Stadtwerke haben Grundwasser im Rheintal verstärkt im Blick

Bühl (BNN) – Der Klimawandel macht den Stadtwerken Bühl zu schaffen. Die Quellen im Höhengebiet geben weniger Trinkwasser. Jetzt soll das Grundwasser im Rheintal stärker angezapft werden.

Das Quellwasser wird knapp: Stadtwerke-Geschäftsführer Reiner Liebich, OB Hubert Schnurr und Stadtwerke-Geschäftsführer Rüdiger Höche (von links) kontrollierten im Sommer 2018 den Hochbehälter Rappenberg.  Foto: Ulrich Coenen

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Das Quellwasser wird knapp: Stadtwerke-Geschäftsführer Reiner Liebich, OB Hubert Schnurr und Stadtwerke-Geschäftsführer Rüdiger Höche (von links) kontrollierten im Sommer 2018 den Hochbehälter Rappenberg. Foto: Ulrich Coenen

Rüdiger Höche ist nicht traurig, dass die Schönwetterperiode endet. Der Geschäftsführer der Stadtwerke Bühl und des Zweckverbands Wasserversorgung Bühl und Umgebung hat immer noch das Horrorjahr 2018 vor Augen, als die Quellen im Schwarzwald im Sommer kaum noch Wasser gaben. Im Juli 2018 wurde mit einer Schüttung von nur noch 30.400 Kubikmeter in den elf Quellen der Stadt ein historischer Tiefstand erreicht.
Nur noch sieben Prozent des täglichen Trinkwasserbedarfs im Bereich der Stadtwerke konnten damit gedeckt werden. Nach dem nassen Winter sieht die aktuelle Lage trotz der wochenlangen regenlosen Zeit inzwischen wieder deutlich entspannter aus. „Wenn der Sommer wieder extrem trocken wird, werden wir allerdings erneut Einbußen hinnehmen müssen“,warnt Höche.

Die Statistik spricht eine klare Sprache. Im schlechten Jahr 2018 sank die Schüttung der Quellen auf nur noch 500.000 Kubikmeter. Im vergangenen Jahr waren es wieder 790.000 Kubikmeter. „Wir haben also deutlich aufgeholt“, stellt Höche fest. Von den besten Zeiten sind die Bühler Quellen allerdings weit entfernt. Im Jahr 1998 gaben sie fast 900.000 Kubikmeter Wasser. Im sehr trockenen Sommer 2003 sank dieser Wert dann auf 690.000 Kubikmeter.

Weil diese Zahlen sehr abstrakt sind, gibt Höche Beispiele aus der Praxis. „Der jährliche Verbrauch pro Einwohner liegt bei 50 Kubikmeter Trinkwasser“, sagt er. 1,7 Millionen Kubikmeter verbrauchen die knapp 30.000 Menschen in Bühl in jedem Jahr.

Die elf städtischen Quellen im Höhengebiet werden vor Ort gefasst und in zwei Leitungen zur Aufbereitungsanlage Immenstein geführt. Von dort aus wird der Stadtteil Neusatz komplett mit Quellwasser versorgt. Was im Schwarzwalddorf nicht benötigt wird, fließt zu den Hochbehältern Rappenberg oberhalb von Kappelwindeck und Hollebach hinter dem Bühler Krankenhaus. Dort werden Quellwasser und Grundwasser gemischt und an die Verbraucher verteilt.

Während die Quellen sich im Eigentum der Stadt Bühl befinden, stehen die Brunnen, die Grundwasser fördern, in der Verantwortung des Zweckverbands. Zu dem gehören auch Bühlertal und Ottersweier. Insgesamt wohnen in diesem Bereich 45.000 Menschen. Zusätzlich müssen 1.200 Unternehmen mit 25.000 Arbeitsplätzen versorgt werden.

PFC-Problematik nur im Hintergrund

Das Grundwasser wird im Pumpwerk Landmatt mit einer Förderleistung von 150 Liter pro Sekunde und dem Pumpwerk Balzhofen mit einer Förderleistung von 50 Liter pro Sekunde gewonnen. „Quellwasser bietet wegen seiner geringeren Härte einen deutlich höheren Komfortparameter als das Grundwasser“, räumt Höche ein.

Das knappe Quellwasser hatte in den Sommermonaten Folgen. Das Trinkwasser wurde durch den vermehrten Zusatz des Grundwassers immer härter und stieg auf bis zu 19 Grad Deutsche Härte. Der Zweckverband schritt ein und baute die Enthärtungsanlage Landmatt, die 2011 in Betrieb ging. Seitdem hat das Bühler Trinkwasser immer acht Grad Deutsche Härte.

PFC-Problem bei mehr Rückgriff auf Grundwasser

Doch der vermehrte Rückgriff aufs Grundwasser ist mit einem weiteren Problem verbunden, nämlich PFC. „Es gibt keine Belastung im Wasserwerk Landmatt“, konstatiert Höche. „Im Wasserwerk Balzhofen ist eine Hintergrundbelastung feststellbar. Sie ist messbar, aber liegt weit unter den Werten, die uns Probleme bereiten. Wir gehen damit auch offen um und veröffentlichen die Zahlen auf unserer Homepage.“ Höche rechnet nicht damit, dass der Zweckverband ein PFC-Problem bekommt. „Wenn es trotzdem eintritt, müssen wir schnell reagieren“, sagt er. Die Technik, PFC zu weiten Teilen aus dem Wasser zu filtern, sei bekannt.

Der Oberrhein ist mit rund 45 Milliarden Kubikmeter Wasser einer der bedeutendsten Trinkwasserspeicher Europas. Höche berichtete allerdings 2021 im Bühler Gemeinderat, dass der Grundwasserpegel südlich von Bühl jährlich um 26 Zentimeter falle. Der Zweckverband hat die Probleme des Klimawandels in einem Strukturgutachten aufgegriffen. „Wir müssen unsere Ressourcen erweitern“, meint Höche. Er will mehr Grundwasser fördern, dafür braucht er allerdings die Genehmigung des Landratsamtes Rastatt, das sich fachlich auf die Kompetenz des Landesamtes für Geologie, Rohstoffe und Bergbau in Freiburg abstützt. „Das ist ein öffentliches Verwaltungsverfahren“, sagt er. „Wir wollen die Leistung des Brunnens erhöhen.“

Zum Thema

Trinkwasser: Der Grundwasserspeicher im Oberrheingraben wird aus dem alpinen Raum gespeist. Rüdiger Höche, der Geschäftsführer der Bühler Stadtwerke, hält ihn für sicher. „Das gilt auch für die nächsten zwei bis drei Generationen“, sagt er. Durch den Klimawandel könne es aber auf Dauer zu Problemen kommen. Nach dem nassen Winter sieht es aktuell mit dem Grundwasserstand gut aus.

Zukunft: Für Rüdiger Höche ist klar: „Der sparsame Umgang mit unseren Ressourcen ist wichtig. Das gilt auch, obwohl das Jahr im Hinblick auf die Wasserversorgung relativ entspannt begonnen hat.“ (uc)

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Ulrich Coenen

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Erstellt:
1. April 2022, 08:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 27sec

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