Sterben im geschützten Raum

Baden-Baden (sga) – Marion Basler ist seit dem 1. April Geschäftsführerin von Pallium in Bühl und arbeitet bereits an neuen Projekten. Sie sieht ihre Tätigkeit als Berufung an.

Die neue Geschäftsführerin von Pallium, Marion Basler, hat feste Ziele. Foto: Sarah Gallenberger

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Die neue Geschäftsführerin von Pallium, Marion Basler, hat feste Ziele. Foto: Sarah Gallenberger

Es gibt eine Frage, mit der sich so ziemlich jeder schon mal im Laufe seines Lebens auseinandergesetzt hat: Was kommt danach? Eine Antwort darauf kann Marion Basler zwar nicht liefern. Doch die Geschäftsführerin von Pallium weiß: Alleine muss sich keiner mit dem Thema fühlen.
„Es geht uns alle etwas an“, erzählt die gebürtige Obersasbacherin. Deshalb freue sie sich umso mehr, für ihre berufliche Laufbahn den Weg in die Zwetschgenstadt gefunden zu haben. 14 Jahre hat sie vorher in Hamburg gewohnt und sich ein erfülltes Dasein mit ihrem Lebensgefährten aufgebaut. Unentwegt setzt sie sich dort und auch hier mit ihrer Karriere auseinander. Dabei stets im Fokus: Einsamen Menschen eine Hilfestellung zu geben.

Zeitsprung. Mit 17 Jahren entscheidet sich Basler für eine Ausbildung zur Krankenschwester in Lahr. Die Arbeit gefällt ihr, schließlich trägt sie etwas zur Gemeinschaft bei. Anfang 2000 ist sie an der Freiburger Uniklinik tätig. Ihr Einsatzbereich: Hämatologische Intensivstation. Während der Nähe zu sehr kranken Patienten wird die heute 41-Jährige daran erinnert, was sie bereits in den Jahren zuvor wusste: „Ich bin nicht die klassische Krankenschwester, die alle gesund macht.“ Stattdessen will sie etwas bewegen.

Also holt sie in Freiburg ihr Abitur nach, um 2007 schließlich Pflegewissenschaften und -management in der Hafenstadt studieren zu können. Doch das reicht ihr nicht. Es folgen Ausbildungen im Bereich der Palliative Care und der Trauerbewältigung. Bei der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin macht sie ihren Trainerschein, wird zertifizierte Kursleiterin und darf schließlich aufgrund ihrer Ausbildungen ihr erlerntes Wissen an Führungspositionen weitergeben.

Für einen großen Sprung auf ihrer Karriereleiter sorgt der Aufbau des Hospiz für Hamburgs Süden, wo sie von 2013 bis 2020 die Leitung des Pflegediensts sowie die stellvertretende Leitung des Hospiz übernimmt. Schließlich wagt Basler den Schritt in die Selbstständigkeit und bietet Schulungen an. Doch dann kam die Pandemie.

Aktiv und selbstbestimmt

„Was das betrifft, war Corona unser größtes Glück“, lacht Guido Kohler über den Lauf der Zeit. Er war es, der vor fast 20 Jahren Pallium gegründet und bis heute als Vorstandsvorsitzender für die Umsetzung vieler Projekte gesorgt hat. „Wenn man mal 70 ist, will man zurücktreten“, und deshalb freue er sich sehr über Basler, die nicht nur eine hohe Fachkompetenz, sondern viel Menschlichkeit aus Hamburg mitgebracht habe.

Gemeinsam soll es nun daran gehen, Pallium noch weiter auszubauen. Für Basler steht dabei vor allem eins an erster Stelle: Betroffene sollen ihre Zeit so aktiv und selbstbestimmt wie möglich in der Umgebung ihrer Wahl verbringen, „es gibt ja auch noch ein Leben vor dem Tod“. Während die 41-Jährige bis heute rund 4.500 Menschen beim Sterben begleitet hat, wird ihr eines immer wieder vor Augen geführt: „Man muss doch im geschützten Raum sterben können.“

Pallium als Arbeitgeber habe ihr so zugesprochen, dass sie sich gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten für Bühl entschieden habe. Dort möchte sie die bereits vielen innovativen Unterstützungsangebote von Pallium weiterführen und ausbauen und neue bedarfsgerechte Versorgungskonzepte erarbeiten. Aktuell liege ihr Fokus auf einem gesellschaftsbedingten Defizit, der durch die Pandemie sehr auffällt: Es gibt unglaublich viele Menschen, die sich alleine fühlen oder betreuungsbedürftig sind. „Es müssen helfende Hände her“, ist sie überzeugt. In Zeiten wie diesen zähle für viele oft nur die finanzielle Absicherung, „doch das ist nicht alles“. Stattdessen seien es Menschlichkeit, Gemeinschaft und Zuneigung, die Betroffene weiterbringen. Die Geschäftsführerin weiß: „Ich bin reich – aber nicht an Geld.“ Und genau so soll es auch allen anderen Menschen gehen.

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Erstellt:
3. Juni 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 49sec

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