsitzenden Helmut Hirth, einen Neuanfang hinzulegen – mit der Musikschule. Doch Hirths Ehrgeiz, innerhalb weniger Jahre wieder ein Orchester zu haben, das an alte, große Stadtkapellenzeiten anknüpfen konnte, stand zumindest für eine ganze Reihe von erwachsenen und jugendlichen Schülern eher im Hintergrund. Und nicht zu unrecht: „Gesteigerte Lebensfreude und Lebensqualität, Glück, Sozialkontakte, Fitbleiben und Gemeinschaftsgefühl“ sollten im Vordergrund stehen – so warben Hirth und der damalige Musikschulleiter, Achim Rheinschmidt Anfang 2015 um Interessenten. Das klingt eindeutig nach Lust und Laune und nicht nach Musiker-Leistungsabzeichen. Dessen ungeachtet haben sich seit der Kooperation eine Reihe von damaligen Anfängern ein anerkennenswertes musikalisches Niveau erarbeitet – durch den Unterricht an eben der Musikschule, die der Stadtkapellenvorsitzende so hart kritisiert.

Musikschulleiter Grote verweist darauf, dass an seiner Einrichtung auch andere Musikvereine aus der Gesamtstadt ihren Nachwuchs unterrichten lassen und sogar Erwachsene von auswärts kommen – mit Erfolg, wie man bei Konzerten erleben kann. Mit diesen Vereinen gebe es eine gute Zusammenarbeit – und dafür sei die Musikschule auch gegründet worden. Der Vorstand der Stadtkapelle hingegen schade nicht nur der Schule, sondern auch seinen eigenen Mitgliedern. Grote ärgert sich darüber hinaus, dass Mayer ausgerechnet mit Lilia Jones-Gonzales eine konkurrierende Ausbildungsstätte gründen wolle. Schließlich habe er, Grote, die Kubanerin an die Stadtkapelle vermittelt, nachdem Gerold Stefan die Leitung des Ensembles abgegeben hatte.

Ob sich der Konflikt auflösen lässt? Während Mayer versichert, er habe schon vor zwei Monaten um ein Gespräch gebeten, kritisiert Grote, dass er erst von Eltern von Stadtkapellenkindern Kenntnis von Mayers Ausstiegsplänen erhalten habe.

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Erstellt:
16. Juli 2020, 22:00 Uhr
Lesedauer:
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