Statt Choreografie geht’s um Kraft und Technik

Ötigheim (manu) 143 Aktive zählt das Ballett der Volksschauspiele. In Corona-Zeit heißt es für die meisten momentan: Online-Training.

Irgendwann geht’s wieder auf die Bühne – wie hier bei „Kiss me, Kate“. Aktuell müssen sich die Tanzenden mit Online-Training begnügen. Foto: Manuela Behrendt

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Irgendwann geht’s wieder auf die Bühne – wie hier bei „Kiss me, Kate“. Aktuell müssen sich die Tanzenden mit Online-Training begnügen. Foto: Manuela Behrendt

„Diese Art der Arbeit ist nicht optimal, aber ich mache das, um meinen Schülern zu zeigen, dass ich für sie da bin, hinter ihnen stehe und sie bei dem unterstütze, das ihnen Spaß macht“, sagt Julia Krug. Die Ballettmeisterin der Volksschauspiele Ötigheim (VSÖ) bietet dreimal wöchentlich nach Altersgruppen gestaffeltes Online-Training an, eine vierte Einheit übernimmt ihr Kollege Andrei Golescu.

143 Kinder, Jugendliche und Erwachsene tanzen bei den VSÖ. Rund 65 Prozent davon nehmen an dem Online-Unterricht teil, den man bereits im ersten Lockdown einführte. Dass nicht alle mit dabei sind, erklärt Krug mit technischen Hürden. Mitunter fehle es an Endgeräten oder stabilen Internetverbindungen. Zudem biete sich für Kinder, deren beide Elternteile in Vollzeit im Homeoffice arbeiten, nachmittags nicht die Möglichkeit, einen PC zu nutzen.

Schon im ersten Lockdown übte man online, wich als Sommerintermezzo in Präsenz auf die Wiese im Freilichtfoyer der Naturbühne aus, kehrte im Oktober „unter strengsten Sicherheits- und Hygienebedingungen“ in den Ballettsaal zurück, bevor im November mit dem Teil-Lockdown erneut die Online-Variante in den Vordergrund rückte. „Das ist kein Dauerzustand“, sieht Krug die Notlösung. Dennoch: „Ich mache in diesem Bereich ganz neue Erfahrungen und lerne viel dazu.“

Am Ende ein kleines Tänzle

Die Ballettmeisterin ist über den Bildschirm rein auf verbale Anweisungen und Korrekturen angewiesen. Im Tanzsaal hingegen hat sie die Möglichkeit zu ausführlichen Dialogen, Demonstrationen und darf auch anfassen, um einen Haltungsfehler zu berichtigen. Bei Krugs Online-Training geht es nicht um die Erarbeitung einer Choreografie. „Das ist unmöglich“, sagt sie. Krug setzt darauf, dass die Tanzenden körperlich und konditionell am Ball bleiben. Technik, Kraft und Dehnung stehen im Mittelpunkt des Unterrichts am Monitor. „Am Ende gibt es ein kleines Tänzle zum Spaß.“

Krug kommt dreimal die Woche per Bildschirm zu ihren Eleven nach Hause, um mit dem Training zu motivieren, „eine gewisse Struktur in ihren Alltag zu bringen“, den Selbstantrieb aufrecht zu erhalten und zu zeigen, dass der Theaterverein nicht die Flinte ins Korn wirft.

Alle zugeschalteten Schüler sieht Krug in Einzelkacheln eines Patchworkteppichs auf dem Monitor. Jede Kachel kann sie als Vollbildansicht vergrößern, individuell im Detail betrachten und Fehler korrigieren. Das ist ein anstrengendes Unterfangen. „Der Online-Unterricht ist für mich schwer, ich bin nach jeder Stunde total k. o.“.

Ihren Antrieb bezieht Krug aus „vielen positiven Rückmeldungen der Schüler“. Sehr schätzt sie hier die freudigen Kommentare aus der Gruppe der Allerjüngsten. Die sind gerade mal vier Jahre alt. Dankbare Eltern geben Feedback, welches der Ballettmeisterin Mut gibt, auf ihrem Weg weiterzumachen. Und dann sind da noch die erwachsenen Tanzenden. „Sie finden es toll, wie wir dranbleiben und was wir bieten.“

Solche Worte bauen Krug auf. Gerade in Tagen mit wenig Perspektiven. „Die Hoffnung stirbt zuletzt, so denke ich, dass wir im März in den Ballettsaal zurückkehren können“. Krug ist zuversichtlich, dass alle Lebensgeister in gewohnter Aktivität zurückkehren, „sobald wir wieder auf der Freilichtbühne für Veranstaltungen proben“.


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