Stadtwald mit „therapeutischer Funktion“

Gernsbach (stj) – Beim Waldbericht im Gernsbacher Gemeinderat unterstrich Forstbezirksleiter Markus Krebs die Bedeutung der „extrem wichtigen Ressource in Krisenzeiten“.

Auf 3,3 Hektar wurde 2020 im Revier von Thomas Schlaich (Reichental) Habitatpflege für das vom Aussterben bedrohte Auerhuhn betrieben. Foto: Landratsamt Rastatt

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Auf 3,3 Hektar wurde 2020 im Revier von Thomas Schlaich (Reichental) Habitatpflege für das vom Aussterben bedrohte Auerhuhn betrieben. Foto: Landratsamt Rastatt

Der Wald kennt keinen Shutdown, auch in Corona-Zeiten nicht. Forstbezirksleiter Markus Krebs betonte in seinem Bericht die „therapeutische Funktion“ und die „extrem wichtige Ressource“ auch (und gerade) in Krisenzeiten. Das zeige sich im großen Betrieb, der dieses Jahr im 2.635 Hektar großen Gernsbacher Stadtwald herrsche. „Ich denke, wir haben ihn wieder mehr schätzen gelernt“, analysierte Krebs im Gemeinderat und konnte die Kommunalpolitiker beruhigen: „Durch die Vielfalt der Baumarten und die Mischungsverhältnisse sieht die Situation deutlich besser aus als in weiten Teilen Europas.“

Was für den Zustand gelte, gilt aktuell aber nicht für die Finanzen. Spülte der Forst in den vergangenen Jahren meist sehr viel Geld in die Kasse der Stadt, prognostiziert Krebs für 2020 eine schwarze Null (siehe Grafik). Das sind noch einmal rund 61.000 Euro weniger, als in der ohnehin schon vorsichtigen Kalkulation.

„Das hat man in Gernsbach lange nicht gesehen“, blickte der Experte auf das finanzielle Ergebnis von 35.500 Euro voraus, das man für 2021 in den Büchern stehen hat. Natürlich verbunden mit all den Ungewissheiten, die den Markt derzeit so stark beeinflussen. Allen voran die Holzpreise, die weltweit wegen des Überangebots auf einem extrem niedrigen Niveau liegen. Wegen der überregional großen Krise lohne es sich größtenteils gar nicht erst, „das gute Gernsbacher Holz“ bei diesen Konditionen auf den Markt zu bringen, erläuterte Krebs. Zurückhaltung beim Einschlag sei also das Gebot der Stunde.

Bezüglich des Naturalvollzugs 2020 vermeldete der Forstbezirksleiter für den Stadtwald Gernsbach folgende Zahlen:

- Holznutzung: 11.000 Festmeter.
- Jungbestandspflege auf 25 Hektar.
- Auf 0,4 Hektar wurden Atlaszedern gepflanzt.
- Auf 3,3 Hektar erfolgte Habitatpflege für das Auerhuhn.
- Verbissschutz wurde auf 6,5 Hektar betrieben.
- Ästung: 92 Stück (hochwertiges Holz sollte möglichst keine Äste enthalten, die Wertästung ist ein wichtiges Mittel, um solches Holz zu erzeugen).
- Bau von Maschinenwegen: null.

„Der Klimawandel ist im Murgtal angekommen“

Auch wenn der städtische Wald noch relativ gut dastehe, „ist der Klimawandel im Murgtal angekommen“, verwies Krebs auf einige Schadbilder und zeigte beispielhaft Bilder absterbender Fichten und Buchen im Flachsland (Reichental). Trockene Sommer, Borkenkäfer und Stürme sorgen dafür, dass aktuell knapp die Hälfte (46 Prozent) der Waldfläche Baden-Württembergs als deutlich geschädigt eingestuft werde. Ein derart hohes Schadniveau sei im Land laut Krebs seit Beginn der Waldzustandserhebung im Jahr 1985 noch nicht festgestellt worden. Neben dem Umgang mit diesen Einflüssen der Natur gab es im Jahr 2020 weitere besondere Herausforderungen für die Gernsbacher Revierleiter Uwe Meyer (Gernsbach), Thomas Schlaich (Lautenbach-Reichental) und Dietmar Wetzel (Weisenbach).

Dazu zählen die Daueraufgaben Verkehrssicherung entlang Straßen und Bahnlinie sowie das Hacken und Umlagern von Holz. Die Logistik wird 2020 insbesondere durch die lange Sperrung der L76b zwischen Reichental mund Kaltenbronn erschwert.

Nicht zuletzt zeige sich durch die Corona-Pandemie die besondere Bedeutung der Erholungsfunktion des Waldes, der man mit der Arbeit entsprechend Rechnung trage. Krebs verwies darauf, dass der Wald systemrelevant und immer geöffnet sei. Er diene als Ort der Ruhe, wo Social Distancing meist kein Problem darstelle, aber auch für Sport und Gesundheit sowie der Bewältigung psychischer Probleme.

Für 2021 planen die Forstleute mit diesen Zahlen:

- Holznutzung: 14.000 Festmeter.

- Jungbestandspflege: 26,8 Hektar.

- Pflanzung: 0,1 Hektar Baumhasel (für die Erweiterung des Baumartenspektrums).

- Keine Habitatpflege für das Auerhuhn.

- Verbissschutz: 10,9 Hektar.

- Ästung: 480 Stück.

- Bau von 1.000 Laufmeter unbefestigte Maschinenwege.


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