Stadtwald-Bilanz: Bühl schreibt Minus

Bühl (fvo) – Bühl schreibt eine Million Euro Minus bei der Stadtwald-Bilanz 2020. Grund ist nicht zuletzt, dass der Holzverkauf ob schlechten Preisen gedrosselt wurde und wichtige Erlöse fehlten.

„Gold wert“: Die Anschaffung der Mulchraupe hat sich für Bühl schon deutlich rentiert. Foto: Claudia Nieberle

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„Gold wert“: Die Anschaffung der Mulchraupe hat sich für Bühl schon deutlich rentiert. Foto: Claudia Nieberle

Das Defizit ist nennenswert, aber erklärbar: Mit einem Minus von 1.035.257 Euro fiel der Jahresabschluss 2020 im Stadtwald Bühl deutlicher schlechter als geplant (603.000 Euro) aus. Grund war nicht zuletzt der schlechte Holzpreis teils unter Aufarbeitungskosten, weshalb der planmäßige Einschlag in den Fichten-Tannen-Beständen eingestellt wurde. Der Holzeinschlag betrug somit nicht mal zwei Drittel des Plans (16.000 Festmeter) – ein Minus von 42 Prozent.
„Die Zahl ist erst mal etwas erschreckend“, gesteht Forstbezirksleiter Clemens Erbacher im jüngsten Klima- und Umweltausschuss, allerdings wolle man das wertvolle Holz „nicht zu Billigpreisen verschleudern“. Zwar gab es Kompensation durch ein Plus bei der Douglasie, die nicht betroffen, aber gut nachgefragt sei. Doch wenn nur 45 Prozent des Holzerlöses erzielt wird, fehlen eben 500.000 Euro in der Kasse, von daher sei das Ergebnis erklärbar. Umso mehr, wenn man die Leistung für die Bevölkerung einbezieht – Stichwort Erholung, Natur- und Klimaschutz sowie CO2-Kompensation, die bei 24.000 Tonnen pro Jahr (Gegenwert 400.000 Euro) liege. Laut wissenschaftlicher Hochrechnung betrage die Ökosystemsleistung im Bühler Wald 1,2 Millionen Euro. „Der Wald leistet mehr, als es der Holzeinschlag vermittelt“, erinnert Erbacher an den Besucheransturm, die das Terrain als Fitnessstudio und Flaniermeile nutzten.

Nicht zuletzt war das Jahr erneut von Sturm, Spätfrost und Trockenheit geprägt. Immerhin kam man bei Orkan „Sabine“ Mitte Februar glimpflich (rund 1.500 Festmeter) und ohne flächige Schäden davon. Dennoch standen am Ende Erträge in Höhe von 628.000 Euro (geplant 1,1 Mio Euro) Aufwendungen in Höhe von 1,66 Millionen Euro (geplant 1,7) gegenüber. Andererseits wurde durch naturnahe Bewirtschaftung nicht nur der Erholungswert des Waldes verbessert, sondern durch wertgebende Strukturen wie Alt- und Totholz Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen verbessert.

„Wirkung des Waldes nicht hoch genug einzuschätzen“

Diese Effekte sehen auch die Ratsmitglieder. Die Bilanz könne man nicht nur nicht nur über Holzverkauf definieren, betont Margret Burget-Behm (CDU) und konstatiert „eigentlich 200.000 Euro Plus“. Den Wert für Klima, Erholung, Pädagogik sollte man mehr honorieren, am besten in barer Münze. Auch für OB Hubert Schnurr könne man die „Wohlfahrtswirkungen des Waldes nicht hoch genug einschätzen“, sieht er ein virtuelles Plus. Peter Hirn (SPD) sieht in der Erholungsfunktion etwa beim Achtsamkeitspfad eine „absolute Bereicherung“, was im Lockdown weidlich genutzt wurde. Und Franz Fallert (FW) ist der Ansicht, „der Wald leistet mehr“, ob als Erholungsort oder Wasserspeicher sei er „unbezahlbar für uns“. Es sei richtig, bei Preisen im Keller entsprechend zu reagieren, wenngleich, wie Ulrich Nagel (SPD) betont, das Defizit schon schwer wiege.

Erbacher verwies auf die Zwänge des Weltmarkts. Auch könne man „steigende Kosten nicht einfach weitergeben“. Er regte an, Waldeigentümer für die Klimaschutzleistung in irgendeiner Form zu entschädigen. „Wer CO2 aus Luft holt, sollte honoriert werden“, meint Erbacher. Walderhaltung muss unterstützt werden. Dank intensivem Monitoring und rascher Aufarbeitung sei der Käferholzanfall gegen den Landestrend zurückgegangen (841 Festmeter). „Das gelang gut“, so Erbacher. Auch wenn durch die hier gebundenen Ressourcen für die Jungbestandspflege weniger geleistet wurde (statt 55 Hektar Pflege nur 12).

Hinzukam ein Mehraufwand bei den Kulturen durch erhöhtes Pflanzprogramm und für Kultursicherung gegen Wildwuchs. Hier entstand eine Kostensteigerung von 22 Prozent (93.000 Euro). Pflanzungen gab es vor allem im Auewald nach dem Eschentriebsterben, insgesamt wurden 13.600 Bäume gesetzt, vor allem Stieleichen. Hinzu kam ein Mehraufwand für Verkehrssicherungspflicht und Umsetzung des Wege- und Grabenprogramms (Omerskopf/ Heidekopfweg), dies schlug mit 174.000 Euro statt 94.000 zu Buche. Die Breitbandkabelverlegung im Falkenfelsenweg nebst Biotoppflege oder der Aussichtspunkt am Bühler Stein waren weitere Posten. Positiv immerhin, dass an Fördergeldern für Extremwetter 100.000 Euro mehr als geplant in die Kasse spülten. Allerdings stehen dem steigende Verwaltungskosten von 588.514 Euro gegenüber.

Mulchraupe deutliche Erleichterung

Bewährt hat sich derweil die Anschaffung der Mulchraupe „Moritz“ zur Kultursicherung, wie Erbacher auf Anfrage von Ludwig Löschner (GAL) kundtat. Sie habe sich gerade im niederschlagsreichen Jahr 2021 als „deutliche Erleichterung“ erwiesen, zumal man mehrfach ins Gelände musste.

Eine Prognose bei den Holzpreisen sei aktuell schwer, eher Achterbahnfahrt. Während der Markt durch Schadholz lange überschwemmt war, hat sich der Engpass beim Schnittholz im Frühjahr und Sommer („Da war alles wie leergefegt“) durch starken Export nach USA und China bei rasantem Preisanstieg für Rundholz (bis zu 125 Euro pro Festmeter im Leitsortiment) wieder gelegt. Tendenz sei fallend, die Sägewerke besser bestückt. „Im Moment warten alle ab“, so Erbacher.

Für Diskussion sorgte indes die Forstwirtausbildung, die mit 193.000 Euro minus um 46.000 Euro teurer wurde. Allerdings brach Revierleiter Martin Damm eine Lanze für die Forstwirte in spe. Zum einen habe man „eine gesellschaftliche Aufgabe zu erfüllen“, als eine der wenigen Kommunen, die noch ausbilden. Zum anderen „schaffen die richtig was weg“. Ziel sei schon, die anstehende Wachablösung mit Leuten aus eigenem Stall zu besetzen. Mit Blick auf den Altersschnitt sei man froh um Nachwuchs. Ulrich Nagel (SPD) brachte eine Art Ausgleichsabgabe ähnlich wie im Sport ins Gespräch. Denn Fakt ist schon, wie Damm einräumte: Dank Fachkräftemangel kommen zwar alle unter, aber „die Nachbargemeinden bedienen sich halt schon bei uns“.

Damm verwies zudem darauf, dass es immer noch finanzielle Lothar-Nachwehen gebe. So fehlten im Vergleich zu vor „Lothar“ nach wie vor Holzvorräte, die man jetzt verwerten könnte.

Ihr Autor

BT-Redakteur Franz Vollmer

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Erstellt:
27. November 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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