Sternekoch Röttele geht von Bord

Baden-Baden (fvo) – Ende einer Ära: Sternekoch Armin Röttele hat zum 30. Juni seinen Vertrag als Pächter von Restaurant und Hotel Schloss Neuweier gekündigt. Grund ist eine neue kulinarische Ausrichtung. Die Besitzerfamilie Schätzle möchte den Fokus künftig mehr auf Wein und Event legen.

Neues Konzept: Im Schloss Neuweier soll der kulinarische Fokus noch mehr auf Wein und Event liegen.  Foto: Walter

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Neues Konzept: Im Schloss Neuweier soll der kulinarische Fokus noch mehr auf Wein und Event liegen. Foto: Walter

Leidenschaft ist nicht immer gleich Leidenschaft, vor allem, wenn die Beteiligten an unterschiedlichen Strängen ziehen. Doch das historische Gemäuer von Schloss Neuweier hat schon den 30-jährigen Krieg überlebt und wird wohl auch diese Personalturbulenz zwischen Küche und Keller verkraften. Ein Einschnitt ist es dennoch, wenn Sternekoch Armin Röttele nach 16 erfolgreichen Jahren das Feld räumt.
Grund: Unterschiedliche Vorstellung bezüglich der weiteren Ausrichtung von Restaurant und Residenz. Die Inhaberfamilie Klaus und Robert Schätzle, zugleich Betreiber des örtlichen Weinguts, möchte den Fokus mehr auf Weine legen und den Eventcharakter der Location ausbauen.

„Auch nach langen Gesprächen konnten wir kein einheitliches Konzept erarbeiten und sind gemeinsam zu dem Entschluss gekommen, dass wir zum 30. Juni das Restaurant und Hotel schließen“, teilt Röttele nüchtern mit. Er hat beides mit Frau Sabine, die neben Restaurant (80 Plätze) und Hotel (acht Doppelzimmer/zwei Suiten) auch das Büro gemanagt hat, zur Nobeladresse aufgebaut, inklusive jenem Stern, den man seit 14 Jahren innehat. Umso schwerer der Schlussstrich, den der Elztäler „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ ziehe. Lachend, weil sich der Sternekoch mit seiner mediterran orientierten „cucina della passione“ auf eine neue Herausforderung freue. Weinend, da man eine„einzigartige Wirkungsstätte“mittollen Gästenverliert (80 Prozent Stammkunden), „das stimmt einen schon traurig“.

Beide Parteien bemühten sich, von einer einvernehmlichen Trennung zu sprechen. „Das geschah nicht im Bösen“, versichern die Inhaber. Auch Röttele, der Leidenschaft am Job und Qualität des Produkts stets über den wirtschaftlichen Erfolg stellt, sprach von einem normalen Vorgang, räumte aber ein, dass „die Chemie nicht mehr gestimmt“ hat.

„Herzblut“ reklamieren aber auch die Schätzles für sich, denen eine stärkere Vernetzung von Kulinarik und Weingut vorschwebt, das man ebenfalls seit 2012 betreibt und das mit seinen erlesenen Lagen zu den besten in Deutschland zählt. „Hier wollen wir uns besser aufstellen“, so Diplom-Oenologe Robert Schätzle. Röttele habe eine „sehr gute Arbeit“ und „seinem Ruf alle Ehre gemacht“. Allerdings sei nach so viel Jahren irgendwo „die Luft raus auf beiden Seiten“, gab Klaus Schätzle zu verstehen und sieht den Wechsel auch als „Chance“. Das Schloss bestehe nunmal nicht nur aus dem Restaurant, sondern auch aus der tollen Umgebung, die man mehr integrieren wolle. Leerstand werde es jedenfalls nicht geben. Die Nachfolge in Sachen Küchenchef sei laut Klaus Schätzle nahezu geklärt („Die Gespräche sind sehr weit fortgeschritten“), ohne konkrete Namen oder Konzeptionen zu nennen. Er versprach nur, dass es „relativ nahtlos weitergeht.“ Dabei will man vor allem „im Eventbereich breiter aufgestellt sein“, was gerade dem Image eines verschlafenen Winkels vorbeugen soll. „Das Rebland hat Riesenpotenzial“, betont Robert Schätzle.

Ausdrücklich versichern alle Parteien, dass der Wechsel nichts mit Corona zu tun habe. „Wir hätten die Krise überstanden, aber es hat den Prozess sicher beflügelt“, erklärt Röttele. Die Verträge der 16 Mitarbeiter sind gekündigt. Laut Klaus Schätzle sei man aber um Kontinuität, sprich Crewübernahme bemüht, auch wenn sich sicher manch Jungkoch verändere. Wo Röttele nach Stationen in St. Moritz, Gstaad und Ascona seine Zelte aufschlägt, ist offen, „möglichst in der Region“. Wobei Sohnemann Lorenzo (17), dessen Weg ebenfalls in die Gastronomie führe, mit der Schule fertig sei. Und er selbst fühle sich mit 54 „in einem Alter, um nochmal durchzustarten und was anderesaufzumachen“, aber „sicher nicht in nächster Zeit“.

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Erstellt:
27. Mai 2020, 20:30 Uhr
Lesedauer:
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