Stadtwerke Baden-Baden erhöhen Anteil der Photovoltaik

Baden-Baden (BNN) – Ab Juli wird der Strompreis in Baden-Baden sinken. Künftig wollen die Stadtwerke Baden-Baden mehr Sonnen-Energie in der Kurstadt nutzen.

Künftig mehr Sonnen-Energie: Die Stadtwerke wollen mehr Photovoltaik-Flächen und haben dafür den Stadtkreis Baden-Baden analysieren lassen. Symbolfoto: Marijan Murat/dpa

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Künftig mehr Sonnen-Energie: Die Stadtwerke wollen mehr Photovoltaik-Flächen und haben dafür den Stadtkreis Baden-Baden analysieren lassen. Symbolfoto: Marijan Murat/dpa

Für Strom-Kunden der Stadtwerke Baden-Baden gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht – die gute: Durch den Wegfall der bundesweiten EEG-Umlage, die den Ausbau Erneuerbarer Energien fördern soll, sinkt der Strompreis ab Juli um rund 3,7 Cent pro Kilowattstunde.

Zudem bleiben die Strompreise der Stadtwerke trotz der aktuell angespannten Lage auf den Märkten mit rasant steigenden Lieferkosten voraussichtlich bis zum Ende des Jahres stabil. Der Grund dafür sind langfristige Verträge, die die Stadtwerke über einen Zeitraum von 24 Monaten im Voraus abgeschlossen haben, informiert Stadtwerke-Chef Helmut Oehler am Rande der jüngsten Sitzung des Betriebsausschusses. „Unsere Kunden leben dadurch auf einer Insel der Glückseligen. Wir sind noch sehr günstig“, sagt der Geschäftsführer. Seine Mitarbeiter hätten einen sehr guten Job gemacht.

Strom wird Anfang 2023 teurer

Dieses Preisniveau wird aber nicht so bleiben. Deshalb kommt Oehler mit der schlechten Nachricht gleich hinterher: Der Strom wird Anfang des kommenden Jahres deutlich teurer. Die Kunden müssen sich auf ein Plus von mindestens 30 Prozent einstellen. Beim Gas spricht Oehler zufolge vieles dafür, dass die Preise noch im laufenden Jahr steigen werden. Das könnte relativ schnell passieren, wenn es auf dem Gas-Markt zu Engpässen kommen wird.

Um die Strompreise künftig stabiler halten zu können, wollen die Stadtwerke sich langfristig unabhängiger von den internationalen Märkten machen. Ein Schritt auf diesem Weg: die Photovoltaik ausbauen. Nach Auskunft von Martin Weßbecher, Abteilungsleiter Energiedienstleistungen und Öffentlichkeitsarbeit, hat sie im Strommix bislang einen geringen Anteil. Oehler zufolge wirkt sich mehr Photovoltaik allerdings nicht unmittelbar positiv auf die Geldbeutel der Kunden aus, da zunächst größere Investitionen anstünden.

Ein großes Projekt in diesem Zusammenhang ist die Installation einer Photovoltaik-Anlage auf dem Kühlsee bei Sandweier. Dafür sind zwischen 1,2 und 1,4 Millionen Euro veranschlagt. Weßbecher zufolge ist vorgesehen, etwa acht Prozent der Seefläche mit schwimmenden Photovoltaik-Modulen zu bedecken.

Die Anlage soll eine Spitzenleistung von insgesamt 3,9 Megawatt erbringen. Die an den See angrenzende Firma EKS (Eugen Kühl und Söhne GmbH) soll etwa 1,2 Megawatt abnehmen, der Rest geht an die Firma Kronimus. Überschüssiger Strom soll ins öffentliche Netz fließen.

Größere Potenziale auf Sinzheimer Gemarkung

Die Stadtwerke wollen diese Photovoltaik-Anlage gemeinsam mit der Firma EKS betreiben. Der Betriebsausschuss stimmte zu, eine dafür erforderliche Gesellschaft zu gründen. EKS soll einen Anteil zwischen 25 und 49,9 Prozent haben.

Der Pachtvertrag für die benötigte Seefläche ist bereits geschlossen. Oehler zufolge bleibt er nur dann gültig, wenn die Anlage tatsächlich entsteht. Nach Auskunft von Bürgermeister Alexander Uhlig (parteilos) bearbeitet das Landratsamt Rastatt bereits das Genehmigungsverfahren. Baubeginn könnte im Sommer 2023 sein.

Welche Flächen eignen sich noch für größere Photovoltaik-Anlagen? Um das herauszufinden, haben die Stadtwerke eine Firma beauftragt, das Potenzial zu ermitteln. Demnach sind vor allem Seitenrandstreifen, Konversionsflächen und benachteiligte Gebiete geeignet. Weßbecher zufolge kommen im Stadtgebiet vor allem Flächen auf beiden Seiten der Autobahn in Höhe des Kühlsees bei Sandweier infrage.

Mit Restriktionen seien auch Natura-2000- und Landschaftsschutz-Gebiete ebenfalls im Raum Sandweier geeignet. Die Analyse ermittelte größere Potenziale für Flächen auf Sinzheimer Gemarkung. Bürgermeister Uhlig kündigte an, mit seinem Kollegen Erik Ernst der Nachbargemeinde Gespräche über mögliche Kooperationen zu führen.

Zum Thema

Um den Ausbau von Photovoltaik zu fördern, gibt es auch das „Förderprogramm Photovoltaik-Anlage PV plus“. Die Stadtwerke Baden-Baden belohnen den Kauf oder das Pacht-Modell einer Photovoltaik-Anlage mit einem Zuschuss von 1.000 Euro. Das Programm bietet neben Modulen als Plus für den Kunden ein Energie-Managementsystem, um die Erträge und Verbräuche im Blick zu haben. Ein weiterer Punkt ist der optionale Speicher, der den Autarkiegrad steigern soll.

Die Stadtwerke erstellen ein individuelles Angebot. Kunden müssen die Förderung der Photovoltaik-Anlage spätestens innerhalb von drei Monaten nach Inbetriebnahme beantragen. Nach Prüfung und Genehmigung der Förderung erhält der Kunde einen entsprechenden Liefervertrag. Die Stadtwerke verrechnen den Zuschuss von 1.000 Euro über einen Zeitraum von vier Jahren gleichmäßig als Guthaben mit der jährlichen Stromabrechnung. Weitere Infos erhalten Interessierte unter (0 72 21) 27 75 51.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Michael Rudolphi

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Erstellt:
6. Mai 2022, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 16sec

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