Steinmauern will Tempo 30

Steinmauern (HH) – Der Gemeinderat Steinmauern hat einen Lärmaktionsplan verabschiedet. Demnach soll Tempo 30 für Hauptstraße und Elchesheimer Straße beantragt werden.

Zehner-Schritte: Statt 40er-Abschnitten will die Gemeinde für die Elchesheimer- und die Hauptstraße auf ganzer Länge Tempo 30. Busunternehmen sind dagegen. Foto: Helmut Heck

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Zehner-Schritte: Statt 40er-Abschnitten will die Gemeinde für die Elchesheimer- und die Hauptstraße auf ganzer Länge Tempo 30. Busunternehmen sind dagegen. Foto: Helmut Heck

Neue Erkenntnisse gab es nur am Rande, beispielsweise über Flüsterasphalt, als der Gemeinderat am Dienstag vor einer Handvoll Zuhörer den schon mehrfach im Gremium behandelten Lärmaktionsplan zum vorläufigen Abschluss brachte. Ein Mitarbeiter des Fachbüros Modus Consult fasste noch einmal zusammen, was in früheren Sitzungen berichtet wurde, etwa dass es in der Haupt- und Elchesheimer Straße nur an vier Gebäuden Grenzwertüberschreitung durch Verkehrslärm gebe, eine Menge weiterer Häuser aber einem „gesundheitskritischen“ Level ausgesetzt sei.

Plittersdorfer Straße außen vor

Wie in der Vergangenheit vorgeschlagen, wurde als einfachste Gegenmaßnahme eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 Stundenkilometer propagiert. Dieses Resultat der Untersuchung wurde zum Beschluss umgemünzt: Der Gemeinderat beauftragte die Verwaltung, bei der Verkehrsbehörde Tempo 30 zu beantragen.

Es soll für die Gesamtlänge beider Straßen angeordnet werden, und zwar für Tag und Nacht. Bisher gibt es nur kurze Abschnitte mit Beschränkung auf 40 km/h. Die ebenfalls stark befahrene Plittersdorfer Straße kommt den Erhebungen zufolge für 30er-Zonen nicht in Betracht. Da die Wohnhäuser an dieser Strecke vergleichsweise große Abstände zur Fahrbahn haben, seien keine kritischen Lärmwerte festgestellt worden, lautete die Erklärung.

Rheinstraße: Belastung zu gering

In der Rheinstraße, der vierten im Quartett der überörtlich bedeutenden Routen, stehen die Häuser zwar dicht am Verkehrsstrom, für zwei oder drei Gebäude wurde sogar Lärmgefahr bestätigt. Doch mit 1.500 Fahrzeugen am Tag sei die Belastung zu gering für Maßnahmen, gab der Experte zu verstehen. Seinen Erläuterungen zufolge beruhen die Einschätzungen lediglich auf Berechnungen, für die wiederum Vorgaben der EU und Richtlinien des Bundes maßgebend sind. Der Hinweis, dass nationale und europäische Rechenmodelle unterschiedlich seien, dass nach Brüssel andere Unterlagen geschickt werden müssten als jene, die von Berlin verlangt würden, klang nach einem bürokratischen Irrgarten.

Räte kritisieren Bewertung

Die Rheinstraße sei „ein ganz großer Punkt“, fasste der Planer die Bedeutung zusammen, die im Zuge der im März und April erfolgten Behörden- und Bürgerbeteiligung durch Eingaben von Anwohnern deutlich geworden sei. Obwohl in der Rheinstraße schon Tempo 30 gelte, habe es etliche Klagen gegeben, hauptsächlich wegen Kieslastern. Wenn 70 leere Lastwagen frühmorgens auf dem Weg zum Kieswerk lärmend durch die Straße rumpelten, sei es für die Betroffenen unverständlich, dass keine Belästigungen attestiert würden, kritisierte Daniel Geiser (WGS), dass nicht an Ort und Stelle zu den relevanten Zeiten tatsächlich gemessen werde.

Dies sei nicht nachzuvollziehen, bemängelte Andreas Härtel (CDU), zumal es auch zu erheblichen Erschütterungen käme. Die Situation sei unbefriedigend, stimmte Bürgermeister Toni Hoffarth zu. Wie der Berater von Modus Consult zudem erwähnte, wurde aus der Rheinstraße die Forderung erhoben, Pläne zur Aufwertung der Murgmündung zu überdenken, da zusätzlicher Verkehr die Folge wäre. Als Problem für die Umsetzung des Lärmaktionsplans kam außerdem der öffentliche Personennahverkehr abermals zur Sprache. Der KVV sei mit Rückhalt aus dem Landratsamt und von der IHK ein „vehementer Gegner“ von Tempo 30 auf Busstrecken. Fahrzeiten würden verlängert, Verbindungen gerieten aus dem Takt. Da in Steinmauern Teilstücke schon mit Tempo 40 belegt seien, sehe man jedoch keine großen Probleme, erklärte der Verkehrsplaner.

Fahrbahnsanierung geplant

Neben der Forderung nach Tempo 30 beinhaltete der Ratsbeschluss auch „mittelfristig“ anzustrebende Fahrbahnsanierungen. Angeregt wurde „lärmmindernder“ Asphalt. Martin Fettig (BV) wies verwundert darauf hin, dass für den aktuellen Sanierungsabschnitt der Hauptstraße von dem Spezialbelag abgeraten worden sei. Man habe die Auskunft bekommen, bei Geschwindigkeiten unter 50 km/h wirke er nicht. Die „Krux“ sei, dass er vom Regierungspräsidium für Versuchsobjekte beworben worden, aber noch gar nicht zugelassen sei, erklärte der Fachmann. Die Materialdebatte sei derzeit im Wandel.

Gut eingebauter normaler Asphalt bringe auch schon viel, machte er Hoffnung auf lärmschluckende Effekte der diese Woche begonnenen Sanierungsmaßnahme.

Nicht zuletzt gab es für Besitzer von Häusern, die vor 1974 gebaut wurden, die Information, dass bei nachgewiesener kritischer Lärmbelastung der Einbau von Schallschutzfenstern vom Land mit bis zu 75 Prozent eventuell gefördert werde.

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Erstellt:
22. Mai 2021, 11:00 Uhr
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