Starkes Unwetter hält Einsatzkräfte auf Trab

Biberach/Bühl/Hügelsheim (dpa/BT) – Weite Teile Baden-Württembergs sind betroffen. Auch in Mittelbaden gab es starke Regenfälle.

Schwäbisch Gmünd: Ein Pkw treibt durch das Hochwasser in einer Unterführung am Bahnhof. Der Autofahrer konnte sich noch rechtzeitig retten. Foto: Marius Bulling/onw/dpa

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Schwäbisch Gmünd: Ein Pkw treibt durch das Hochwasser in einer Unterführung am Bahnhof. Der Autofahrer konnte sich noch rechtzeitig retten. Foto: Marius Bulling/onw/dpa

Überflutete Straßen, vollgelaufene Keller, umgestürzte Bäume und Hagelkörner groß wie Fäuste – mehrere Stunden lang ist ein Unwetter am Mittwochabend mit gewaltiger Kraft über weite Teile Baden-Württembergs hinweggezogen. Mehrere Menschen wurden verletzt, Hunderte Polizisten und Feuerwehrleute mussten Schwerstarbeit leisten. Die Aufräumarbeiten dauerten in einigen Regionen auch am Donnerstagmorgen noch an, mehrere Straßen waren weiterhin gesperrt. Stark betroffen waren laut Polizei unter anderem einige Regionen südlich von Stuttgart.

Mit besonderer Wucht wurden vor allem die Kreise Reutlingen und Tübingen sowie Esslingen und der Zollernalbkreis getroffen. Fünf Menschen wurden nach Angaben der Polizei unter anderem bei zwei Unfällen verletzt, einige von ihnen schwer. In Kusterdingen (Kreis Tübingen) stürzte ein Mann vom Dach eines Hauses, das er vom Hagel hatte befreien wollen.

„Durch die Niederschläge mit bis zu tennisballgroßen Hagelkörnern wurden unzählige Häuser und Fahrzeuge in allen vier Landkreisen beschädigt“, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstagmorgen. Unter anderem in Tübingen schloss das Wasser „in Sturzbächen“ durch die Stadt, wie es hieß. Straßen, Unterführungen und zum Teil auch Bahnschienen waren während des Unwetters unpassierbar, die Kanalisation konnte die Wassermassen nicht mehr aufnehmen. Autodächer wurden beschädigt. Bäume stürzten auf Stromleitungen und am Flughafen Stuttgart wurde der Flugbetrieb mehrfach eingestellt. In der schlimmsten Phase des Unwetters am früheren Abend gingen alleine in der Notrufzentrale des Polizeipräsidiums Reutlingen rund 400 Anrufe ein, teilte die Polizei mit.

Kreisimpfzentrum Tübingen überflutet

Gravierend sind die Folgen des Unwetters für das überflutete Tübinger Kreisimpfzentrum. „Nach erster Einschätzung kann die Halle für mindestens zwei Wochen nicht genutzt werden“, teilte das Landratsamt mit. Es werde eine Möglichkeit gesucht, wie die gebuchten Termine so schnell wie möglich nachgeholt werden könnten. Termine an den kommenden zwei Tagen würden auf umliegende Impfzentren verlegt. Dabei gehe es aber vor allem um Zweitimpfungen gegen das Coronavirus. Ob auch die Erstimpftermine bestehen bleiben könnten, stehe noch nicht fest.

Stark betroffen war auch der Landkreis Biberach, dort wurden bis zum frühen Donnerstagmorgen 900 Einsätze ausgelöst. Mehr als 1.600 Rettungskräfte waren nach Angaben der Behörden im Einsatz, um Keller auszupumpen und überschwemmte Straßen und Wege freizuräumen. „Nach wie vor gehen in der Leitstelle Notrufe ein, weil viele erst jetzt bemerken, dass während der Nacht die Keller vollgelaufen sind“, sagte eine Sprecherin des Landkreises am Donnerstagmorgen. Der Biberacher Feuerwehrkommandant Florian Retsch sprach nach Angaben der „Schwäbischen Zeitung“ (Donnerstag) von einer „absolut katastrophalen Lage“.

In mehreren Regionen, darunter dem Ostalbkreis, mussten Radlader anrücken, um den Hagel von den Straßen zu räumen. In Rottenburg (Kreis Tübingen) waren nach dem Unwetter in einem Pflegeheim einige Stockwerke zunächst nicht bewohnbar, wie es von der Freiwilligen Feuerwehr hieß. Das Gebäude wurde zum Teil evakuiert, 23 Bewohner seien in Sicherheit gebracht worden.

Auch in Offenburg liefen Keller voll. In Konstanz maß die Höhe der Hagelschicht teils fünf Zentimeter.

Die Situation in Mittelbaden

Wie Kreisbrandmeister Heiko Schäfer berichtet, war von dem lokalen Unwetter, das am Mittwoch kurz vor 18 Uhr herniederging, vor allem Hügelsheim betroffen und dort besonders die Straßen um die Schwarzwaldhalle und die Hochfeldsiedlung. Sieben kleinere Feuerwehreinsätze habe es zudem in Rheinmünster und Bühl gegeben.

„In Hügelsheim kam in kurzer Zeit so viel Regen in Verbindung mit Hagel zusammen, dass die Kanalisation das Wasser nicht mehr abführen konnte“, berichtet Schäfer. Daher sei Oberflächenwasser in Kellerschächte geflossen. Wegen der Vielzahl von betroffenen Kellern, Schäfer nennt die Zahl von 65, habe die Feuerwehr eine Einteilung vornehmen müssen und sei dann nach Priorität vorgegangen, erläutert der Kreisbrandmeister.

Außer der Feuerwehr Hügelsheim waren auch die Kollegen aus Baden-Baden, Iffezheim und Rheinmünster vor Ort, insgesamt etwa 75 Einsatzkräfte.

In Eisental kam es beim Gewitter am Mittwochabend um 17.30 Uhr zu zwei Einsätzen der Feuerwehr. Wie Frank Ruschmann, stellvertretender Kommandant Bühl, mitteilte, war in der Winzerstraße (im Bereich des Kindergartens) ein Kanaleingang verstopft, in der Affentaler Straße war eine kleinere Menge Wasser in den Keller eines Hauses getreten. Auch in der Betschgrabenstraße lief die Kanalisation kurzzeitig über. Die Feuerwehrabteilung Eisental war mit zwei Fahrzeugen und acht Personen im Einsatz.

Auch im flachen Terrain kam es zu Überschwemmungen, in Oberbruch und Balzhofen war bei insgesamt fünf Anwesen Wasser im Keller. Hier war die Feuerwehrabteilung Oberbruch/Moos sowie der Ausrückbereich Bühl West gefordert. Gegen 20 Uhr waren die Einsätze beendet.

Auch Eisental war von dem Unwetter betroffen. So lief die Kanalisation – hier in der Betschgrabenstraße – über. Foto: Frank Seiter

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Auch Eisental war von dem Unwetter betroffen. So lief die Kanalisation – hier in der Betschgrabenstraße – über. Foto: Frank Seiter

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Erstellt:
24. Juni 2021, 15:53 Uhr
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