Ständig auf der Suche nach Personal

Gernsbach (stj) – Die Stadt Gernsbach als Arbeitgeberin: Rund 280 Beschäftigte sind in den unterschiedlichsten Bereichen für die Bürger der Papiermacherstadt im Einsatz.

Die Stadt Gernsbach gehört mit rund 280 Beschäftigten zu den größeren Arbeitgeberinnen im Murgtal. Unser Foto zeigt das in die Jahre gekommene Rathaus, das mit einer frischen EDV-Infrastruktur ausgerüstet wird. Foto: Stephan Juch

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Die Stadt Gernsbach gehört mit rund 280 Beschäftigten zu den größeren Arbeitgeberinnen im Murgtal. Unser Foto zeigt das in die Jahre gekommene Rathaus, das mit einer frischen EDV-Infrastruktur ausgerüstet wird. Foto: Stephan Juch

Es vergeht kaum eine Woche im Jahr, in der nicht irgendwo eine Stellenanzeige der Stadt Gernsbach auftaucht. „Der Eindruck, dass wir viele Stellen zu besetzen haben, der trügt nicht“, bestätigt Hauptamtsleiter Thomas Lachnicht. Über Tageszeitungen, Stadt- und Staatsanzeiger, Fachzeitschriften und diverse Internetkanäle macht die Verwaltung auf ihre Jobs aufmerksam: „Wir suchen ständig Personal.“ Und das auf einer großen Bandbreite, denn „die Stadt als Arbeitgeberin ist längst nicht nur das Rathaus“, betont Lachnicht.

Neben der dort beheimateten Kernverwaltung, die aus derzeit 58 Köpfen besteht, arbeiten allein 112 Menschen im Erziehungsbereich der Stadt Gernsbach. 38 sind es im Bauhof und 18 bei den Stadtwerken. Hinzu kommen insgesamt zehn Auszubildende, eigene Angestellte bei der Musikschule Murgtal und beim Infozentrum auf dem Kaltenbronn sowie Honorarkräfte auf Stundenbasis und Praktikanten. Knapp 40 geringfügig Beschäftigte (überwiegend im Erziehungsbereich, zum Beispiel in der Essensausgabe oder als Reinigungskraft) zählen ebenso zum Team wie 130 Teilzeitbeschäftigte. Insgesamt arbeiten rund 280 Personen (darunter elf Beamte) bei der Stadt Gernsbach. Als verantwortliche Sachgebietsleiterin kümmert sich Selina Bauer im Rathaus um die Themen Personalwesen, Organisation, Informations- und Kommunikationstechnik sowie Recht.

„Wir setzen verstärkt auf Ausbildung“

Die ganze Mannschaft stets zusammenzuhalten, ist eine Daueraufgabe mit vielen Facetten. „So lange es mit dem Stellenplan vereinbar ist, sind wir für viele Modelle offen“, sagt Bauer im BT-Gespräch. Sie verweist etwa darauf, dass mitunter eine gesuchte Vollzeitstelle auch durch zwei Teilzeitkräfte ausgefüllt werden kann. Zudem sei man in der Lage, den Mitarbeitern auch intern andere Angebote unterbreiten zu können, wenn der Wunsch nach Veränderung da ist. Diesbezüglich „sind wir immer im Austausch mit unseren Mitarbeitern“, erklärt Bauer und erzählt von Peter Karcher. Der Bauhofmitarbeiter hatte in seiner Bewerbung als Hobby Schwimmen und Tauchen angegeben.

Daran erinnerte man sich, als vor Saisonbeginn neues Personal für die Freibäder gesucht wurde. Das ist schwer zu finden, weshalb Karcher das Angebot einer entsprechenden Fortbildung annahm und nun als Bademeister in Obertsrot tätig ist. Dies sei ein tolles Beispiel für das Entgegenkommen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer, durch das letztlich beide Seiten gewinnen: „Wir schauen in der Bewerbung nicht nur auf die reine Qualifikation“, erklärt Bauer – auch das Menschliche spiele eine entscheidende Rolle.

Wie wichtig es ist, beim Personal einer Verwaltungsmannschaft mit Weitsicht zu agieren, zeigt der Blick auf andere Städten und Kommunen, in denen manche Angebote, die von Bürgern als selbstverständlich angesehen werden, plötzlich nicht mehr da sind – etwa wenn mangels Badeaufsichten ein Schwimmbad nicht mehr öffnet, oder wenn der Kommunale Ordnungsdienst eingestellt wird, weil Personal fehlt.

Fachkräftemangel macht sich bemerkbar

In Gernsbach „gelingt es uns bislang immer, die Stellen gut zu besetzen“, freut sich der Hauptamtsleiter. Aber: „Die Qualität der Bewerber lässt nach, sodass man oft nicht die große Auswahl hat.“ Dies habe sich spürbar geändert im Vergleich zu noch vor einigen Jahren, Stichwort Fachkräftemangel. „Deshalb setzen wir verstärkt auf Ausbildung“, erläutert Lachnicht die Strategie der Stadt Gernsbach: „Weil wir merken, dass auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr viel zu holen ist.“

Das kann sich zu einem echten Problem entwickeln, denn circa 50 der insgesamt 280 Köpfe starken Belegschaft seien derzeit über 60 Jahre alt. Es ist also absehbar, dass rund 18 Prozent der Beschäftigten in den nächsten fünf Jahren alleine durch Renteneintritte ersetzt werden müssen. Hinzu komme vor allem im Bereich der Kinderbetreuung eine hohe Fluktuation, etwa durch Schwangerschaften. Erwartet eine Erzieherin ein Kind, so greife für sie ein sofortiges Berufsverbot und es fehlt quasi von jetzt auf gleich eine Vollzeitkraft.

„Im Erziehungsbereich tut sich immer was“, berichtet der Hauptamtsleiter: „Der Bedarf an Erzieherinnen ist viel größer, als sie auf dem Markt zur Verfügung stehen. Deshalb bilden wir auch viel aus.“ Zudem sei es „uns wichtig, dass sich die Mitarbeiter fortbilden und weiter qualifizieren“, unterstreicht Lachnicht. Entsprechende Möglichkeiten – zum Beispiel den Fachwirt, den man etwa für die Position eines Sachgebietsleiters benötigt – räume man natürlich ein.

Große Vielfalt an Berufen

Die Bandbreite an Berufen, die bei der Stadt Gernsbach ausgeübt werden, ist immens. Neben dem Klassiker Verwaltungsfachangestellter in der Kernverwaltung sind dort auch sogenannte Public-Management-Studenten gefragt, die den gehobenen Verwaltungsdienst anstreben. Den stark nachgefragten Beruf der Erzieherin oder des Erziehers kann man bei der Stadt Gernsbach auf zwei Wegen erreichen: über eine praxisorientierte Ausbildung (PiA) oder über ein Anerkennungspraktikum. Ein ganzes Sammelsurium an Berufsbildern findet sich im städtischen Bauhof, wo unter anderem Gärtner, Maurer, Schlosser, Schreiner, Friedhofsgärtner, Elektriker, Landschaftspfleger und Kfz-Mechaniker im Einsatz sind. Der Eigenbetrieb Stadtwerke, der sich um die nachhaltige Versorgung mit sauberem Trinkwasser, die schadlose und umweltgerechte Abwasserentsorgung, den Betrieb der Freibäder und den Breitbandausbau kümmert, rundet die Vielzahl an beruflichen Betätigungsfeldern bei der Stadt Gernsbach ab.

Ausbildung mit Perspektive

Ausbildungsleiterin bei der Stadt Gernsbach ist Christine Lukas. Die Verwaltungsfachangestellte, die selbst bei der Stadt Gernsbach gelernt hat und dort seit rund 27 Jahren beschäftigt ist, qualifizierte sich durch Fortbildungsmaßnahmen zur Ausbildungsleiterin und organisiert nun alles rund um die Ausbildung. Sie ist Bindeglied zwischen den Auszubildenden, der Stadt als Ausbilderin und den Schulen. Wer sich über die Ausbildungsmöglichkeiten der Stadt informieren möchte, kann dies über einen eigens neu aufgelegten Flyer tun, der im Rathaus ausliegt und auch über digitale Kanäle zum Download bereitsteht.

Zertifikat „Beruf und Familie“

Als eine der ersten Kommunen im Landkreis Rastatt hat Gernsbach im Juni 2019 das europaweit geschützte Zertifikat „Beruf und Familie“ erhalten. Themen wie Arbeitszeit, -ort und -organisation, Personalentwicklung und Service für Familien prägen die Attraktivität der Arbeitgeber. Flexibilität, die Vereinbarung von Beruf und Familie sind entscheidende Faktoren, die die heutige Arbeitswelt bestimmen und den Mitarbeitern wichtig sind. Die Stadt Gernsbach hat mit dem Durchlaufen des Audit „Beruf und Familie“ darauf reagiert und konkrete Ziele und Maßnahmen erarbeitet. So werden beispielsweise zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf flexible Arbeitszeiten, Notfalllösungen „Kind am Arbeitsplatz“ oder die Unterstützung von pflegenden Mitarbeitern angestrebt. Auch das betriebliche Gesundheitsmanagement soll weiter ausgebaut werden.

Sicherheit in Krisenzeiten

Die Stadt ist eine sichere Arbeitgeberin. Das betont Hauptamtsleiter Thomas Lachnicht und stellt fest: „Die Sicherheit, die der öffentliche Dienst bietet, hat an Bedeutung gewonnen.“ Gerade in der Corona-Krise habe sich dies bemerkbar gemacht „Es gab einige Bewerbungen von Menschen, die in der Pandemie ihren Arbeitsplatz verloren haben.“ Auf der anderen Seite sei die Tarifgebundenheit nicht immer von Vorteil: So könne man nicht verhandeln, wenn es etwa darum geht, bestimmte Gehaltsvorstellungen zu erfüllen, erklärt der Hauptamtsleiter.

KOD: Zurzeit nur ein Mitarbeiter

Der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) der Stadt Gernsbach besteht derzeit aus nur einer Mitarbeiterin. Darauf macht die städtische Personal-Sachgebietsleiterin Selina Bauer im BT-Gespräch aufmerksam. Das bedeutet, dass der KOD aktuell nicht ganz so oft draußen sein könne, wie gewohnt. „Wir hoffen, dass wir bis zu den kommenden Sommerferien auch dort wieder komplett sind“, so Bauer. Die entsprechende Stellenausschreibung ist bereits erfolgt, die Suche nach einem neuen Mitarbeiter läuft. Während der Vakanz helfe das Ordnungsamt personell beim KOD aus, erläutert Bauer die Zwischenlösung.

Betreuungskräfte gesucht

Neben der vakanten Stelle beim Kommunalen Ordnungsdienst (KOD) ist die Stadt derzeit auf der Suche nach Betreuungskräften für die verlässliche Grundschule. Die Betreuung wird an Schultagen von montags bis freitags von circa 7 bis 8.30 Uhr und von 12 bis 16 Uhr und teilweise auch in den Ferien (circa 8 bis 14 Uhr) stattfinden. Der Arbeitsumfang ist ab acht bis zwanzig Stunden wöchentlich möglich. Die unbefristeten Arbeitsverhältnisse richten sich nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (Entgeltgruppe S 2, Stufe 1).

Die Karriereleiter rauf

Wer seinen Job in der Gernsbacher Verwaltungsmannschaft gut macht, hat Aufstiegschancen. Das habe sich zuletzt in den Beispielen Tobias Kull und Alexander Sokolov gezeigt. Ersterer ist als Sachgebietsleiter Personalwesen von der Stadt Gernsbach zum Hauptamtsleiter in Bad Herrenalb aufgestiegen; Zweiterer übernimmt am 1. Oktober 2021 das Bauamt in Durmersheim (er ist in Gernsbach als Sachgebietsleiter für die Bereiche Hochbau und Stadtplanung zuständig). „Für uns ist das zwar ein Verlust, auf der anderen Seite aber auch eine Bestätigung, dass hier gute Arbeit geleistet wird“, meint Hauptamtsleiter Lachnicht mit Blick auf die zwei Kollegen, die andernorts ihren Dienst tun.

Bei Wind und Wetter sind die Bauhofmitarbeiter im Einsatz, um für ein möglichst schickes Erscheinungsbild der Stadt zu sorgen. Foto: Florian Krekel (Archiv)

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Bei Wind und Wetter sind die Bauhofmitarbeiter im Einsatz, um für ein möglichst schickes Erscheinungsbild der Stadt zu sorgen. Foto: Florian Krekel (Archiv)

In der Hillaustraße 11 residiert der Eigenbetrieb Stadtwerke Gernsbach. Dort kümmern sich 18 Mitarbeiter um die nachhaltige Versorgung mit sauberem Trinkwasser, die schadlose und umweltgerechte Abwasserentsorgung, den Betrieb der Freibäder und den Breitbandausbau. Foto: Stadt Gernsbach

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In der Hillaustraße 11 residiert der Eigenbetrieb Stadtwerke Gernsbach. Dort kümmern sich 18 Mitarbeiter um die nachhaltige Versorgung mit sauberem Trinkwasser, die schadlose und umweltgerechte Abwasserentsorgung, den Betrieb der Freibäder und den Breitbandausbau. Foto: Stadt Gernsbach


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