Stadtwerke begraben Windkraftpläne

Rastatt (ema) – Die Stadtwerke Rastatt verabschieden sich von ihren Ambitionen bei der Nutzung von Windkraft. Das Tochterunternehmen prowind wird abgewickelt.

Die Stadtwerke Rastatt verabschieden sich von ihrem Geschäftsfeld Windkraft. Geschäftsführer Olaf Kaspryk setzt jetzt lieber auf Projekte vor Ort. Foto: av

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Die Stadtwerke Rastatt verabschieden sich von ihrem Geschäftsfeld Windkraft. Geschäftsführer Olaf Kaspryk setzt jetzt lieber auf Projekte vor Ort. Foto: av

Sieben Jahre nach ihrem Einstieg in die Windkrafttechnik werden die Stadtwerke Rastatt dieses Kapitel der Energieerzeugung schließen. Sichtbarer Ausdruck der Zäsur ist der Abriss eines der ältesten Windräder im Nordschwarzwald, an dem der Rastatter Energieversorger beteiligt war. In Sachen erneuerbare Energien wollen sich die Stadtwerke mehr vor Ort orientieren.

Es war ein Begräbnis auf Raten, nachdem die Stadtwerke im Jahr 2014 noch mit großen Plänen auf der Langenbrander Höhe im Landkreis Calw geliebäugelt hatten. Mit einem Teil des Erlöses aus dem Verkauf der EnBW-Aktien – insgesamt knapp sechs Millionen Euro – stieg man vor sieben Jahren für 120 000 Euro und damit zu 80 Prozent bei der Prowind GmbH & Co. KG ein – gemäß einem Beschluss des Rastatter Gemeinderats, der gefordert hatte, dass der Aktienerlös für ein ökologisches Projekt in der Region investiert wird. Die Pläne, für einen zweistelligen Millionenbetrag bei Schömberg einen Windpark zu errichten, zerschlugen sich jedoch, weil man bei einer Ausschreibung dem Konkurrenten BayWa unterlag. Jetzt sollen die Millionen aus den EnBW-Aktien ins Kombibad für eine nachhaltige Technik gesteckt werden.

Die 750 kW-Windkraftanlage der Prowind war laut den Stadtwerken eine der ersten Anlagen der Region in privater Hand und Vorreiter der Energiewende. Während ihrer Laufzeit seit 1999 wurden rund zwölf Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt und 7.000 Tonnen CO2 eingespart, das entspricht dem Jahresverbrauch von etwa 4.000 Haushalten.

Stopp durch Schwelbrand

Im Frühjahr vergangenen Jahres läutete ein Feuer das Ende des Windrads ein. Laut einem Gutachten hatte ein technischer Defekt einen Schwelbrand im Inneren der Anlage verursachte, der die Technik weitestgehend zerstörte. Dass man die Anlage nicht wieder flott machte, hatte nicht nur wirtschaftliche Gründe, wie Stadtwerke-Chef Olaf Kaspryk im BT-Gespräch erläutert – zumal sich die staatliche Förderung mit dem Ende des vergangenen Jahres deutlich verschlechtert hatte. Die Entscheidung, das Windrad vor wenigen Tagen abbauen zu lassen, steht auch im Zusammenhang mit dem künftigen Windpark in dem Bereich. Prowind und damit die Stadtwerke hätten diesen gerne selbst verwirklicht. Doch bei der Ausschreibung vor einigen Jahren unterlag man dem Konkurrenten BayWa. Olaf Kaspryk kritisiert heute noch, dass das damalige Verfahren intransparent und das Ergebnis nicht nachvollziehbar gewesen sei. Die zunächst erwogenen rechtlichen Schritte ließen die Stadtwerke dann doch bleiben. Mit der BayWa, die jetzt auf der Langenbrander Höhe sieben Windkraftanlagen bauen will, hatte sich die Prowind dann darauf verständigt, dass das alte Windrad weicht und dem neuen Windpark nicht mehr im Wege steht.

Mit dem Kompromiss habe man sich am Ende wirtschaftlich schadlos halten können, sagt Kaspryk. Weil sie ihren Geschäftszweck nicht mehr erfüllen kann, soll die Prowind nun voraussichtlich in diesem Jahr abgewickelt werden. Denn neue Windkraftpläne wolle man nicht verfolgen, betont der Stadtwerke-Chef.

Kaspryk schweben vielmehr Projekte im Raum Rastatt vor. Dazu zählen unter anderem eine weitere Initiative, um Dächer mit Fotovoltaikanlagen auszustatten, sowie Vorhaben im Bereich Wärme/Abwärmenutzung und Energiespeicherung.


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