Starkregen lässt Erdbeerpreise einbrechen

Bruchsal/Durmersheim (for) – Erdbeeranbauer im Südwesten ziehen zum Ende der Erdbeerhauptsaison eine durchwachsene Bilanz. Schlechte Witterungsverhältnisse bereiten der Saison ein Ende mit Preissturz.

Erdbeeren gibt es derzeit für wenig Geld zu kaufen. Foto: Andreas Arnold/dpa

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Erdbeeren gibt es derzeit für wenig Geld zu kaufen. Foto: Andreas Arnold/dpa

Sturmböen, Hagelkörner und Gewitter: Was seit einigen Wochen vielen Menschen auf die Gemütslage schlägt, schadet auch den Erdbeeren. So haben Starkregen und heftige Unwetter bei einigen Erdbeeranbauern im Südwesten die gesamte Ernte vernichtet und ein Ende der Hauptsaison mit Preissturz bereitet, bilanziert der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE).

Ausfälle von 70 bis 100 Prozent

Die extreme Witterung habe bei manchen Erdbeerproduzenten für Ausfälle von 70 bis 100 Prozent gesorgt, teilt der VSSE in Bruchsal zum Ende der Erdbeersaison mit. Anbauer waren demnach gezwungen, Felder frühzeitig aus der Ernte zu nehmen. Die heißen Sommertemperaturen haben den Angaben zufolge zunächst zwar hohe Erträge nach sich gezogen, die Unwetter im Juni haben dann aber die Quantität und Qualität der Erdbeeren verdorben. Dies habe zu starken Einbußen, Reklamationen und jüngst auch zu einem Preisverfall geführt.

Zu viel Regen führt zu Fäulnis

Landwirt Rolf Enderle vom Erdbeerland Enderle in Durmersheim war von den schlechten Wetterbedingungen ebenfalls betroffen: „Zunächst wollten die Erdbeeren wegen der kühlen Temperaturen im Mai nicht richtig reifen“, teilt er auf BT-Nachfrage mit, „und danach folgte die Hitzeperiode, die teilweise zu Sonnenbrand auf den Erdbeeren geführt hat.“ Schließlich sei die Hitze dann in den vergangenen Wochen in eine Regenperiode umgeschlagen. Die Gefahr dabei: „Zu viel Regen führt zu Fäulnis“, erklärt Enderle. Das wirke sich negativ auf die Qualität der süßen Früchte aus und führe außerdem zu einem großen Mehraufwand, weil alles, was zu faulen beginnt, schnellstmöglich rausgepflückt werden müsse.

„Große Herausforderung“

Der VSSE kann das bestätigen: „Der Erdbeeranbau im Freiland war in dieser Saison eine große Herausforderung“, resümiert Vorstandssprecher Simon Schumacher. Auf den verzögerten Saisonbeginn durch das kalte, nasse und sonnenarme Frühjahr mit einigen Frostnächten folgte der drittwärmste Juni seit Aufzeichnungen mit sehr hohen Temperaturen, Starkregen und Hagel. „Aktuell sind die Qualitäten instabil und die Preise eingebrochen, sodass Erdbeeren in den letzten zwei bis drei Wochen nicht mehr rentabel und teilweise unter den Produktionskosten vermarktet werden mussten“, so Schumacher. Und das, obwohl die Erdbeersaison mit geringen Erntemengen und hohen Preisen begonnen hatte. Der Lebensmitteleinzelhandel hat die Marge der Verbraucherpreise laut der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft lange Zeit hochgehalten, obwohl die Preise gerade in der Kalenderwoche 23/24 dann aufgrund der höheren Erntemengen bei den Genossenschaften und auf den Großmärkten eingebrochen seien. Durch die hohen Preise habe der Lebensmitteleinzelhandel den reibungslosen Abverkauf der Erdbeeren gehemmt.

Hochtunnel retten Ernte

Laut VSSE hat der Einsatz von Hochtunneln Erdbeererzeugern in diesem Jahr die Ernte gerettet. Auch auf den Feldern von Enderle kommen sie mittlerweile zum Einsatz. „Die Tunnel haben mehrere Funktionen“, erklärt der Landwirt. Zum einen wolle man mit Tunneln die Ernte verfrühen, „zum anderen dienen sie aber auch als Regenschutz, als Schutz vor extremer Sonneneinstrahlung sowie als Frost- und Hagelschutz“.

Ohne den geschützten Anbau hatten Betriebe laut einer Umfrage des Netzwerks der Spargel- und Beerenverbände zur Saison 2021 durchschnittlich 25 Prozent Ertragseinbußen – zusätzlich zu den 13 Prozent geringeren Ertrags durch das kalte Frühjahr.

Während die Witterungsverhältnisse immer extremer würden, habe in den vergangenen Jahren auch der Tunnelanbau zugenommen, meint Enderle. Er geht davon aus, dass diese Anbauform deutschlandweit noch weiter zunehmen werde – „obwohl der Einsatz von Hochtunneln auch teuer und mit einem großen Arbeitsaufwand verbunden ist.“ Viele Betriebe würden deshalb nicht durchgehend mit Tunneln arbeiten, sondern nur in einem bestimmten Zeitraum. „Wir nutzen die Wandertunnel beispielsweise nur im ersten Drittel der Saison“, so Enderle. Bereits im August würden schon wieder neue Felder mit Erdbeeren bepflanzt. „Die Tunnel wandern dann dorthin.“


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