Steinzeit und Mittelalter haben bald WLAN-Anschluss

Rastatt (sl) – Im Rastatter Stadtmuseum kann man in die Vergangenheit der Region eintauchen. Im neuen Jahr soll ein neuer Teil der Dauerausstellung eingeweiht werden.

Eines der Paradestücke der neuen Dauerausstellung ist der Iffezheimer Reiter. Materialuntersuchungen haben jüngst bestätigt, dass er aus der Römerzeit stammt.Foto: Frank Vetter

© fuv

Eines der Paradestücke der neuen Dauerausstellung ist der Iffezheimer Reiter. Materialuntersuchungen haben jüngst bestätigt, dass er aus der Römerzeit stammt.Foto: Frank Vetter

Mammutzähne vom Röttererberg, eine römische Reiterfigur aus Iffezheim, eine spätgotische Monstranz aus Niederbühl: Wer im Stadtmuseum die Stufen ins Kellergewölbe hinabsteigt, kann künftig eine Zeitreise in die frühe Vergangenheit der mittelbadischen Region unternehmen und hat dabei sogar WLAN-Anschluss. Multimediastationen ergänzen nämlich den neuen Teil der Dauerausstellung. Außerdem lohnt es sich, ein Smartphone dabeizuhaben. Und trotzdem stehen die Originalobjekte aus der Geschichte im Mittelpunkt.
Corona hatte die lange geplante Erweiterung der Dauerausstellung immer wieder verzögert und auch jetzt ist noch ein wenig Geduld gefordert. Im neuen Jahr aber soll die Präsentation archäologischer Funde und mittelalterlicher Exponate endlich fertig werden. 160.000 Euro hatte der Gemeinderat 2019 für die Erweiterung bewilligt. Durch die aller Orten beklagten Materialknappheiten und Preissteigerungen der vergangenen Monate sind es nun 190.000 Euro geworden, erklärt Stefan Vogt, Leiter des städtischen Fachbereichs Schulen, Kultur und Sport. Wegen pandemiebedingt ausgefallener Veranstaltungen habe man an anderer Stelle aber auch Geld gespart, sodass die Mehrkosten gedeckt sind.

Bis 23. Januar soll alles fertig sein

Museumsleiterin Iris Baumgärtner führt derzeit noch über eine Baustelle. Die von einem Schreinerbetrieb maßgefertigten blauen Tische und Vitrinen sind erst halb aufgebaut, römische Inschriften und Altäre sind aber bereits an der Wand verankert, der Holzboden ist schon auf Hochglanz poliert, ein Kabel für den WLAN-Anschluss hängt noch aus der Wand. Bis 23. Januar 2022 soll alles fertig sein.

Ob es eine Eröffnungsfeier geben kann, hängt noch von der Entwicklung der Pandemie ab. Ende Januar will man aber – nach den dann geltenden Coronaregeln, versteht sich – die ersten Museumsgäste in den neuen Teil der Dauerausstellung führen. Die Schau umfasst die enorme Zeitspanne von der frühen Steinzeit bis in das für Rastatt so verheerende und doch so entscheidende späte 17. Jahrhundert. Denn mit dem Pfälzischen Erbfolgekrieg und dem Stadtbrand Baden-Badens 1689 begann so eigentlich erst der Aufstieg Rastatts zur Barockstadt.

Die Kriege jener Zeit sind auch der Grund, warum an Bausubstanz so gut wie nichts mehr aus dem Mittelalter in Rastatt erhalten ist. Der Chor der Bernharduskirche ist da eine Ausnahme. Sein Foto ist als Hochvergrößerung an der Stirnwand des Gewölbekellers angebracht, davor steht künftig ein Taufstein (oder ist es ein Weihwasserbecken?) aus Rastatts ältestem Gotteshaus. Die schlichte Schale haben Experten jedenfalls als romanisch identifiziert. Doch dabei handelt es sich bei Weitem nicht um das betagteste Objekt, das die Museumsbesucher künftig im Rastatter Stadtmuseum bewundern können. Zwar sei das Schwemmland am Oberrhein vergleichsweise arm an archäologischen Funden, doch ist Iris Baumgärtner stolz darauf, einige originale Gegenstände aus der Stein-, Bronze-, Römer- und Merowingerzeit zeigen zu können.

Ein Glanzlicht dürfte dabei der Iffezheimer Reiter sein, eine etwas rätselhafte Reiterstatuette, die 1963 gefunden wurde und die das Stadtmuseum als Dauerleihgabe des Landesdenkmalamts präsentieren darf. Eine jetzt von Wissenschaftlern der Uni Mainz vorgenommene Materialprüfung hat bestätigt, dass es sich um eine Figur aus römischer Zeit handelt, berichtet Baumgärtner, die das stets vermutet hat.

Solche Originalfunde aus der Region – es sind auch Objekte aus anderen Gemeinden des Landkreises und aus dem nahen Elsass dabei – haben natürlich eine ganz eigene Aura. Echt sind auch die Mammutzähne, die manch Rastatter noch aus der älteren Präsentation des Stadtmuseums kennen dürfte. Jetzt lagen sie wie die meisten Objekte aus Steinzeit bis Mittelalter lange im Depot.

Multimedia soll Geschichte noch lebendiger machen

Trotz aller Liebe zum Originalobjekt: Heute kommt kaum ein Museum mehr ohne multimediale Vermittlung aus. An Tablet-Stationen soll Geschichte noch lebendiger werden. Alle Vitrinen sind zudem mit QR-Codes ausgestattet, sodass Smartphone-Nutzer sich weitere Infos aufs Telefon laden können; das Museum ist ans Baden-WLAN angeschlossen. Datenvolumen wird also nicht verbraucht.

Es gibt aber auch noch ganz analoge Schmankerl: An einem von Papierrestauratorin Ute Luber eigens hergestellten Buch nach mittelalterlichem Vorbild kann man selbst ausprobieren, wie man damals ein Buch im wahrsten Sinn des Wortes „aufgeschlagen“ hat.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.