Sternekochkunst im Glas und neue Musik-Kompositionen

Rastatt/Kuppenheim (sawe) – Neue Musik-Kompositionen, Sternekochkunst im Glas und eine verrückte Idee: Vier Menschen berichten, wo sie 2022 ihre persönlichen Herausforderungen sehen.

Die Corona-Pandemie hat nicht nur die Schlagzeilen 2021 geprägt, sondern auch viele Aktivitäten ausgebremst. Auch die weitere Entwicklung ist mit einem Fragezeichen versehen. Das hindert aber nicht daran, sich Ziele zu setzen. Vier Menschen, die nicht unterschiedlicher sein könnten, lassen sich trotz Ungewissheit nicht unterkriegen und berichten, wo sie ihre Herausforderungen im neuen Jahr sehen – sei es beruflich, in der Freizeit oder im Ehrenamt.

Neues Musik-Programm

Der Musiker: Peter Drischel, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Pete Tex, hatte – wie viele andere Künstler auch in diesem Jahr – unter der Corona-Pandemie zu leiden. „Leider wurden fast alle vereinbarten Veranstaltungen, auch das Konzert mit Gaby Albrecht, abgesagt oder auf 2022 verschoben“, bedauert der Saxofonist, der 1974 seine erste Single aufnahm und mit „Slow Motion“ seinen größten Hit landete, der zu seinem Markenzeichen wurde. Er ging um die ganze Welt.

Der Musiker: Peter Drischel alias Pete Tex. Foto: Nico Seifert

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Der Musiker: Peter Drischel alias Pete Tex. Foto: Nico Seifert

Da 2021 wenig lief und er unerwartet viel Zeit hatte, wirkte der Rastatter bei einigen Hochzeiten und Trauerfeiern musikalisch mit. Und er ging ins Studio, komponierte Instrumentaltitel für sein neues Programm. „Der von mir geschriebene Titel ,Jetzt ist unsere Zeit’ ist auf der neuen CD der Paldauer 2021 erschienen“, freut er sich. Das neue Jahr bringt für Pete Tex gleich zwei Herausforderungen: Es ist sein sehnlichster Wunsch, sein neues Programm „Musik und Worte – mal piano und mal forte“ präsentieren zu können. Er arbeite schon seit längerer Zeit an dem Werk, das neue Kompositionen sowie eine musikalische Bandbreite von leichter Klassik über Klezmer bis hin zu Jazz und Poptiteln bietet, berichtet er. Außerdem kann der Vollblutmusiker im neuen Jahr einen stolzen Geburtstag feiern: Er wird 80 Jahre alt. Und was macht er, um diese Herausforderungen zu meistern? „Ich übe täglich und halte mich mit Schwimmen und Physiotraining fit.“

Einsatz für das Klima

Der Klimaaktivist: „Ich engagiere mich in den Bereichen Globalisierung und Klimaschutz, so lange ich denken kann“, sagt Dr. Niklas Schurig, der seit zehn Jahren Hausarzt in Rastatt ist und seit 2014 mit seiner Familie in Kuppenheim wohnt. Dort ist er bei Kuppenheim4Future, einer seit 2019 bestehenden Initiative aktiv, die sich für die Klimaneutralität bis 2030 einsetzt. Zusammen mit Kuppenheim4Future möchte Schurig im kommenden Jahr „den Bürgermeister und den Gemeinderat in Kuppenheim dazu bewegen, die Klimakrise als größte Herausforderung unserer Gemeinde aktiv anzugehen“. Das alternative Ziel der Stadt, „Klimaneutralität bis 2040“, reiche zur Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels von Paris nicht aus, betont Schurig. Die Initiative will daher für einen Klima-Entscheid in Kuppenheim über den Winter noch rund 2.000 Flyer verteilen, um im Frühling 2022 dann dem Gemeinderat die erforderlichen Unterschriften für den Einwohnerantrag vorlegen zu können, der ein neues Klimaschutzprogramm zur Klimaneutralität 2030 fordert.

Der Klimaaktivist: Dr. Niklas Schurig. Foto: Hans-Jörg Binder

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Der Klimaaktivist: Dr. Niklas Schurig. Foto: Hans-Jörg Binder

Im Oktober war er noch aus formalen Gründen abgelehnt worden. Die Initiative hofft, dass der Gemeinderat sein „Weiter so“ zur Klimaneutralität dann überdenkt, gebe es doch immer mehr Kommunen, die bereits auf 1,5-Grad-Kurs sind, so Schurig. Neben dem lokalen Engagement arbeitet der Kuppenheimer im kommenden Jahr im Netzwerk GermanZero mit. Dort werden mit vielen weiteren Unterstützern in mehr als 60 Städten Klima-Entscheide wie in Kuppenheim organisiert. „Uns bleiben in Deutschland nach Berechnungen des Weltklimarats nur noch acht Jahre, um klimaneutral zu werden. Damit wir diese riesige Aufgabe gemeinsam meistern und dadurch unsere Lebensgrundlagen und unseren Wohlstand auch für unsere Kinder erhalten können, engagiere ich mich mit vielen Menschen für das 1,5-Grad-Ziel von Paris hier in Baden“, verdeutlicht Schurig.

Eine verrückte Idee

Der „Herausforderer“: Bernd Hoffmann gehört zu den Menschen, die sich immer wieder neuen Herausforderungen stellen müssen, um an ihre (körperlichen) Grenzen zu gehen. Seit einigen Jahren lebt der 66-Jährige in Kuppenheim, zuvor hat er über 20 Jahre im Ausland gearbeitet, davon 13 Jahre im Mittleren Osten und neun Jahre in Afrika. 2019 düste Hoffmann mit seinem alten Motorrad über 9.050 Kilometer durch zwölf Länder und fuhr 2020 mit einem selbst restaurierten 58 Jahre alten Unimog in 24 Stunden nach Paris und zurück. 2022 will er es wieder wissen und im ersten Quartal des Jahres den Kilimandscharo besteigen, der mit 5.895 Meter das höchste Bergmassiv Afrikas ist. Hoffmann hofft, dass ihm Corona und Einreisebeschränkungen keinen Strich durch die Rechnung machen. Der Kuppenheimer will noch einige Kilo abnehmen und seine Ernährung umstellen. „Ich brauche viele Kohlenhydrate, der Tank muss voll sein“, erläutert er schmunzelnd. Er wolle ja auch sein Ziel erreichen. Das gelte für alle seine Unternehmungen. Körperlich fit für das Abenteuer in Tansania hält sich Hoffmann mit Pilates, Yoga und Radfahren. Einmal in der Woche fährt er den Merkur mit dem Fahrrad hoch und wieder runter, früher hat er es dreimal in der Woche getan. Er habe immer noch eine gute Kondition, sagt er, „meine Gesundheit ist mein höchstes Gut.“

Der „Herausforderer“: Bernd Hoffmann. Foto: Sabine Wenzke

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Der „Herausforderer“: Bernd Hoffmann. Foto: Sabine Wenzke

Nach dem Sommer hat er ein weiteres Vorhaben konkret im Blick: Bernd Hoffmann will den Mont Ventoux befahren, dessen Anstiege Schauplätze für unvergessene Tour-de-France-Etappen waren. Allerdings nicht nur einmal, sondern gleich dreimal hintereinander an einem Tag. Warum er das macht? Weil er grundsätzlich alles durchzieht, was er sich vorgenommen hat. Und noch aus einem anderen Grund: Drei Wege führen auf den Giganten Mont Ventoux – von den Startorten Bédoin, Malaucène und Sault aus. Wer sie alle mit dem Rennrad an einem Tag bewältigt, erhält Einlass in den 1988 gegründeten „Club der Verrückten“, erzählt Hoffmann lachend. Der Club zählt laut Internet bislang 6.500 Radfahrer zu seinen Mitgliedern, die allesamt den schweren Ritt mit den 136 Kilometern und 4.443 Höhenmetern bewältigt haben. „Ich freue mich auf die Herausforderung“, sagt Hoffmann.

Zweites Standbein im Aufbau

Der Sternekoch: Über dem Herd von Wolfgang Raub leuchtet seit über 30 Jahren ein Michelin-Stern, lediglich zweimal blieb dem Spitzenkoch in Oberndorf in seiner langen Karriere bisher diese Auszeichnung versagt. Der Stern ist zwar auch im kommenden Jahr wieder eine Herausforderung für den 68-Jährigen. Schlaflose Nächte bereitet sie ihm aber nicht: „Ich mache mir da keine Gedanken, weil ich jeden Tag für jeden einzelnen Gast wie immer auf meine Art und Weise kochen und mein Bestes geben werde. Wenn der Stern dann kommt, dann nehme ich ihn natürlich“, meint der 68-Jährige lachend.

Weniger zu lachen gab es indes in den vergangenen zwei turbulenten Jahren. Wie andere Gastronomiebetriebe hatten Corona-Pandemie, Lockdown und Corona-Verordnungen auch „Raubs Landgasthof“ zu schaffen gemacht. In diesem Jahr öffnete der Genusstempel nach dem Lockdown erst Anfang Juli, „weil unser Betrieb nicht so darauf ausgelegt ist, dass man ihn sofort von 0 auf 100 hochfahren kann“, erläutert Tochter Katharina, die vor einigen Jahren mit ihrem Partner Johannes und ihrem Bruder Martin in den Familienbetrieb eingestiegen ist. „Wir brauchen Vorlaufzeit, damit wir auch die Qualität bieten können, die die Leute bei uns gewöhnt sind“, betont die 36-Jährige und verweist dabei unter anderem auf die Beschaffung hochwertiger Lebensmittel. Zwar habe es auch Monate mit gutem Besuch und Geschäft gegeben, doch insgesamt war das Restaurant in den beiden vergangenen Jahren elf Monate zu: „Wenn ein Umsatz mal dermaßen wegbricht, das fängt man nicht mehr auf“, verdeutlicht Katharina Raub, die BWL studiert und eine Sommelière-Ausbildung absolviert hat. „Die Gastronomie alleine hat keine Zukunft“, meint die 36-Jährige mit Blick auf die Pandemie und die ständige Angst, „dass plötzlich wieder dichtgemacht wird“. Daher baut sich die Familie mit der Produktlinie „Raub seit 1854“ ein zweites Standbein auf, hat bereits einen Pop-up-Laden eröffnet und einen Online-Shop eingerichtet. Die Angebotspalette ist vielfältig – reicht von Fonds, Saucen, Suppen und Ragouts nach alten und neuen Rezepten aus der Sterne-Küche über Fruchtaufstriche und Eingelegtes bis hin zu kompletten Gerichten.

Der Spitzenkoch: Wolfgang Raub. Foto: Frank Vetter

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Der Spitzenkoch: Wolfgang Raub. Foto: Frank Vetter

„Wir haben sehr lange daran getüftelt, wie man die gute Qualität ohne Qualitätsverlust ins Glas bekommt, damit es hinterher noch frisch aussieht und auch so schmeckt“, sagt Raub. Verdient gemacht habe sich dabei vor allem sein 34-jähriger Sohn Martin, der Wirtschaftsinformatik studiert, seinen Food- und Beverage-Manager in der Tasche hat und selbst ein sehr guter Koch ist. Ohne den Einsatz der jungen Generation hätte es der seit 167 Jahren bestehende Gastronomiebetrieb, der in normalen Zeiten 26 bis 28 Sitzplätze, in Corona-Zeiten aber nur 14 bietet, um den Abstand einhalten zu können, wohl schwerlich geschafft.

„Corona hat es beschleunigt“

„Die alte Tradition wäre vermutlich weggebrochen“, mag sich Raub das gar nicht ausmalen. Die Idee für einen Pop-up-Laden sei zwar schon länger in den Köpfen der Geschwister herumgeschwirrt, aber mit dem damals laufenden Restaurantbetrieb (fünf Tage mittags und abends geöffnet) nicht möglich gewesen. „Corona hat es beschleunigt und uns die Chance gegeben, es tatsächlich umzusetzen“, konstatiert der Chef.

Die Öffnungszeiten des Restaurants wurden etwas reduziert, damit Vater und Sohn Zeit in der Küche für die Herstellung der Feinkostprodukte haben. Laden und Online-Shop seien gut angenommen worden, müssten jedoch noch bekannter und der Umsatz gesteigert werden, sieht Wolfgang Raub mit seiner Familie eine Herausforderung für das kommende Jahr. Er wünsche sich, dass das Bewusstsein für gute Produkte wächst und „dass der Stein, den wir ’reinwerfen, Wellen schlägt“. Er werde weiterkochen, solange es ihm Spaß macht, kündigt er an.


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