Stadtwerke tief in den roten Zahlen

Baden-Baden (hez) – Ein hoher Kreditbedarf aufgrund roter Zahlen prägt die Wirtschaftspläne 2022 und 2023 der Stadtwerke, die am Montag vom Gemeinderat gebilligt wurden.

Arbeiten stehen an: Sanierungsinvestitionen sind unter anderem nötig in der Baden-Badener Vincentigarage. Foto: Henning Zorn

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Arbeiten stehen an: Sanierungsinvestitionen sind unter anderem nötig in der Baden-Badener Vincentigarage. Foto: Henning Zorn

Von einem Gewinn in allerdings überschaubarer Größe geht man in diesen beiden Jahren bei der Parkgaragengesellschaft als Stadtwerke-Tochter aus – auch für deren Wirtschaftsplanung gab es grünes Licht.

Der Erfolgsplan der Stadtwerke weist für 2022 einen Jahresfehlbetrag von gut 7,1 Millionen Euro aus. Für größere Gewinne sorgen die Sparten Strom- (rund 4 Millionen Euro) und Gasversorgung (etwa 3,3 Millionen). Bei der Wasserversorgung hingegen erwartet man ein kleines Minus von 7.000 Euro. Die Abwasserentsorgung umfasst die Gemeinschaftskläranlage und Kanäle sowie Pumpwerke. Sie schließt das Planjahr 2022 mit einem Spartengewinn von rund 115.000 Euro ab.

Die Abfallentsorgung besteht aus der Müllabfuhr, der Deponie Tiefloch, der Erdaushubannahmestelle Niederwald, der Grünschnittanlage sowie der Biomasseverwertung. Hier wird ein Verlust von etwa 3,2 Millionen Euro erwartet, der über die Gebührenkalkulation ausgeglichen wird. Der Betrieb der städtischen Frei- und Hallenbäder bringt einen Planverlust von etwa 2,7 Millionen Euro. Hoch ist Jahr für Jahr das Minus der Verkehrsbetriebe, das sich für das laufende Jahr auf 7,75 Millionen Euro für den Busbereich summieren soll. Hinzu kommen noch die Verluste des Bergbahnbetriebs von 335.000 Euro. Letztere resultieren vor allem aus den Abschreibungen der Investitionen der Jahre 2018 bis 2020.

Hohe Investitionen in Breitbandausbau

Für das Jahr 2023 gehen die Stadtwerke von einer weiteren Verschlechterung der finanziellen Lage aus. So wird ein Gesamtverlust von fast neun Millionen Euro im Wirtschaftsplan prognostiziert. Die Zahlen der meisten Sparten sind in der Planung von der Größenordnung ähnlich wie 2022, doch dies gilt nicht für die Abfallentsorgung. Hier wird nach dem kleinen Plus im laufenden Jahr für 2023 ein Verlust von mehr als 2,5 Millionen Euro befürchtet. Bei den 2022 vorgesehenen Investitionen von 32,7 Millionen Euro entfällt mit etwa 4,7 Millionen Euro der größte Anteil auf den Breitbandausbau. Im Rahmen der Abwasserentsorgung stehen Investitionen von 3,5 Millionen Euro auf der Kläranlage an. Die Erweiterung der Wasseraufbereitung in den Stadtteilen Sandweier und Steinbach ist mit 4.600 Millionen für den Großteil der Investitionen in der Sparte Wasserversorgung verantwortlich. Bei den Verkehrsbetrieben muss der Betriebshof saniert werden (zwei Millionen). Auch im kommenden Jahr wird kräftig investiert: 25,4 Millionen Euro sollen dafür in die Hand genommen werden. Dabei geht es unter anderem um Kabel- und Kanalsanierungen. Angesichts der tiefroten Zahlen sollen in beiden Jahren Darlehen in der Höhe von rund 21,2 Millionen Euro aufgenommen werden.

Arbeitsaufwand in drei Parkgaragen

Die Parkgaragengesellschaft geht hingegen in diesem und im nächsten Jahr von einem positiven Gesamtergebnis aus. Der Erfolgsplan schließt 2022 mit einem Gewinn von 579.000 Euro ab, im nächsten Jahr wird ein Plus von 650.000 Euro erwartet. An Investitionen stehen insgesamt für beide Jahre 2022 Arbeiten in der Kongresshausgarage, Sanierungen in der Vincentigarage sowie in der Festspielhausgarage (Gebäudeabdichtung und Erneuerung der sanitären Anlagen) an.

Widerstand gegen die Genehmigung der Wirtschaftspläne von Stadtwerken und Parkgaragengesellschaft gab es in der Gemeinderatssitzung vonseiten der FBB-Fraktion. Deren Stadtrat Markus Fricke verwies auf die erheblichen Kreditaufnahmen und kritisierte, dass hier Verbindlichkeiten eingegangen würden trotz des fehlenden städtischen Haushalts. Er vermisste Transparenz. OB Margret Mergen wies diesen Vorwurf zurück. Die Zahlen der Stadtwerke würden immer transparent gemacht im Rahmen der Beteiligungsberichte über die städtischen Tochtergesellschaften. In dem fehlenden Stadthaushalt sah sie auch kein Problem hinsichtlich der Stadtwerke, da diese „sich selbst tragen“.

Ihr Autor

unserem Mitarbeiter Henning Zorn

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Erstellt:
23. Februar 2022, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 43sec

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