Stadtkirche bekommt neue Rolle

Rastatt (ema) – Die evangelische Michaelsgemeinde wird voraussichtlich aufgelöst. Damit würde die Stadtkirche eine neue Rolle bekommen.

Eine „City-Kirche“ mit niederschwelligen Angeboten könnte die Michaelskirche werden. Foto: av

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Eine „City-Kirche“ mit niederschwelligen Angeboten könnte die Michaelskirche werden. Foto: av

Der Reformprozess der evangelischen Pfarreien in Rastatt ist coronabedingt ins Stocken geraten. Eigentlich sollte im April das Ergebnis vorliegen. Doch die Eckpfeiler scheinen trotzdem gesetzt zu sein, wie die Stadtkirchen-Pfarrerin Angelika Schulze im BT-Gespräch erklärt. Eine Fusion wird es nicht geben; vielmehr soll die Michaelsgemeinde so aufgeteilt werden, dass alle drei anderen Pfarreien eine ähnliche Größe umfassen.
Als Letzte der vier evangelischen Pfarreien in Rastatt lädt die Michaelsgemeinde an diesem Sonntag wieder zu einem Gottesdienst ein. Der Kirchgang dort soll auch künftig möglich sein, selbst wenn die Michaelsgemeinde aufgelöst sein wird, wie Angelika Schulze im BT-Gespräch erläutert.

Wie berichtet, hatte der Kirchengemeinderat einen Reformprozess angestoßen – zum einen, weil die Zahl der Protestanten innerhalb der letzten 15 Jahre von 11 000 auf 9 000 zurückgegangen ist, zum andern, weil die Gemeinde im vergangenen Jahr nicht mehr in der Lage war, Kandidaten für die Ältestenwahl (Gemeindeleitung) zu finden. Der Kirchengemeinderat setzte eine Arbeitsgruppe ein, die vom früheren Pfarrer der Johannesgemeinde, Reinhard Ploigt, sowie dem früheren Dekan Achim Zobel moderiert wurde. Wegen der coronabedingten Verzögerung ist jetzt zunächst noch mal eine Zusammenkunft im Juli vorgesehen, sagt Angelika Schulze.

Auflösung schreitet voran

Der Auflösungsprozess der Michaelsgemeinde ist derweil weiter vorangeschritten. Der alte Ältestenkreis sollte eigentlich die Amtsgeschäfte weiterführen, bis bei einer Wahlwiederholung Nachfolger gefunden sind. Doch eine solche Perspektive erfüllte sich nicht; das Gremium trat zum Jahreswechsel zurück. Deshalb haben vier Älteste aus der Johannes- und Petrusgemeinde (Brigitte Schneider, Marianne Götz, Elona Weßbecher und Petra Heinisch-Hildenbrand) sich bereit erklärt, kommissarisch in die Gemeindeleitung einzutreten, bis die Pfarrei aufgelöst ist. Das Quartett wird sich an diesem Sonntag um 10 Uhr im Gottesdienst vorstellen.

Das sich abzeichnende Konzept sieht vor, dass künftig an der Stadtkirche eine Sonderpfarrstelle angesiedelt sein wird, wie Angelika Schulze erläutert. Die Seelsorgerin würde weiter Gottesdienste halten und eventuell stärker in die Altenheim-Seelsorge einsteigen. Das Gotteshaus soll auch weiter für Konzerte dienen oder Ausstellungen. Denkbar wäre auch eine Öffnung als „City-Kirche“ mit einem niederschwelligen Angebot, um Passanten zu einem Besuch des Gebäudes zu motivieren. „Es ist noch nichts beschlossen“, verweist die Stadtkirchenpfarrerin auf noch ausstehende Gespräche.

Sie selbst wird noch drei Jahre bis zum Ruhestand seelsorgerlich aktiv sein, sagt Angelika Schulze. Dass dann die Pfarrstelle im Stadtzentrum gestrichen wird, glaubt Angelika Schulze nach derzeitigem Stand nicht. Dem Kirchenbezirk Baden-Baden/Rastatt stehe ein Pool an Pfarrstellen zu, demzufolge die Rastatter Stelle erhalten bleiben soll.


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