Sternerestaurant in Baden-Baden soll an Tradition anknüpfen

Baden-Baden (nof) – Der Sonnenhof ist nach dem verheerenden Großbrand im Jahr 2019 wieder saniert. Ein Gourmet-Restaurant soll nun ins Erdgeschoss.

Nach dem Großbrand saniert: Im „Sonnenhof“ soll nun ein Gourmetrestaurant Einzug halten. Foto: Nico Fricke

© nof

Nach dem Großbrand saniert: Im „Sonnenhof“ soll nun ein Gourmetrestaurant Einzug halten. Foto: Nico Fricke

Der „Sonnenhof“ strahlt schon seit geraumer Zeit wieder inmitten der Stadt. 2019 war das denkmalgeschützte Gebäude am Sonnenplatz nach einem verheerenden Brand unbewohnbar geworden. Für eine Millionen-Summe hat es der Eigentümer, das „European Heritage Project“ (EHP) unter der kuratorischen Leitung des finanzkräftigen Unternehmers Prof. Peter Löw, mittlerweile sanieren lassen. Die Wohnungen sind bezogen, und nun ist auch klar, was künftig im Erdgeschoss für Flair sorgen soll.

„Fine Dining“, ein edles Restaurant also, schwebt Löw vor, der dabei keine kleinen Brötchen backen möchte: „Unser Ziel ist es, ein bis zwei Sterne zu bekommen“, denkt er in die Zukunft. Und hat dabei auch die Vergangenheit im Sinn. Denn mit der Eröffnung eines Restaurants knüpfe der „Sonnenhof“ an die Tradition an, erklärt der 61-Jährige, dem die Historie bei allen seinen Projekten sehr am Herzen liege.

Das Gebäude am Sonnenplatz sei ursprünglich als „vornehmes Restaurant mit kleinem Hotelbetrieb konzipiert gewesen“, blickt er in die Geschichte zurück. Die jüdischen Besitzer seien im Holocaust ermordet worden. „Daran erinnern die Stolpersteine vor dem Haus“, sagt Oberbürgermeisterin Margret Mergen beim Pressetermin am Donnerstag.

Unternehmer und Kurator: Prof. Peter Löw erläutert, wo Küche und Kühlräume eingerichtet werden. Foto: Nico Fricke

© nof

Unternehmer und Kurator: Prof. Peter Löw erläutert, wo Küche und Kühlräume eingerichtet werden. Foto: Nico Fricke

Wo bis zum Großfeuer im Juni 2019 Fatih Polat jahrelang sein Lebensmittelgeschäft betrieben hatte, soll nun also ein hochwertiges Lokal entstehen. „Die Einrichtungen von früher sind noch alle da“, führt Löw in die einstige und künftige Küche mit Kühleinrichtungen und Kellerzugang. Mitte kommenden Jahres möchte er das Restaurant eröffnen, das mit Blick auf sein „European Heritage Project“ den Namen „L’Heritage“ (Das Erbe) bekommen soll: „Die Leute sollen gleich wissen, dass es hier ein bisschen mehr kostet“, sagt Löw schmunzelnd. Dass nur ein paar Meter weiter gerade Malte Kuhn einen Michelin-Stern verliehen bekommen hat und im „Stahlbad“ ebenfalls Sterneküche eingezogen ist, empfindet Löw für seine ambitionierten Pläne als große Bereicherung: „Das zieht Gäste nach Baden-Baden.“

Nun müsse er nach einem Koch Ausschau halten, der diese hochgesteckten Ziele ebenfalls verwirklichen wolle. „Denn ein Koch bringt die Sterne nicht mit. Er fängt immer bei Null an“, sagt Löw, der schon ein klares Bild im Kopf hat, wie das Restaurant mal aussehen soll: „Eine Bar, eine durchgehende Sitzbank entlang der Wand, einige frei stehende Tische. Rund 40 Plätze werden wir hier unterbekommen“, schätzt Löw. „Das ist die Größe, ab der solch‘ eine Idee halbweg

s rentabel umzusetzen ist.“

„Ein Sechser im Lotto“

Dass Rentabilität bei seinem Kerngeschäft, dem Ankauf und der Sanierung angeschlagener Firmen, immer eine große Rolle spielt, daraus macht Löw, der in Baden-Baden aufgewachsen ist, keinen Hehl. „Von diesem Konzept habe ich mich hier nicht weit entfernt.“ Er baue auf dem Vorhandenen auf, erhalte diese alte Substanz und suche dann nach einer passenden Nutzung, „die der Bevölkerung wieder Zutritt ermöglicht und einigermaßen dem entspricht, was ursprünglich mal vorgesehen war“. Für OB Mergen ist eine Unternehmerpersönlichkeit wie Peter Löw „ein Sechser im Lotto“. Er stecke eigenes Geld in die Sanierung denkmalgeschützter Häuser und sorge nicht nur für „schöne Fassaden, sondern auch für vitales Leben in der Innenstadt“. Und der „Sonnenhof“ sei ja nur ein Beispiel.

Gefragt, ob das Neue Schloss nicht bestens in sein Portfolio passe, schmunzelt Löw: „Ich bin ja nicht der Retter der Welt. Ich möchte erst mal andere, bereits laufende Projekte zu Ende führen.“

Stichwort

Das „European Heritage Project“ (EHP) hat das Gebäude am Sonnenplatz 1 im Jahr 2004 erworben. 2016 wurde es restauriert, 2019 bei einem Großbrand schwer beschädigt – und danach erneut aufwendig saniert. Das auf Initiative von Peter Löw ins Leben gerufene Projekt, hat es sich zur Aufgabe gemacht, europaweit historisch einmalige und ihre Region prägende Baudenkmäler, die vom Verfall bedroht sind, zu erwerben und zu sanieren. So soll das kulturelle Erbe bewahrt werden. Bislang zählen acht Gebäude zum Ensemble des EHP in Baden-Baden – darunter die derzeit sanierte Villa „Kettenbrücke“ und das ehemalige Hotel „Deutscher Hof“ in der Lange Straße.

Ihr Autor

BT-Redakteur Nico Fricke

Zum Artikel

Erstellt:
18. März 2022, 08:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 02sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.