Stetiger Kampf gegen Motorradlärm

Baden-Baden (vn) – Zwischen Waldesruh‘ und Motorenlärm: Wie kann es im Schwarzwald wieder ruhiger werden? Neuigkeiten zu dieser Frage haben Experten in einer Online-Diskussion präsentiert.

Für die einen ist es Sound, für die anderen ist es Lärm: Stille gibt es im Schwarzwald nur noch selten. Foto: Schwarzwaldverein

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Für die einen ist es Sound, für die anderen ist es Lärm: Stille gibt es im Schwarzwald nur noch selten. Foto: Schwarzwaldverein

Über den Tag des Lärms am 28. April ist ausführlich berichtet worden. Einen Tag später diskutierten Experten in einer Online-Veranstaltung der Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg, ob es konkret beim Thema Lärmreduzierung im Schwarzwald Fortschritte gegeben hat. Im Fokus stand wieder der Motorradlärm.

Vor zwei Jahren fand in Bernau eine Auftaktveranstaltung statt, die dieses Problem von mehreren Seiten beleuchtete. Die rund 120 Teilnehmer entwickelten Ansätze zur Verbesserung der Situation. „Bernau I“ nannte Moderator Roland Schöttle, Geschäftsführer des Naturparks Südschwarzwald, am Donnerstagabend die Veranstaltung von damals. „Bernau II“ sollte nun zeigen, was sich seitdem getan hat.

Eine Folge von Bernau I war die Gründung der „Initiative Motorradlärm“ Ende Juli 2019. Thomas Marwein (Grüne), Landtagsabgeordneter und bis 30. April Lärmschutzbeauftragter der Regierung, berichtete, dass der Initiative heute 160 Gebietskörperschaften im Südwesten angehören. Schöttle warf die Frage aufwarf, ob es nicht mehr sein könnten. „Wir müssen lauter werden, damit es leiser wird“, lautete sein Fazit.

Als weiteren Fortschritt nannte Marwein, dass landesweit 40 Lärmdisplays im Einsatz seien, die durchaus Motorradfahrer zum Reduzieren ihrer Geschwindigkeit veranlassen. Marwein betonte: „Es geht um unnötigen Lärm, aber mitnichten um ein generelles Motorradfahrverbot.“ Nach dem heutigen Stand der Technik sei extremer Lärm ohne Weiteres vermeidbar.

„Tiroler Modell“ erfolgreich

Stefan Büchner vom Naturschutzzentrum Südschwarzwald verdeutlichte die „Verlärmung“ mittels einer Karte des Südschwarzwalds. Wenn die Reichweite des „Sounds“ mit zwei Kilometern zugrundegelegt wird, bleibt nur noch wenig Landschaft ohne Lärm übrig.

Neues vom „Tiroler Modell“ berichtete Christoph Lechner, unter anderem Experte für Emissionen beim Amt der Tiroler Landesregierung. Motorräder mit einem Standgeräusch von mehr als 95 Dezibel dürfen während der Sommersaison auf sechs Streckenabschnitten in Tirol nicht mehr fahren – egal, wie laut sie während der Fahrt wirklich sind. Lechner berichtete von Erfolgen: Deutlich weniger Menschen fühlen sich von Motorradlärm stark belästigt. Tirol beabsichtigt, die Maßnahmen jedes Jahr zwischen 15. April und 31. Oktober durchzuführen.

Bernd Obrecht, Vertreter des Motorradclubs „Kuhle Wampe“ aus Freiburg, kann sich das „Tiroler Modell“ in Deutschland vorstellen, lehnt Streckensperrungen nur für Motorräder aber ab. Er kritisierte, dass der Motorradmarkt heutzutage kaum leise Fahrzeuge biete – ein Kritikpunkt, der sich durch die ganze Diskussion zog.

Die Baden-Badener Oberbürgermeisterin Margret Mergen (CDU) sprach das Poser-Problem an: Motorradfahrer, die sich auf der Schwarzwaldhochstraße bei waghalsigen Manövern gegenseitig filmten und vor Kontrollen warnten. Sie warb für „leise schnurrendes“ Motorradfahren.

Ihr Autor

BT-Redakteur Volker Neuwald

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Erstellt:
3. Mai 2021, 05:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 14sec

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