Stellenabbau bei Katz in Weisenbach

Weisenbach (stj) – Weniger Fassbier, weniger Arbeit: Die Corona-Krise hat den Bierdeckel-Hersteller im Murgtal weiter im Würgegriff. Der reagiert nun.

Die Marktbedingungen für die Katz-Gruppe sind durch die Pandemie erheblich schwieriger geworden. Foto: Stephan Juch

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Die Marktbedingungen für die Katz-Gruppe sind durch die Pandemie erheblich schwieriger geworden. Foto: Stephan Juch

Beim größten Arbeitgeber der Gemeinde Weisenbach werden Stellen abgebaut. Es geht nach BT-Informationen um etwa 40 Arbeitsplätze. Diese Zahl bestätigt Geschäftsführer Karsten Beisert zwar nicht, betont aber, dass „personelle Maßnahmen einzelvertraglich individuell geregelt“ werden. Heißt: Es soll keine betriebsbedingten Kündigungen geben, stattdessen eine Reduzierung auf dann noch rund 100 Mitarbeiter über Abfindungen und frühere Renteneintritte erreicht werden.

Das bestätigt Karsten Rehbein, der Bezirksleiter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) in Karlsruhe: „Es wird versucht, die Zahl auf freiwilliger Basis zu realisieren.“ Dies habe er aus Gesprächen mit einigen organisierten Mitarbeitern von Katz erfahren, die sich bezüglich der möglichen Modalitäten eines freiwilligen Ausscheidens bei der Gewerkschaft informiert haben. Weil betriebsbedingte Kündigungen aktuell kein Thema seien, müsse die IG BCE nicht aktiv werden: „Bei individuellen Gesprächen wird nicht immer die Gewerkschaft beteiligt.“

Die Probleme bei Katz in Weisenbach, das zur Koehler Paper Group (Oberkirch) gehört und schwerpunktmäßig Bierdeckel herstellt, liegen auf der Hand: „Die Marktbedingungen sind durch die Pandemie schwieriger geworden. Niemand kann abschätzen, wie lange uns Corona noch beeinträchtigt“, erklärt Karsten Beisert auf BT-Anfrage: „Alle hoffen auf das schnelle Ende und ein ‚normales Leben‘. Einige Branchen, wie die Gastronomie, sehen sich aktuell in einer existenzbedrohende Krise. Feiern, Feste und Veranstaltungen werden häufig abgesagt. Als weltweiter Marktführer sind wir mit unserem Hauptprodukt betroffen. Schließlich ist der Fassbierabsatz eingebrochen. Die Brauereien beklagen den Absatz- und Ergebnisrückgang und kaufen weniger bei uns. Damit sinkt unsere Auslastung und Beschäftigung mit entsprechenden Folgen.“

Welche Rolle spielt Marienthaler?

Trotz der schwierigen Situation sieht der Geschäftsführer des über 300 Jahre alten Traditionsunternehmens aber nicht schwarz: „Wir haben Gesellschafter, die Katz zukunftsfähig ausrichten. Die Strategie sieht eine Stärkung des Standorts vor. Wir schaffen dafür die notwendigen Rahmenbedingungen. Die aktuelle Lage und das geplante Szenario verlangt nach Kostenmanagement in allen Bereichen. Organisatorische und prozessuale Veränderungen liefern Ergebnisbeiträge. Das Zukunftskonzept betrifft die gesamte Unternehmensgruppe und wird sie nachhaltig ausrichten. Zum zukünftigen Erfolg werden unsere Innovationskraft und der Trend Nachhaltigkeit beitragen.“

Stärkster Konkurrent von Katz und zweiter großer Player in Deutschland bei der Bierdeckel-Produktion ist Marienthaler in Gemünd, einem Stadtteil von Schleiden in der Eifel. Das Familienunternehmen exportiert ebenfalls in die ganze Welt. Seit kurzem haben Koehler und Marienthaler eine Art Joint Venture (eine Form der Unternehmenskooperation), was Teile der Belegschaft in Weisenbach Sorgen bereitet. Denn, und das bestätigt IG BCE-Bezirksleiter Rehbein, Marienthaler sei „sehr, sehr schlank aufgestellt“ und unterliege keiner Tarifbindung, weshalb sie günstiger produzieren können als die Murgtäler. Zur Frage, welche Rolle der Konkurrent aus der Hauptstadt des Nationalparks Eifel für die künftige Ausrichtung von Katz in Weisenbach spielt, machte Geschäftsführer Karsten Beisert aber keine Angaben gegenüber dem BT.


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