Stehende Ovationen für Reiner Dehmelt

Hügelsheim (sawe) – In Hügelsheim ist eine Ära zu Ende gegangen: Mit stehenden Ovationen im Gemeinderat wurde Bürgermeister Reiner Dehmelt nach 24-jähriger Amtszeit in den Ruhestand verabschiedet.

In Hügelsheim geht nach 24 Jahren eine Ära zu Ende: Dr. Jörg Peter verabschiedet Bürgermeister Reiner Dehmelt und dankt auch Gattin Ingrid Dehmelt. Foto: Frank Vetter

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In Hügelsheim geht nach 24 Jahren eine Ära zu Ende: Dr. Jörg Peter verabschiedet Bürgermeister Reiner Dehmelt und dankt auch Gattin Ingrid Dehmelt. Foto: Frank Vetter

Gleich zweimal gab es am Montagabend stehende Ovationen und lang anhaltenden Beifall in der Schwarzwaldhalle: Damit zollten Gemeinderat und Besucher Respekt und Anerkennung für das engagierte Wirken von Bürgermeister Reiner Dehmelt und sein Lebenswerk. „Hügelsheim war meine Arbeit, mein Leben“, bestätigte der 66-Jährige emotional sichtlich bewegt, der „in dieser wunderbaren Gemeinde“ nach 24 Jahren in den Ruhestand ging.
Weil wegen Corona derzeit keine große Abschiedsfeier erlaubt ist (diese soll eventuell am 23. Juli nachgeholt werden), erfolgte die Verabschiedung im Rahmen einer Gemeinderatssitzung, zu der auch einige frühere Gemeinderäte und damit Wegbegleiter Dehmelts gekommen waren.

Der Erste Landesbeamte und Landrat-Stellvertreter Dr. Jörg Peter würdigte Reiner Dehmelt als leidenschaftlichen Kommunalpolitiker mit Taktgefühl und Sportsgeist, der die Gemeinde Hügelsheim in einer entscheidenden Phase ihrer Geschichte maßgeblich geprägt habe. Er erinnerte an die schwierige Anfangsphase, als der Ort sich mitten in einem großen Umbruch befand und sich durch den Abzug der kanadischen Streitkräfte Chancen für die Entwicklung Hügelsheims eröffneten, damit aber auch Sorgen verbunden waren. Die Einwohnerzahl stieg von 4.400 auf aktuell 5.200, und es wurden in den 24 Jahren zahlreiche Projekte umgesetzt. Aber der Bürgermeister konnte auch, wie es sich für einen Fußballer gehört, kämpferisch sein, spielte Peter auf Dehmelts früheres Hobby als Schiedsrichter in der Fußball-Bundesliga an. Für die Aufstellung des Bebauungsplans „Wohnpark am Hardtwald“ scheute er nicht den Gang vor den VGH, was sich für die Gemeinde gelohnt habe. Aber es gab auch Enttäuschungen, ließ Peter die Themen Ortsumfahrung und Anbindung an den Baden-Airpark nicht unerwähnt.

Impulse für weitere Arbeit vorgegeben

Einen wichtigen Grundstein gelegt und Impulse für die Arbeit seiner Nachfolgerin vorgegeben habe Dehmelt mit der Auflage des „Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts 2040“. Dehmelt habe sich auch gewinnbringend in der kommunalen Familie des Landkreises Rastatt eingebracht. Und in vielen anderen Gremien, aus denen er nun zum Teil ausscheidet, listete Peter nur einige Ämter auf. Für den Ruhestand nach 49 Jahren im öffentlichen Dienst wünschte er dem scheidenden Ortsoberen im Namen des Landkreises alles Gute. Er persönlich habe stets den fairen Umgang mit Reiner Dehmelt geschätzt, fügte der Erste Landesbeamte noch hinzu.

Beruf war Berufung für ihn

„Heute geht eine Ära zu Ende“, verdeutlichte Bürgermeister-Stellvertreterin Miriam Wassermann, die die Abschiedsworte für den Gemeinderat sprach, während im Hintergrund einige Bilder aus der Amtszeit des Bürgermeisters gezeigt wurden. Besprechungen und Sitzungen habe er immer ergebnisorientiert geleitet, wobei Dehmelt wichtig war, dass die Regeln der Höflichkeit und der Fairness beachtet werden, hob Wassermann hervor. Ganz „Schiedsrichter like“ sei er dazwischen gegrätscht, wenn die Diskussion mal aus dem Ruder zu laufen drohte. Wassermann dankte für die gute Zusammenarbeit im Gremium und wünschte für den neuen Lebensabschnitt Gelassenheit, Gesundheit, mehr Zeit für Familie und Hobbys und „unendlich schöne Momente“.

Nach so vielen Jahren nehme er nicht leichten Herzens Abschied, bekannte der künftige Pensionär, auch wenn er dem neuen Lebensabschnitt mit Spannung entgegensehe. Er dankte Gemeinderat und Verwaltung für „die großartige Unterstützung“. Und natürlich seiner Frau und seiner Familie. Dabei erwähnte er schmunzelnd, dass seine Kinder am Anfang gar nicht davon erbaut waren, nach Hügelsheim zu ziehen. „In dieses Kaff gehen wir nicht“, hätten sie wörtlich gesagt. Diese Einstellung habe sich freilich schon längst grundlegend gewandelt.

Seine Bürgermeisterzeit sei ihm nicht nur Beruf, sondern Berufung gewesen – und die Gemeinde Hügelsheim zukunftsfähig zu gestalten und modern auszurichten, stets ein Herzensanliegen gewesen. Viele Maßnahmen wurden realisiert oder angestoßen, resümierte der 66-Jährige. So habe die Gemeinde in den 24 Jahren seiner Amtszeit über 280 Millionen Euro in die Hand genommen.

„Eine besondere Ehre“

Die 24 Jahre in Hügelsheim seien interessant, manchmal aber auch strapaziös und Kräfte zehrend gewesen. Er habe sich aber immer gerne in den Dienst der Allgemeinheit gestellt. Mehr noch: Es sei ihm eine besondere Ehre gewesen, „die Geschicke der Gemeinde Hügelsheim im Interesse der Allgemeinheit zu lenken und mit Herz und Verstand ihr Bürgermeister zu sein“.

Der Gemeinde wünschte er Glück und Erfolg für die anstehenden Projekte und schwierigen Aufgaben. Und seiner Nachfolgerin Kerstin Cee eine glückliche Hand. Und dann wurde er doch noch von Abschiedswehmut überwältigt und musste kurz um Fassung ringen, bevor er seine Rede beenden konnte – ganz einfach mit einem „Danke!“.


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