Stadtwald Baden-Baden hält sich gut

Baden-Baden (hez) – Am Donnerstag, 6. Mai, befasst sich der Forstausschuss mit dem Thema Stadtwald: Der Waldzustand ist bundesweit viel schlechter als in Baden-Baden. Das hat verschiedene Ursachen.

Das Brutmaterial für Borkenkäfer wird schnell aus dem Wald geholt. Foto: Stadtverwaltung/Archiv

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Das Brutmaterial für Borkenkäfer wird schnell aus dem Wald geholt. Foto: Stadtverwaltung/Archiv

Eine schlechte und eine etwas bessere Nachricht prägen den neuesten Bericht des städtischen Forstamtes zur Situation des Waldes. Während bundesweit die Waldschäden inzwischen ein bislang kaum gekanntes Ausmaß erreicht haben, ist die Lage im Baden-Badener Stadtwald „bei Weitem nicht so dramatisch“. Damit befasst sich am kommenden Donnerstag der Forstausschuss des Gemeinderats.

Bundesweit große Probleme

Dürrejahre, Borkenkäferbefall und auch Stürme haben in den Wäldern Deutschlands langfristig massive Schäden angerichtet. Die Ergebnisse des jüngsten bundesweiten Waldzustandsberichts vom Februar dieses Jahres gehören zu den schlechtesten seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1984. Inzwischen sind die meisten Bäume zumindest in einem gewissen Umfang geschädigt.

Die Dürreschäden schaffen auch große Probleme bei der Verkehrssicherung (fehlende Standsicherheit der Bäume, herunterfallende Äste). Manche größeren kommunalen Forstbetriebe führen fast nur noch Sicherungsmaßnahmen durch und müssen auf einen planmäßigen Holzeinschlag verzichten, heißt es im Bericht des Baden-Badener Forstamts.

Seit 2017 hat sich der Schadholzeinschlag verfünffacht, wobei besonders das Nadelholz (Fichten) betroffen ist. Die Forstwirtschaft steht derzeit bundesweit vor dem Problem, die immensen Schäden aufzuarbeiten und die Kahlflächen – auf insgesamt 277.000 Hektar sind die Bäume meist durch Borkenkäferbefall abgestorben – wieder aufzuforsten.

Auf dem richtigen Weg zum Dauerwald

Im Baden-Badener Stadtwald stellt sich die Situation nicht so schlimm dar wie in anderen Teilen Deutschlands. Dies hat verschiedene Ursachen. So ist die Niederschlagsmenge im Schwarzwald immer noch etwas höher als anderswo. Vor allem aber erweist es sich als sehr nützlich, dass man hier über einen naturnahen Mischwald aus verschiedenen Baumarten verfügt. Die notwendige Waldverjüngung funktioniert mit wenigen Ausnahmen aufgrund angepasster Wildbestände sehr gut. Der Stadtwald sei auf dem richtigen Weg, so sagen die hiesigen Forstexperten, hin zu einem „klimaresilienten“ – also widerstandsfähigen – Dauerwald.

Trotzdem leidet natürlich auch der Stadtwald unter Dürre und Käferbefall. In den Jahren 2018 bis 2020 hat sich der Schadholzeinschlag mehr als versiebenfacht. Besonders viel war es 2019 vor allem durch den Borkenkäferbefall. Im vergangenen Jahr aber ging die Schadholzmenge im Stadtwald ganz entgegen dem Bundestrend zurück, was besonders mit einem geringeren Anfall von „Käferholz“ zusammenhängt. Das Forstamt sieht hier einen Erfolg seines Borkenkäfermanagements.

Gestiegene Preise lassen hoffen

So gelang es, sämtliche von Sturm und Schnee geworfene und gebrochene Nadelhölzer bis zum ersten „Schwärmflug“ des Käfers aufzuarbeiten und zu entrinden oder abzufahren. Damit wurde dem Insekt bruttaugliches Material als Basis für eine weitere Massenvermehrung entzogen. Außerdem ermöglichten es regelmäßige Kontrollen, einen Käferbefall früh zu erkennen und zu bekämpfen.

Die Situation am Holzmarkt war zuletzt sehr schwierig. Besonders das Überangebot an Fichtenholz hat in den vergangenen Jahren zu einem Preisverfall speziell auf dem Nadelholzmarkt geführt. Doch dieses „Käferholz“ ist oft minderwertig und findet praktisch keinen Absatz mehr. Auf der anderen Seite ist es inzwischen zu einer gesteigerten Nachfrage nach Schnittholz gekommen, was sich in jüngster Zeit auch bei den Preisen bemerkbar macht.

Das Forstamt sieht hierfür vor allem zwei Ursachen. Viele Haushalte in Deutschland investierten ihr Geld in den Ausbau und die Renovierung ihrer Häuser. Stark angewachsen ist zudem der Export von Schnittholz in die USA, denn auch dort wird kräftig gebaut, während die üblichen Holzlieferungen aus Kanada besonders wegen des Borkenkäferproblems zusammengebrochen sind.

Waldbesitzer profitieren vom Preis noch nicht

Über die gestiegenen Schnittholzpreise freuten sich die Sägewerke. Bei den Waldbesitzern sind sie allerdings noch nicht angekommen, stellt das kurstädtische Forstamt fest. Doch man erwartet, dass auch für Frischholz wieder mehr bezahlt wird. Ob die Tendenz anhält und auch die waldbesitzenden Kommunen wieder höhere Einnahmen erwarten können, hängt auch von der Witterung (Niederschläge) und dem Borkenkäferbefall in der nächsten Zeit ab.

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Erstellt:
2. Mai 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 52sec

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