Statt offener Tür beschenkt Hospizdienst die Obdachlosen

Rastatt (ema) – Der Hospizdienst Rastatt muss wegen Corona auf seine offene Tür an Heiligabend verzichten. Stattdessen werden Obdachlose beschenkt.

Klaus Winterhoff (links) und Attila Schumann zählen zu den treuen Kräften, die die offene Tür an Heiligabend, wie hier im vergangenen Jahr im Gemeindehaus St. Alexander, bereichern. Foto: Ulrich Philipp/Archiv

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Klaus Winterhoff (links) und Attila Schumann zählen zu den treuen Kräften, die die offene Tür an Heiligabend, wie hier im vergangenen Jahr im Gemeindehaus St. Alexander, bereichern. Foto: Ulrich Philipp/Archiv

Nicht mal auf Heiligabend nimmt bekanntermaßen das Coronavirus Rücksicht. Und darauf muss sich auch der Rastatter Hospizdienst einstellen. Im Jahr 2009 hatte der Verein erstmals eine „Offene Tür an Heiligabend“ angeboten – damals noch im Caférestaurant Pagodenburg. Menschen, die an diesem besonderen Tag des Jahres nicht allein bleiben wollen, sollten einen besinnlich-festlichen Abend in Gemeinschaft feiern. Kamen anfangs rund 60 Menschen zur offenen Tür, so wuchs der Kreis der Gäste über die Jahre auf bis zu 120. Mittlerweile war man ins Gemeindehaus der katholischen Pfarrei St. Alexander gewechselt, wo die Menschen ein festliches Mahl sowie kulturelle Beiträge genießen durften. Rund 30 Ehrenamtliche für den Dienst im Auto (zwecks Fahrdienst), in der Küche, an den Tischen und für künstlerische Beiträge konnte der Hospizverein jedes Jahr für diesen Akt der Nächstenliebe motivieren. Und gerne hätten die Organisatoren in diesem Jahr zum zwölften Mal zu einem gemeinsamen, fröhlich stimmenden Weihnachten eingeladen.

Doch im Zeichen von Corona musste man „schweren Herzens verzichten“ und umdenken, wie der Vereinsvorsitzende Peter Ulrich im BT-Gespräch erläutert. Nicht nur, weil die Pfarrei aufgrund der Pandemie ihren Gemeindesaal nicht zur Verfügung stellen dürfe. Auch die Großzahl der Gäste gehöre der sogenannten Risikogruppe an, weshalb man unbedingt auf Nummer Sicher gehen müsse, sagt der Mediziner, der sich, wie er gesteht, selbst wieder nach Normalität sehnt. Deswegen verwarf man auch die Idee, Geschenktüten als Ersatz für den Abend der Begegnung zu packen.

Geschenkübergabe in Dörflerkirche?

Der Vorsitzende überlegte gemeinsam mit Stadtpfarrer Ralf Dickerhof, welche Alternative infrage käme, um etwas Gutes zu tun. Gemeinsam mit Kirsten Pompeuse-Schnepf vom Caritasverband Rastatt entschied man sich, an Heiligabend gezielt die Obdachlosen in den Vordergrund zu rücken. Im gewissen Sinne kehre man damit sogar zu den Wurzeln der offenen Tür zurück, denn schon 2009 hatte man vor allem zunächst die Wohnsitzlosen im Blick, sagt Ulrich.

Auf Anraten der Caritas-Sozialarbeiterin will man nun aus den Spenden, mit denen Jahr für Jahr die offene Tür gestaltet wird, winterfeste Schlafsäcke, robuste Isomatten und Unterwäsche für die kalte Jahreszeit kaufen und den Obdachlosen als Weihnachtsgeschenk überreichen.

Ulrich rechnet, dass etwa 15 Personen, die immer wieder in Kontakt mit der Caritas stehen, von dem Geschenk profitieren könnten. Gleichzeitig will man die Vorratskammer in den Caritasräumen auffüllen, aus der die Wohnsitzlosen bei Bedarf versorgt werden können.

Noch offen ist, ob in der angrenzenden Dörflerkirche ein warmes Essen und eine Geschenkübergabe mit Pfarrer Dickerhof gestaltet werden kann. Das Problem sei, dass möglicherweise an Heiligabend nicht alle Obdachlosen, die sich sonst in Rastatt aufhalten, auch tatsächlich da sind, sagt Ulrich. Die Organisation muss also vielleicht noch spontan geändert werden. Unterdessen setzt Peter Ulrich seine ganze Hoffnung darauf, im kommenden Jahr wieder in gewohnter Form zur offenen Tür an Heiligabend einladen zu können.


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