Starke Gegner für Schach-Talent Keymer in Berlin

Berlin (ham) – Obwohl Vincent Keymer gerade mitten im Abitur-Stress ist, nimmt das 17-jährige Schach-Talent ab Freitag am Grand Prix in der Hauptstadt teil – und trifft auf starke Konkurrenz.

Jüngster Teilnehmer in Berlin: Der 17-jährige Vincent Keymer. Foto: Hartmut Metz

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Jüngster Teilnehmer in Berlin: Der 17-jährige Vincent Keymer. Foto: Hartmut Metz

Zwischen den Abiturprüfungen noch zweimal 24.000 Euro für ein späteres Studium verdienen? Das ist nicht das Ziel von Vincent Keymer. Der 17-jährige Schach-Großmeister aus Gau-Algesheim „freut“ sich bei den Grand-Prix-Turnieren des Weltverbands FIDE in Berlin auf die Herausforderung durch „starke Gegner“. Von diesem Freitag (bis 17. Februar) und vom 21. März bis 4. April will der jüngste Teilnehmer in den Kaiserhöfen seinen 74. Platz in der Weltrangliste weiter verbessern.

Bei der neuen Turnierserie, die zudem vom 28. Februar bis 14. März in Belgrad gastiert, geht es um insgesamt 450.000 Euro Preisgeld und vor allem um zwei Plätze für das Kandidatenturnier, bei dem der nächste Herausforderer von Weltmeister Magnus Carlsen ermittelt wird. Daher ist der norwegische Weltranglistenerste, der am Wochenende in Wijk aan Zee (Niederlande) einmal mehr seine Extraklasse mit 1,5 Punkten Vorsprung bewies, nicht dabei. So dürfen sich andere Asse Chancen ausrechnen, bei ihren zwei Turnierteilnahmen als Punktbeste die WM-Aussichten zu wahren. Einer davon ist der Armenier Lewon Aronjan. Der einstige Berliner hat noch immer das Gefühl „der beste Spieler der Welt sein zu können, ansonsten trete ich zurück!“

Keymer setzt sich keine Ziele fürs Turnier

Just der Weltranglistensechste ist der Gegner von Keymer, der sich im November 2021 in Riga mit einem sensationellen fünften Platz für Berlin qualifizierte. Weil Aronjan nur fast für Deutschland gespielt hätte und inzwischen unter US-Flagge antritt, ist der 17-jährige Pfälzer einziger nationaler Vertreter. Mit dem Inder Santosh Vidit Gujrathi und dem Russen Daniil Dubow sitzen ihm überdies der Weltrangliste-21. und 24. in der Vorrunde gegenüber – sofern Dubow seine Corona-Infektion überwindet.

Angesichts seiner illustren Gegner in der Vorrunde gibt sich die deutsche Nummer eins bei Prognosen zurückhaltend: „Was das Turnierergebnis betrifft, setze ich mir keine Ziele“, sagt Keymer, auch wenn der Außenseiter weiß, dass in nur drei Partien alles passieren kann – ein Patzer und schon ist für die Favoriten der Einzug ins Halbfinale der vier Gruppensieger dahin. Zudem hat der jüngste deutsche Großmeister aller Zeiten, der diesen Titel auf Lebenszeit bereits im Alter von 15 Jahren perfekt machte, schon häufiger seine Gefährlichkeit bewiesen. So sicherte sich Keymer 2018 beim Grenke-Open in Karlsruhe vor 49 Großmeistern mit herausragenden 8:1 Punkten ein Taschengeld von 10.000 Euro.

Die Turniere in Berlin kommen für den Weltranglisten-74. allerdings zur Unzeit. Während sich einige Konkurrenten einzuspielen versuchten oder andere sich lieber mit Training auf den Grand Prix vorbereiteten, steckt der 17-Jährige mitten im Abitur-Stress. Die schriftlichen Prüfungen absolvierte der Gymnasiast mit den drei Leistungskursen Mathematik (obligatorisch für einen logisch veranlagten Schachspieler), Englisch und Deutsch im Januar. „Die Noten erfahre ich Anfang März“, berichtet Keymer, der just vor dem zweiten Turnier in Berlin „Mitte März noch mindestens eine mündliche Abiturprüfung“ bestehen muss.

Trainer Leko bereits in der Weltrangliste überholt

Doch unabhängig von den Resultaten in der Schule und in seiner Vorrunde gedenkt der Deizisauer Bundesligaspieler zur Freude der deutschen Fans alles auf die Profi-Karte zu setzen. Anders als Nationalmannschaftskollegen, die sich durch ein Studium finanziell absichern, gibt es für Keymer „derzeit keinen Plan B“ oder ein „Zeitlimit“, wie lange er sich als Berufsspieler versuchen will. Das Supertalent „freut“ sich schlicht darauf, „mich ganz auf Schach zu konzentrieren“.

Seinen berühmten Trainer Peter Leko hat er in der Weltrangliste bereits um einen Elo-Punkt knapp überflügelt. Jetzt träumen die Fans von Keymer davon, dass er noch weiter kommt als der Ungar, der 2004 den WM-Titel durch ein 7:7 gegen den Russen Wladimir Kramnik hauchdünn verpasste. Wenn nicht jetzt schon beim Grand Prix in Berlin, dann spätestens nach dem Abi soll der Pfälzer einen Schach-Boom auslösen

Ihr Autor

BT-Redakteur Hartmut Metz

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Erstellt:
3. Februar 2022, 17:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 55sec

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